Fachkräftemangel und die schwierige Suche nach Azubis: IHK-Regionalausschussvorsitzender und Unternehmer Andreas Bensegger berichtet im OVB-Interview von den aktuellen Herausforderungen am Ausbildungsmarkt.
Was sind aktuell die größten Herausforderungen für Bewerber und Betriebe?
Das ist aktuell sicher der demografische Wandel. Es werden in den nächsten Jahren die „Baby-Boomer“ in Rente gehen – zugleich geht die Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger zurück. Die Betriebe wollen weiter ausbilden, unter anderem auch, um die frei werdenden Stellen im Betrieb mit top ausgebildeten Fachkräften nachzubesetzen.
Die Ausbildungsbereitschaft bei den Betrieben ist weiter hoch – es fehlen aber einfach die Bewerberinnen und Bewerber, weil zu wenige junge Menschen aus den Schulen kommen.
Wie beeinflusst die Wirtschaftslage die Ausbildungssituation in Bayern?
Die derzeitige Wirtschaftskrise lässt die Unternehmen auf der Bremse stehen, wenn es um Personalaufbau geht. Die Betriebe sind zurückhaltend – das ist an der ein oder anderen Stelle auch bei der Ausbildung. Aber grundsätzlich wissen die Unternehmen: Die beste Investition in die Zukunft ist die Investition in den Nachwuchs!
Warum sind heutzutage Azubimessen mit persönlichem Kontakt so wichtig – für Firmen wie für junge Leute?
Nirgendwo anders können sich künftige Azubis und Ausbildungsbetriebe so gut kennenlernen wie bei Azubimessen mit persönlichem Kontakt – wir bekommen diese Rückmeldung auch seit Jahren von den Gästen und Besuchern unserer IHK-Ausbildungsmesse in Rosenheim. Im persönlichen Gespräch kann man am besten offene Fragen klären, die möglicherweise künftigen Kolleginnen und Kollegen kennenlernen sowie Tipps und Einblicke von den erfahrenen Mitarbeitenden erhalten.
Für traditionelle Betriebe ist es oft schwierig geworden, junge Menschen auf ihren „Kanälen“ wie Social Media zu erreichen. Wie können sie trotzdem zueinander finden?
Immer mehr Unternehmen und Ausbildungsbetriebe gehen dorthin, wo die Schülerinnen und Schüler unterwegs sind – sprich auf Social Media. Dabei setzen sie auf kreative Videos und unkonventionelle Inhalte, um aufzufallen. Darüber hinaus setzt die IHK alles daran, dass bereits in der Schule die Ausbildungsmöglichkeiten sichtbar sind und die Schülerinnen und Schüler bei der Berufsorientierung möglichst viele Einblicke in die Vielfalt einer Ausbildung sowie die zahlreichen Angebote der Unternehmen erhalten. So besuchen beispielsweise die IHK-Ausbildungs-Scouts regelmäßig Schülerinnen und Schüler im Unterricht und informieren über ihr Leben als Azubis, ihre Ausbildung, ihren Ausbildungsalltag, ihre Perspektiven und stellen sich den Fragen der Jugendlichen.
Weiterhin organisiert oder beteiligt sich die IHK regelmäßig an Ausbildungsmessen in München und ganz Oberbayern. Und als drittes Beispiel sind unsere IHK-Bildungspartnerschaften zwischen Schulen und Ausbildungsbetrieben zu nennen. In solch einer Partnerschaft unterstützt der Betrieb mit Veranstaltungen und Manpower die Schule im Berufsorientierungsunterricht der Abschlussklassen.
Welches Feedback bekommen Sie aus den einzelnen Branchen: Wo ist der Fachkräftemangel am größten?
Nach wie vor übertrifft in allen Ausbildungsbereichen das Angebot an Lehrstellen die Nachfrage. Unsere Betriebe wollen ausbilden, ausbilden, ausbilden und sich so ihren Fachkräftenachwuchs sichern. Aber vor allem im gewerblich-technischen Bereich, zum Beispiel in den verschiedenen Ausbildungsberufen zum Mechaniker oder Mechatroniker, könnte es noch mehr Nachwuchs geben. Auch den Ausbildungsbetrieben der Gastronomie und Hotellerie, die Berufe wie den Koch, die Fachkraft Küche oder die Fachkraft für Gastronomie ausbilden, fehlt es an ausreichend Bewerberinnen und Bewerbern.