„Ich hab es im ersten Moment gar nicht überrissen, konnte es einfach nicht fassen“ beschreibt Bürgermeister Stefan Lederwascher den Nachmittag des 3. Juni. „Ich stand da, schaute auf die Burg und mir war zunächst gar nicht klar was da tatsächlich passiert war. Erst nach einigen Momenten habe ich es begriffen: Die sanierte Mauer – sie ist weg“
Das Starkregenereignis ist für Flintsbach ganz sicher ein Ereignis gewesen, das in die Geschichte des Ortes eingehen wird. Schon allein auch deswegen, weil die Wassermengen, die sich da binnen kürzester Zeit auf den Ort herabschütteten, enorm waren: Mehr als 200 Liter.
Auch an den Folgen wird man in Flintsbach noch einige Zeit zu knabbern haben. Da ist nicht nur die Burgmauer selbst, die, wie es alle im Ort sehen, glücklicherweise wieder aufgebaut werden wird. Dies schon allein auch deswegen, um den Hang zu stabilisieren und die Unterlieger zu schützen. Es sind am Burghang aber auch alle Wege, die weiter nach oben führen, zu den Wirtshäusern und zur Peterskirche, teilweise schlichtweg nicht mehr vorhanden gewesen, einfach weggerissen, oder in Bachbette verwandelt.
Weil es sich dabei auch um Wirtschaftswege handelt, war man schon im ganzen letzten Sommer mit aller Kraft dabei, sie wieder begehbar und für die Anlieger auch befahrbar zu machen. Eine Aufgabe, die auch noch einen Gutteil dieses Jahres beanspruchen wird.
So übel die materiellen Schäden an der Burgmauer und auch an einigen Wohnhäusern sind, bei denen es sich meist um vollgelaufene Keller handelt: Es sind, so sagt Stefan Lederwascher immerhin keine Menschenleben und keine Verletzten zu beklagen: „Am Unwettertag war das alles andere als selbstverständlich, denn wir waren lange Zeit völlig im Ungewissen, was vom Berg noch kommen würde. Die Burgmauer war ja der Tatsache zum Opfer gefallen, dass sich weiter oben nacheinander mehrere Verklausungen lösten, wie Dominosteine. Ob es damit genug war, oder ob noch mehr kommen könnte, war völlig unsicher“.
Dass in den Tagen danach die Sonne schien, reduzierte diese Gefahr und ermöglichte auch schon erste Sicherungsmaßnahmen, auch wenn manchem Flintsbacher der Sonnenschein wie Hohn vorgekommen sein muss.
Manche nutzten das schöne Wetter aber auch bereits für eine Art „Desaster-Tourismus“, wofür der Bürgermeister auch im Nachhinein nur wenig Verständnis hat: „Die Leute brachten sich damit noch nachträglich in akute Gefahr. Gegen diese Unvernunft halfen unsere ganzen Sicherungen und Absperrungen eigentlich so gut wie gar nichts“.
Rundum positiv findet der Bürgermeister aber das perfekte Zusammenspiel all derer, die augenblicklich bereit waren, Schlimmeres zu verhindern. Besonderen Dank spricht er dabei dem Wasserwirtschaftsamt aus, das nicht nur sofort, sondern auch unbürokratisch mit ganzem Einsatz Unterstützung leistete.
Dank auch den Feuerwehren, die sich trotz vollem Einsatzes beim Starkregenereignis nicht von der Feier des 150. Jubiläums der Feuerwehr Flintsbach drei Tage danach abbringen ließ. Dies war auch ein Zeichen: Wenn die Feuerwehr noch zu einem Fest einladen kann, dann ist die augenblickliche Lage vielleicht schlimm, aber alles in allem keineswegs hoffnungslos. jt