„Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“, erläutert Erster Bürgermeister Sepp Huber den Ansatz des Obinger Gemeinderats. Das bedeutet, dass mit finanziellem Augenmaß Schritt für Schritt wichtige Projekte in Angriff genommen werden, betont das Gemeindeoberhaupt. Mit einem ganzheitlichen Ansatz wurde in den vergangenen Jahren kräftig in die Entwicklung von Wohnbaugebieten und den Breitbandausbau investiert, Schulden abgebaut und ein finanzielles Polster angeschafft. Das kann die Gemeinde nun auch gut gebrauchen, denn mit dem Neubau eines Kindergartengebäudes in Obing hat die Gemeinde gleich zwei große Einzelprojekte vor der Brust. „Pflichtaufgaben“, wie Bürgermeister Huber findet. Dazu gehöre auch die Anschaffung eines Hilfeleistungslöschfahrzeugs für die Albertaicher Wehr für rund 700000 Euro. Und hier schließt sich der Kreis. Einen Zuschuss für das Fahrzeug gibt es nämlich nur, wenn das Feuerwehrhaus und speziell die Fahrzeughalle modernen Richtlinien entspricht.
Ein weiteres zentrales Thema ist die Kinderbetreuung. Die Nachfrage nach längeren Betreuungszeiten steigt. Zudem dürfe sich die Gemeinde durchschnittlich über rund 50 Geburten jährlich freuen, berichtet Sepp Huber. Damit platzt der Kindergarten mit aktuell 150 Kindern in sechs Gruppen, wovon eine im Container untergebracht ist, aus allen Nähten. In unmittelbarer Nachbarschaft gegenüber der Obinger Kinderkrippe soll im nächsten Jahr der Spatenstich für einen Neubau mit Erweiterungsmöglichkeiten erfolgen. Insgesamt bietet die Kita St. Gabriel dann sechs Kindergarten- und drei Krippengruppen.
Zudem muss bis 2026 die Offene Ganztagsschule (OGTS) umgesetzt werden. Fakt ist, dass die bisherigen Räumlichkeiten der Mittagsbetreuung im Obinger Schulhaus dafür nicht ausreichen. Eine Prognose gehe bis 2029 von 350 Grundschülern aus, die Anspruch auf die OGTS hätten und etwa 50 bis 70 Prozent, die diese auch nutzten. Die Zahlen seien stabil. In den nächsten Jahren werde die Grundschule dreizügig unterrichtet. Letztlich gehe man von 170 bis 200 benötigten Plätzen bis 2029 aus, so der Bürgermeister. 2026 werde mit der ersten Klasse begonnen. Derzeit werde gemeinsam mit der Schulleitung ein Konzept zur Umsetzung erarbeitet, berichtet Huber.
Kinderbetreuung und
Bildung im Fokus
Alles in allem lässt sich die Gemeinde Kinderbetreuung und Bildung einiges kosten. Jährlich werden rund 600000 Euro Betriebskostenzuschuss für den Kindergarten und etwa 700000 Euro für den Betrieb der Grund- und Mittelschule ausgegeben. Darüber hinaus übernehme die Gemeinde freiwillige Leistungen wie beispielsweise die Kosten für den Musiklehrer der Bläserklasse, den Schwimmunterricht oder die Schulsozialarbeit an der Grundschule. „Wir stehen dahinter, denn die Investition in den Schulstandort ist wichtig für die Entwicklung der Kinder und damit letztlich auch der Gemeinde,“ betont Huber. Aber natürlich müsse das alles auch finanziert werden. Dabei müsse den Bürgern klar sein, dass nicht immer alle Forderungen erfüllt werden könnten. In diesem Zusammenhang stellte der Rathauschef fest, dass das Anspruchsdenken wachse. „Ich wünschte mir, dass die Bürger wertschätzten, dass die Gemeinde weit mehr als Pflichtaufgaben leistet.“ Man müsse über eine Anhebung der Grundsteuer nachdenken. Das seien die einzigen Steuereinnahmen, die komplett in der Gemeinde verbleiben und den finanziellen Spielraum verbessern.
Ebenfalls zentrales Thema ist schnelles Internet. Beschlossene Sache ist ein weiterer Breitbandausbau für 228 Anschlüsse etwa in den Ortsteilen Klein- und Großbergham, Schalkham, Oberleiten, Honau, Albertaich. In einem weiteren Abschnitt sollen dann zum Beispiel Frabertsham, Ilzham, Pfaffing, Haiming folgen. Hierzu fehlt allerdings der Förderbescheid noch. Für die beiden Maßnahmen ist ein Gesamtbedarf von rund 5,45 Millionen Euro, bei erhofften 90 Prozent Gesamtförderung vorgesehen.
Obing steht finanziell gut da. 2024 betrugen die Gewerbesteuereinnahmen rund 1,81 Millionen Euro, von 2020 bis 2024 insgesamt etwa 7,5 Millionen Euro, was einem Durchschnitt von 1,88 Millionen Euro pro Jahr entspricht.
Blick in die
Finanzen
Ein Einbruch der Gewerbesteuer ist trotz der Wirtschaftslage nicht zu beobachten, so der Kämmerer. Für 2025 wird vorsichtig mit 1,560 Millionen Euro gerechnet. Die Haupteinnahmequelle ist die Einkommensteuerbeteiligung, die von 2020 bis 2024 durchschnittlich 2,87 Millionen Euro jährlich einbrachte; für 2025 sind 3,2 Millionen Euro geplant. Die Gemeinde erhielt seit 2020 durchschnittlich eine Million Euro an Schlüsselzuweisungen. Die allgemeine Rücklage wird Ende des Jahres bei etwa 4,2 Millionen Euro liegen, mit geplanten Entnahmen bis auf circa eine Million Euro bis 2028. Danach sollen Rücklagen für Projekte durch Erschließungen von Baugebieten aufgebaut werden. Ein großer Ausgabeposten ist die Kreisumlage mit 3,150 Millionen Euro, wobei die endgültigen Zahlen des Landkreises Traunstein noch fehlen. Der Schuldenabbau läuft parallel, mit einem Schuldenstand von etwa 118000 Euro und einer Pro-Kopf-Verschuldung von 26 Euro pro Einwohner. ca