Warum sich das Nadelöhr Brenner lohnt

von Redaktion

Wie es Garda, Lignano, Bibione und Trentino mit der Großbaustelle auf der Autobahn geht

Die Besorgnis war groß, doch zum Glück gibt es gerade etwas Entwarnung. Trotz der Generalerneuerung der Luegbrücke gab es in den Weihnachtsferien weder große Staus noch ausbleibende Urlaubsgäste. Letzteres hatten viele italienische Gastgeber befürchtet.

Worum es geht: Seit Anfang des Jahres darf der Verkehr über die 1,8 km lange Luegbrücke aus Sicherheitsgründen nur einspurig rollen. Im März werde laut Autobetreiber Asfinag dann mit der Erneuerung der Brücke begonnen, die bis Ende 2030 dauern werde. Hinzu kommt: Wer den Brenner-Pass benutzen will, kann nicht ohne Weiteres auf Nebenstraßen ausweichen. Diese sind entweder für den Transitverkehr gesperrt oder – wie im Fall der parallel verlaufenden Bundesstraße – durch Dosierampelschaltungen nicht wirklich attraktiv. Was also tun, fragen sich Italienfans. Ein Anruf bei den Tourismuschefs in Norditalien.

Panoramaroute durch
die Schweiz wählen

Top vorbereitet zeigt sich Paolo Artelio, Präsident von Visit Garda. „Wir haben umfassende Maßnahmen geplant, um sicherzustellen, dass unsere Gäste eine entspannte und angenehme Reise zum Gardasee erleben, trotz möglicher Verzögerungen an der Luegbrücke. So bereiten wir eine gezielte Kommunikationskampagne vor, die Reisenden helfen wird, die beste Alternativroute zu wählen, schöne Zwischenstopps zu finden und den Gardasee ohne unnötige Verzögerungen zu erreichen. Eine Anreiseoption ist etwa der Reschenpass. Leider finden dort zeitweise Sicherheitsarbeiten statt, dann empfehlen wir eine Route über die Schweiz, die über die Engadiner Straße (B184) und die Martinsbrucker Straße (B185) führt. Diese Strecke verlängert die Reise nur um 6,6 km und etwa zehn Minuten. Gleichzeitig belohnt sie Reisende mit spektakulären Ausblicken auf die Schweizer Alpen.“

Welche sind Ihre Lieblingsorte auf der Anreise durch die Schweiz, Herr Artelio? „Martinsbruck oder Pfunds bestechen durch ihre alpine Schönheit und charmante Atmosphäre. Hier kann man nicht nur die atemberaubende Landschaft genießen, sondern auch regionale Köstlichkeiten wie Südtiroler Speck, aromatischen Bergkäse wie den Trentingrana und frisch gebackenes Bauernbrot, eine super Jause zu der ich Trentiner Apfelsaft empfehle.“

Eine weitere Möglichkeit, um gut gelaunt am Gardasee anzukommen, ist die Anreise mit der Bahn: „Die Bahnhöfe von Verona, Rovereto, Desenzano del Garda sowie Peschiera erreicht man schnell und oft ohne Umsteigen aus den wichtigsten Städten Deutschlands. Von dort geht es weiter per Bus oder Fähre zu allen Orten am Gardasee.“

Angekommen am Gardasee stehen 2025 einige ganz besondere kulturelle Veranstaltungen an wie Konzerte, Theateraufführungen und lokale Feste. „Und auch die Hotels selbst haben Sonderaktionen vorbereitet, wie Wellnesspakete, Weinverkostungen oder geführte Wanderungen“, so Artelio. „Der Gardasee ist einfach ein Ort, der an Vielfalt nicht zu überbieten ist: Der See mit seiner spektakulären Umgebung aus Bergen, Hügeln und mediterraner Vegetation, malerische Orte wie Malcesine oder die historische Halbinsel Sirmione mit ihren Thermalquellen – jeder Winkel hat seinen eigenen Charme für Genießer, aber auch Familien und Aktivurlauber.“

Statt samstags unter
der Woche anreisen

Martin Manera, Präsident von Lignano Holiday ist sich der Unsicherheit seiner Gäste bewusst: „Nicht nur die Brückensanierung auf der Brenner Autobahn ist ein Thema. Auch auf der Tauern-Autobahn werden bis Juni 2025 fünf Tunnel gleichzeitig saniert und die Brücke zwischen Gmünd und Spittal umgebaut. Hinzu kommt, dass der Plöckenpass nur teilweise für den Verkehr geöffnet ist.“ Uff, was empfiehlt er seinen Gästen in dieser verzwickten Situation? „Immer einen Blick auf die ADAC- und Asfinag-Seiten werfen, um sich vor Abfahrt noch mal zu informieren, welche Strecken von Bauarbeiten betroffen und welche Umleitungen empfohlen werden.“ Auch die Anreise mit der Bahn oder dem Flugzeug sei eine gute Alternative: „Lignano ist öffentlich gut angebunden: So kann man vom Flughafen Triest entspannt auf die Bahnstrecke Trieste-Venedig umsteigen und bis Latisana-Lignano weiterfahren. Nach Udine gibt es von München aus mehrmals täglich Nonstop-Zugverbindungen, von dort geht es dann mit dem Bus in nur einer Stunde weiter nach Lignano. Für West-Bayerische Gäste könnte auch die Autozug-Verbindung Feldkirch-Villach eine stressfreie Alternative sein.“

Und was rät er denen, die mit dem Auto anreisen wollen? „Sie sollten den Anreisetag geschickt wählen.“ Statt eines hektischen Kurzurlaubs könnte man für diesen Sommer einfach mal ein oder zwei Wochen AdriaUrlaub planen. Dann muss man sich nicht an Hauptanreisetagen mit allen anderen auf den Weg machen, kann unter der Woche starten.“

Und langweilig wird es 2025 in Lignano ganz sicher nicht. „Es steht ein Jahr voller Feste und Veranstaltungen an. Kulturell ist vom Pop- bis zum Klassikkonzert viel geboten, aber auch spannende Sportevents wie das berühmte Bikerfest oder die ‚Sandy Wheels – Lignano Cycling Expierence‘ am letzten Septemberwochenende finden wieder statt.“

Wer selbst gerne in die Pedale steigt, dem stehen rund um Lignano vielfältige Fahrradrouten zur Verfügung.

Anreiseinfos per
Direktnachrichten

Nächster Anruf bei Giuliana Basso, der Vize-Präsidentin von Bibione Live. Sie ist alles andere als besorgt, denn: „Unsere Reiseziele sind nur geringfügig vom Touristenverkehr über die Brennerautobahn betroffen. Der Großteil unserer Gäste erreicht Bibione über die Grenze bei Tarvis und die weiterführende Verkehrsanbindung von Udine nach Süden, welche sogar erheblich verbessert wurde, insbesondere durch die vierspurige Strecke im Endabschnitt, die Palmanova mit Latisana und unserer Autobahnausfahrt verbindet.“

Auch hier setzt man schon seit Jahren darauf, die Anreise entspannter zu gestalten, indem man Anreisetage über die gesamte Woche verteilt. Des Weiteren setze man auf einen schnellen Informationsfluss: „Wir informieren unsere Gäste unkompliziert mit Direktnachrichten, die wenige Tage vor der Abreise verschickt werden, und informieren sie über eventuelle Verkehrsprobleme.“ Vor Ort warten dann endlose Strände und einzigartige Kulinarik auf die Gäste.

Ins Trentino mit der
Bahn anreisen

Letzter Anruf bei Gianni Battaiola, Präsident vom Trentino Marketing. Sein Tipp lautet: „Wir empfehlen, wenn möglich, nicht an Wochenenden und zu Zeiten mit dem größten Verkehrsaufkommen anzureisen. Von München aus gibt es allein bis nach Trento oder Rovereto fünf direkte Züge. Übrigens: Wenn man im Voraus bucht, sind die Preise günstig. Und: In einigen Zügen können Fahrräder transportiert werden.“

Dort angekommen, will man eigentlich gar nicht mehr nach Hause. So schön ist es. Ein paar Beispiele: „In unserer einmaligen Provinzhauptstadt Trento sind das historische Zentrum mit dem Schloss Buonconsiglio oder das Wissenschaftsmuseum im Stadtteil Albere unbedingt einen Besuch wert. Auf der Piazza del Duomo, der Freiluft-Lounge der Stadt, sollte man auf jeden Fall einen Kaffee genießen. Sehr empfehlenswert ist auch das weniger bekannte Val di Non, es hat die höchste Konzentration an Burgen in ganz Europa. Fünf sind der Öffentlichkeit zugänglich: Castel Valer, Castel Nanno, Castel Coredo, Castel Belasi und Castel Thun.“

Doch das war‘s noch längst nicht mit allen Insidertipps: „Eine ideale Zeit, bei uns Urlaub zu machen, ist der Frühling, wenn die Apfelplantagen blühen. Außerdem sollte man sich unbedingt mal das Val di Sole anschauen. Es ist von Trento aus mit dem Zug über Malé bis nach Mezzana verbunden und besonders bei Mountainbikern beliebt. Nicht verpassen sollte man auch das Val di Cembra, das sich durch ein komplexes System von Trockensteinterrassen und eine große Qualität von Weinen wie Müller Thurgau und Trentodoc auszeichnet, die in den örtlichen Weinkellern verkostet werden können.“ Und dann hat er noch ein paar Lieblingsorte für uns: „Sehenswert ist auch das nahe gelegene Val di Fiemme, das vom Latemar, den Pale di San Martino, der Lagorai-Kette, dem Naturpark Paneveggio eingerahmt wird. Und zu guter Letzt möchte ich noch vom Val di Ledro vorschwärmen, nicht weit von Riva del Garda entfernt und ein absoluter Tipp für Naturliebhaber.“ J. Ammerschläger

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