Wer täglich oder zumindest regelmäßig mit dem Auto in Großstädte fährt, muss meist viel Zeit einplanen, denn es drohen Staus. Anwohner großer Straßen dagegen leiden unter Lärm und Abgasen.
Laut ADAC ist in Deutschland nach wie vor das Auto das meistgenutzte Verkehrsmittel in der Stadt: Fast drei Viertel der Befragten sind damit an zehn oder mehr Tagen pro Jahr innerhalb ihrer Stadt unterwegs, knapp die Hälfte sogar an mindestens 100 Tagen.
Dementsprechend schwer tun sich die Kommunen, Maßnahmen gegen Stau und zur Reduzierung des Autoverkehrs durchzusetzen. So scheitern beispielsweise flächendeckende Tempo-30-Zonen, Umwandlung von Parkplätzen oder Einrichtung von Fahrradschnellwegen oft am Widerstand der Bevölkerung. Auch die Erhöhung der Gebühren für Anwohnerparkausweise bringt viele Proteste mit sich, teilweise unterlagen dabei Stadtverwaltungen vor Gericht.
Während sich die staugeplagten Großstädte in Deutschland noch schwertun mit Maßnahmen, um den Autoverkehr dauerhaft einzubremsen beziehungsweise zu reduzieren, sind einige europäische Metropolen auf diesem Gebiet ein ganzes Stück weiter. Hier einige Beispiele, was diese Städte an Maßnahmen ergriffen haben.
London: Bereits seit 2003 gibt es in der britischen Hauptstadt eine City-Maut. Darüber hinaus gibt es eine Low-Emission-Zone beziehungsweise Niedrig-Emissionszone, in die Fahrzeuge mit hohen Abgaswerten gar nicht oder nur gegen hohe Gebühren einfahren dürfen. Nach wie vor ist aber die britische Hauptstadt mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 14 km/h die am langsamsten zu durchfahrende Stadt der Welt.
Paris: Fast im gesamten Stadtgebiet gilt Tempo 30. Die Uferstraßen an der Seine wurden für Autos gesperrt, das Radwegenetz wurde massiv ausgebaut. Parkgebühren im Stadtzentrum steigen nach einem Referendum für SUVs und andere Autos mit einem Gewicht von mehr als 1,6 Tonnen von 6 auf 18 Euro pro Stunde.
Amsterdam: Im Stadtzentrum werden 11200 Parkplätze gestrichen und auf 80 Prozent der Straßen gilt Tempo 30, nur auf Durchgangsstraßen darf mit 50 km/h gefahren werden. Ab 2030 sind Autos mit Verbrennermotor in der Innenstadt verboten.
Barcelona: Sogenannte „Superblocks“ wurden in dem schachbrettartigen Straßennetz eingerichtet. In diesen Nachbarschaften gibt es keinen Durchgangsverkehr.
Wien: Bereiche fürs Anwohnerparken werden ausgeweitet und Parkplätze werden zu Nachbarschaftsplätzen umgewandelt.
New York: Geplant ist eine Maut-Zone in Manhattan nach dem Vorbild Londons. Die Stadt will die Einnahmen für den Ausbau des ÖPNV nutzen. Volker Pfau