Im nördlichsten Winkel des Landkreises Mühldorf liegt die Gemeinde Egglkofen. Bürgermeister Johann Ziegleder weist aber darauf hin, dass sich die Egglkofener stärker an den Nachbarlandkreis Landshut orientieren, weil die Wege dorthin einfach kürzer sind als bis in die Kreisstadt. Viele hätten etwa in Vilsbiburg ihren Arbeitsplatz. Zudem seien auch die Straßenanbindungen nach Vilsbiburg und Landshut besser ausgebaut als in die Kreisstadt.
Reges Vereinsleben
Mit Blick auf das Freizeitangebot vor Ort müssen die Egglkofener aber nicht unbedingt woanders hinfahren, denn die ortsansässigen Vereine und auch die Gemeinde stellen so manche Veranstaltung auf die Beine.
So findet im Sommer an zwei Tagen Mitte Juli das große Dorffest der Ortsvereine statt. Die Gemeinde engagiert einen Clown, der für die Kinder das Glücksrad aufbaut und Spiele organisiert. Ebenfalls im Angebot sind eine Hüpfburg und Ponyreiten. Die Erwachsenen können es sich bei Grillschmankerln und Kaffee und Kuchen gut gehen lassen. Dazu spielen die Hofmark-Musikanten vom Egglkofener Musikverein. Die Bewirtung übernehmen die freiwillige Feuerwehr und der Schützenverein.
Die Vereine engagieren sich im Winter auch beim Adventsmarkt vor dem Schloss. Eine besondere Attraktion dabei ist der Weihnachtsmaibaum. Die freiwillige Feuerwehr schmückt mithilfe der Drehleiter den Maibaum. Den Betrieb der 18 Hütten stemmen zumeist die Egglkofener Vereine.
Für beste Stimmung gerade bei den Jüngeren sorgt die KLJB Tegernbach, die das Weinfest in der Arthur-Loichinger-Halle neben der Schule organisiert. Da wird auch mal die Bierbank zur Bobbahn umfunktioniert.
Für die Jüngeren wird alljährlich ein attraktives Ferienprogramm zusammengestellt. Ein Klassiker sind die Schießübungen mit dem Lichtgewehr im Schützenheim, die der Fußballclub gemeinsam mit den Schützen im Schützenheim anbietet.
Für alle Altersklassen ist der Gemeindelauf gedacht, den ebenfalls der Fußballclub Egglkofen stemmt. Dieses Jahr findet er ab dem 15. Juni statt. Eine Woche lang kann die vorher definierte Strecke in und rundum Egglkofen zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden.
Im vergangenen Jahr fand der große Faschingsumzug statt. Ihn gibt es nur alle vier Jahre und die ganze Gemeinde nimmt an dem Großevent teil. Viele Zuschauer säumen die Straßen, wenn die Mottowägen die Hauptstraße entlangziehen – egal bei welchem Wetter.
Sehr aktiv ist auch der Imkerverein, der heuer sein 115-jähriges Bestehen feiert. Die rund 30 Mitglieder kommen mit insgesamt 210 Bienenvölkern aus drei Landkreisen.
Ärger um
Gewerbegebiet
Ärger gab es im vergangenen Jahr wegen des Gewerbegebiets. Die Gemeinde braucht ein neues Gewerbegebiet, um den Bauhof zu verlagern und Firmen umsiedeln zu können, die sich im Ort nicht mehr ausdehnen können. Der Gemeinderat hat jahrelang an der Ausweisung von Gewerbeflächen gearbeitet. Doch seit Juli vergangenen Jahres ist die Klage eines Nachbarn anhängig, der gegen die Pläne ist. Die Gemeinde wartet nach wie vor auf eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts, um weiter planen zu können. „Egglkofen ist auf die Gewerbesteuer angewiesen“, so Bürgermeister Johann Ziegleder.
Der größte Kostenfaktor der Gemeinde ist die Grundschule, die ausschließlich von Egglkofener Kinder besucht wird. „Für die Nachmittagsbetreuung kommt möglicherweise eine zweite Gruppe zusammen. Ab 2026 ist die Nachmittagsbetreuung verpflichtend“, führt Johann Ziegleder aus. „Die Abgeordneten erlassen Vorschriften und die Gemeinden müssen sehen, wie sie die Belastung stemmen“, ärgert er sich. Das sei nicht fair.
Baugebiet „Am
Bergblick“
Im Baugebiet „Am Bergblick“ konnten fast alle Baugrundstücke verkauft werden. „Für die Einheimischen werden wir ein neues Baugebiet erschließen müssen, um junge Leute am Ort zu halten“, sagt Ziegleder. Drei mögliche Standorte wurden bereits ins Auge gefasst. Das Thema soll demnächst in Angriff genommen werden.
Sanierung von Schloss
und Forsthaus
Mehr Wohnraum konnte auch im Schloss Egglkofen geschaffen werden. Im zweiten Obergeschoss sind drei Wohnungen entstanden.
Das letzte Mal wurde das Schloss vor 1970 saniert. Seit 2011 kümmert sich eine Stiftung um das Schloss, die von einem Nachfahren des Grafen Montgelas gegründet wurde und das Ziel hat, den historischen Charme des Schlosses zu erhalten. Mittlerweile gibt es einen Ausstellungsraum und eine große Schlossküche. Ein Cateringunternehmen möchte im Schloss Veranstaltungen organisieren.
„Den Bau zu erhalten, ist mit erheblichen Kosten verbunden“, weiß Bürgermeister Ziegleder. Die Kosten zum Erhalt finanzieren sich aus dem Ertrag der Landwirtschaft, des Waldes und der Mieten. „Die hohen Räume verursachen hohe Heizkosten, auch wenn die Hackschnitzelheizung, die mittlerweile die Wärme liefert, mit Holz aus dem eigenen Wald versorgt wird“, so Ziegleder. Sanierungsbedürftig sind auch der Park und der Maxkanal, der durch den Park führt. Ein weiteres Thema, das den Gemeinderat beschäftigt, ist die Sanierung des alten Forsthauses, das im Ortszentrum im „alten Gelb“ steht. Das Forsthaus, dem man seine 270 Jahre ansieht, steht unter Denkmalschutz. Bis 1988 war es, das eines der ältesten Häuser im Ort ist, bewohnt. In den vergangenen Jahren wurden erste Schritte unternommen, um es zu erhalten. Langfristig könnte es das Museum Egglkofens werden und alte Schriften und Dokumente beherbergen. sn