„Anstrengende Jahre liegen hinter uns und ich hoffe, erfolgreichere vor uns“, sagt Paul Dirnecker (FWS). Der Schonstetter Bürgermeister blickt auf bewegte Zeiten zurück. Nicht nur kommunalpolitisch, denn der Streit um den Feuerwehrhausneubau hat den dörflichen Frieden mehr als einmal auf die Probe gestellt. Zudem hätten weltweite Krisen und die aktuelle Wirtschaftslage den Menschen zu schaffen gemacht und seien auch an der Gemeinde Schonstett nicht spurlos vorbeigegangen, resümiert Dirnecker. Aktuell würden kaum noch Bauanträge gestellt. Auch beim Gewerbe habe die gesamtwirtschaftliche Entwicklung spürbar zu Verunsicherungen geführt und Investitionen gehemmt. Nachfragen nach Gewerbegrund gebe es derzeit kaum noch. Allerdings könnte die Gemeinde ohnehin keine freien Flächen anbieten, räumt Dirnecker ein.
Mehr Gewerbegrund
ausweisen
Mittelfristig soll sich das jedoch ändern. Man bemühe sich darum, weiteren Gewerbegrund auszuweisen, um eine moderate gewerbliche Entwicklung voranzutreiben und damit weitere Steuereinnahmen für mehr finanziellen Gestaltungsspielraum zu generieren. „Aktuell bleiben der Gemeinde nach Abzug aller Umlagen etwa 500000 Euro im Jahr für Investitionen. Bei den anstehenden Pflichtaufgaben reicht das nicht aus“, erklärt Dirnecker. Zumal Bund und Länder immer mehr Aufgaben auf die Kommunen abwälzten, ohne sie mit den entsprechenden finanziellen Mitteln auszustatten. Deshalb werde die Gemeinde den Gürtel noch enger schnallen müssen. Ohne langfristige Kreditaufnahmen werde man dennoch nicht auskommen. „Wir wollen aber nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern positiv in die Zukunft schauen,“ betont der Bürgermeister. Ziel sei eine zukunftsträchtige Gemeindeentwicklung. Dafür müsse sich Schonstett künftig breiter aufstellen und die anstehenden Pflichtaufgaben nun beherzt angehen.
Auf der Agenda 2025 steht neben dem Feuerwehrhausneubau mit grob geschätzten Kosten von bis zu 3,8 Millionen Euro, die Sanierung des Regenwasserkanals für rund 530 000 Euro und die langfristige Sicherung des Kindergartengrundstücks. Vor allem Letzteres ist eine große Unbekannte, denn die Verhandlungen mit der Caritas dauern an. Fakt ist: Die anstehenden Projekte werden die Gemeinde voraussichtlich über Jahrzehnte finanziell belasten.
Feuerwehrhaus hat
Priorität
Der Neubau des Feuerwehrhauses ist sicher der größte Brandherd, der gelöscht werden muss. Seit gut 20 Jahren steht das Neubauprojekt, das bisher aufgrund fehlender finanzieller Mittel immer wieder hinausgeschoben wurde, ganz oben auf der Maßnahmenliste. Doch nun sollen alle Kräfte gebündelt werden. Die finanziellen Mittel sind immer noch knapp, dennoch soll der erforderliche Neubau heuer endlich realisiert werden.
Vor allem in den vergangenen zweieinhalb Jahren wurde hart um den Neubau gerungen und dabei auch tiefe Gräben durch die Bevölkerung gezogen. Entnervt, dass aus ihrer Sicht zu wenig vorwärts geht, hatten die Feuerwehrler zwischenzeitlich sogar gedroht, ihre Ämter niederzulegen. Kurzzeitig schwebte die Einberufung einer Pflichtfeuerwehr aus Bürgern als mögliches Schreckensszenario über der Gemeinde. Mittlerweile ist der Plan genehmigt und die Finanzierung steht. Damit sei ein großer Klotz aus dem Weg geräumt, der die Gemeinde jahrelang gehemmt habe. „Die Feuerwehr hat Priorität und nun hat Schonstett eine gewaltige Pflichtaufgabe vor der Brust. Das war keine leichte Entscheidung, weil sich die Gemeinde damit über Jahrzehnte verschuldet,“ erklärt Dirnecker. Im vergangenen Jahr sei händeringend nach Einsparmöglichkeiten gesucht worden. Harte Auseinandersetzungen hätten nicht unbedingt zur Lösungsfindung beigetragen, auch wenn er verstehen könne, dass Themen wie Feuerwehr und Kindergarten polarisierten. Viele hätten sich bei der Auseinandersetzung persönlich angegriffen gefühlt. „Es wird endlich Zeit, alle Nebenschauplätze zu beenden. Wir sollten viel mehr über die Sache sprechen und Emotionen raushalten,“ appelliert der Bürgermeister und bittet die Feuerwehr weiter um Geduld. Die Planung und Umsetzung eines öffentlichen Baus sei aufwendig. Es gehe um öffentliche Gelder. Da müssten strenge Regularien eingehalten werden. Von Verwaltungsseite aus sei und werde auch künftig alles Notwendige getan. Nun hofft der Rathauschef auf einen Baubeginn im Herbst. Dann soll im Süden von Schonstett, angrenzend an das Baugebiet „Am Köblgraben“ das neue Feuerwehrhaus entstehen. Zeit wird’s, findet die Feuerwehr. Es sei die gesetzliche Pflicht der Gemeinde, eine Feuerwehr zu unterhalten. Darum sei es wichtig, ein baulich zukunftssicheres Gebäude zu errichten, das den behördlichen Anforderungen entspreche und gute Arbeitsbedingungen biete, so der stellvertretende Kommandant Rudi Angerer in einer Informationsveranstaltung zum aktuellen Sachstand. ca