„Zuerst formen wir die Gebäude, danach formen sie uns“ soll Winston Churchill einmal gesagt haben. In diesem Satz steckt die Erkenntnis, dass Häuser, nicht bloß einfach Objekte sind, die man nutzt. Sondern dass ihre Gestaltung eine Auswirkung darauf hat, wie wohl man sich in ihnen fühlt.
Diese Tatsache kommt bei öffentlichen Gebäuden, wie etwa einem Rathaus, ganz besonders zum Tragen. Denn von der Art, wie es auf den Betrachter wirkt, hängt viel ab: Fühlt er sich dem Bau gegenüber schon auf den ersten Blick hin eher fremd, oder fühlt er sich von ihm angenommen?
Der Eindruck, den ein Rathaus auf Sinne und damit auch das Gemüt macht, ist also wichtig, aber nur ein Teil dessen, was es leisten muss. Schließlich ist es auch ein Zweckbau und hat also solcher ganz spezifische Anforderung zu erfüllen: In ihm muss moderne Verwaltungsarbeit möglich sein, was effektive und wohlüberlegte Raumaufteilung nötig macht.
Idealerweise soll alles so gestaltet sein, dass es auch in 30, 40 Jahren noch nicht völlig überholt oder gar aus der Zeit gefallen wirkt.
In Neubeuern scheint all dies gelungen zu sein. Die Reaktionen der Bürger bei der feierlichen öffentlichen Einweihung des neuen Rathauses und dem sich anschließenden Tag der offenen Tür Anfang Februar legen diesen Eindruck jedenfalls nah.
Vorgeschichte
Ein Rathaus neu zu bauen ist für jede Gemeinde eine riesige Herausforderung. Nicht nur finanziell, sondern auch ideell. Als man in Neubeuern anfing, sich ganz konkrete Gedanken über einen Rathausneubau zu machen, wurde eine Bürgerwerkstatt eingerichtet, um die Bürger von Anfang an in die Entwicklung ihres Rathauses mit einzubinden.
Vorab wurde ein Schlüssel erstellt, der die Gemeindebevölkerung möglichst genau abbilden sollte: Weiblich, männlich, alt, jung, neuzugezogen, alteingesessen – all diese Parameter wurden den tatsächlichen Verhältnissen entsprechend erfasst. Über diesen Schlüssel wurden dann 200 durch einen Zufallsgenerator ausgewählte Bürgerinnen und Bürger angeschrieben und gefragt, ob sie nicht an einem Workshop zum Rathausneubau teilnehmen wollten. 40 von ihnen sagten zu und ermöglichten, wie Bürgermeister Christoph Schneider meinte, eine wirklich in die Tiefe gehende Veranstaltung. Ein repräsentativer Ausschnitt aus der Neubeurer Bevölkerung konnte seine Vorstellungen von einem künftigen Rathaus einbringen.
Schließlich tat sich für die Gemeinde „ein Geschenk des Himmels“ auf: Die Gelegenheit, einen bereits bestehenden Bau zu erwerben, der in seinen Räumlichkeiten und deren Zuschnitt so wirkte, als sei er von Anfang an auf eine Funktion als zukünftiges Rathaus hin konzipiert worden.
Ein großer Vorteil war die Tatsache, dass die Gemeinde gegenüber einem Neubau rund drei Millionen Euro sparen konnte. Und das obwohl das bestehende Haus zu einem wirklich hochfunktionellen Rathausbau ertüchtigt wurde: Etwa durch einen barrierefreien Zugang auch zum Obergeschoss, durch eine hochmodernen Heizungs- und Kühlanlage auf der Basis einer Grundwasserwärmepumpe, unterstützt durch eine hauseigene Photovoltaikanlage. jt