Warmer Hintern im Abonnement

von Redaktion

Zubehör per Onlineklick: Hersteller bieten immer mehr „Functions on Demand“ an

Ein neuer Begriff erscheint auf den Onlineseiten der Hersteller, auf denen man sich sein Traumauto konfigurieren kann: Functions on Demand. Gemeint sind damit Funktionen, die sich über eine Onlineverbindung nachträglich im Fahrzeug freischalten lassen.

Wer also beim Kauf bei der Sitzheizung kein Häkchen gemacht hat, kann die Funktion, die den Hintern wärmt, bei vielen Herstellern nachträglich freischalten lassen. Gegen einen Einmalbetrag oder per regelmäßiger Mietzahlung. Möglich ist dies bei Zubehör und Ausstattungen, die vom Hersteller bereits im Werk eingebaut werden – die Kabel für die Sitzheizung sind oft schon im Sitz verbaut.

Intelligent Kosten gesenkt

Für die Hersteller hat dieses System den Vorteil, dass sie im Prinzip alle Autos eines Typs mit einer einheitlichen Ausstattung bauen können, was die Produktion vergünstigt. Durch die Individualisierung per Mietvertrag generieren sie zusätzlichen Umsatz. Käufer profitieren von einer Anpassung an individuelle Bedürfnisse, bei Gebrauchtwagen können attraktive Ausstattungen auch später und ohne aufwendige Nachrüstarbeiten oder lange Werkstattaufenthalte dazugebucht werden.

Die Funktionen lassen sich dauerhaft erwerben oder für einen Zeitraum mieten. Hier liegt allerdings auch ein großer Stolperstein: Wenn Extras für eine gewisse Zeit gemietet werden, muss man dies stets im Blick haben, um nicht plötzlich ohne Navi-Funktionen, Geschwindigkeitsassistent oder WLAN-Hotspot unterwegs zu sein. Bei manchen Herstellern wird auch nach einer gewissen Zeit automatisch eine erneute Nutzungsgebühr fällig, sofern man nicht fristgerecht widersprochen hat. Derartige Klauseln können fast unsichtbar in der Preisliste versteckt sein.

Nach Angaben des ADAC kostet das Ambientelicht im VW Golf 8 im Kauf zwischen 39 und 59 Euro, ein Fernlichtassistent 185 Euro und die Sprachbedienung 269 Euro. Gemietet kostet bei Audi der Fernlichtassistent ab 27 Euro pro Jahr, drei Jahre kos­ten 72 Euro. Bei BMW und Mercedes-Benz lassen sich Navigationsfunktionen aktivieren, Smartphone-Integration, Fernlicht-Assistent und sogar eine erweiterte Hinterachslenkung. Zubuchen kann man auch die Fernsteuerung des Autos beim Einparken.

Functions on Demand birgt aber auch Risiken. Der ­ADAC und Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass diese Technik Cyberkriminellen die Möglichkeit bietet, in die Elektronik des Autos einzudringen. Wenig kundenfreundlich sind intransparente Abo-Modelle, zudem sind Mieter nicht gegen nachträgliche Preiserhöhungen oder Abofallen gefeit.

Wer Funktionen durch freie Anbieter zu günstigeren Preisen freischalten lässt, riskiert den Verlust der Herstellergarantie und verpasst Updates durch den Hersteller. V. Pfau

Artikel 6 von 11