Schaustollen kurz vor Eröffnung

von Redaktion

Es ist eine Binsenweisheit, die sich aber gerade in der Kommunalpolitik als besonders wahr zeigt: Gute Ideen zu haben, ist das eine. Dann aber auch den langen, bisweilen ganz langen Atem aufzubringen, der für ihre Umsetzung benötigt wird, noch einmal etwas ganz anderes.

Ein schönes Beispiel dafür ist der Deisenrieder Stollen, ein mit EU-Mitteln gefördertes Gemeinschaftsprojekt der Gemeinden Bad Feilnbach und Fischbachau. Hier wird, wohl noch in diesem Frühjahr, ein besonderer Erlebnisort eröffnet werden können: Für einen Erwerbszweig, der einst die Region maßgeblich geprägt hat, an den heute aber selbst die Erinnerung weitgehend verblasst ist.

Geschichte wird
anschaulich gemacht

Angefangen hatte alles im Jahr 1839. Da war der Kaindl-Müller aus Au vor Gericht zitiert worden, weil er Kohle verkauft hatte. Nicht im großen Stil, sondern nur kleine Mengen, die in der Gegend teilweise oberflächennah anstanden und immer wieder mal von Bachläufen aufgeschlossen wurden. Aber Bodenschatz ist Bodenschatz und der Abbau ohne Konzession selbst in kleinen Mengen strafbar.

Immerhin wurde man dadurch auch „von Amts wegen“ darauf aufmerksam, dass in Au überhaupt Kohle zu finden war und begann im Jahr 1843 mit ersten Schürfversuchen, die erfolgreich waren. Ab 1861 startete dann der ernsthafte Abbau, schon bald mit ehrgeizigen Plänen verbunden: Eine Eisenbahnlinie sollte Au mit der schon bestehenden Strecke bei Bad Aibling verbinden, um die Kohle leichter abtransportieren zu können.

Allerdings war der Kohlenboom in Au nicht von langer Dauer, bereits 1890 wurde der Abbau aus Rentabilitätsgründen wieder eingestellt. Die Idee der Bahn aber wurde weiterverfolgt und die Strecke Bad Aibling-Feilnbach ging tatsächlich 1897 in Betrieb. Mit ihr hatte der Kohleabbau in Au mit einem Schlag eine deutlich verbesserte Ausgangssituation, sodass er im selben Jahr wieder aufgenommen wurde, um dann 1907 endgültig beendet zu werden. Die Bahnstrecke selbst existierte bis in die 70er-Jahre hinein, hatte aber schon ab den Zwanzigern immer weniger Bedeutung.

In Au war der Kohleabbau also nur ein vergleichsweise kurzes Phänomen. In Hausham aber, wo er zeitgleich begonnen hatte, hielt er sich auf hohem Niveau bis 1966, als dank einer amerikanischen Verordnung ein entscheidender Absatzzweig für die Haushamer Kohle wegbrach.

An all dies soll der Deisenrieder Stollen, dessen Eingang in der Nähe des Parkplatzes zur Tregler Alm liegt, nicht nur erinnern, er soll vor allem auch die Arbeitsbedingungen unmittelbar erlebbar machen. Dass er erhalten wurde und nun in Teilen zu einem Ausstellungsort ausgebaut werden konnte, ist nicht zuletzt auch der Hartnäckigkeit des Bergmannsvereines St. Barbara Leitzachtal zu verdanken, der sich seit gut 20 Jahren für dieses Ziel einsetzte.

Eigentlich hatte man gehofft, den Stollen schon 2021 als Erinnerungsort öffnen zu können, aber Bürokratie wie technische Probleme zogen das Vorhaben immer wieder in die Länge. Doch das Durchhaltevermögen aller Beteiligten zahlte sich aus: Wenn der Schacht in diesem Frühjahr nun tatsächlich eröffnet wird, ist auch Feilnbach um eine bedeutende Touristenattraktion reicher. Wetterunabhängig und von vornherein auch auf Menschen mit körperlichen Einschränkungen hin ausgelegt, also Rollstuhl- und Rollatorgerecht und auch für Seh- oder Hörbehinderte erfahrbar, wird er mit Sicherheit zu einem lohnenswerten Ausflugsziel auch für Besucher aus der ganzen Region. jt

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