Wissen in der Region halten

von Redaktion

Oberbürgermeister Andreas März im Interview

Rosenheim verfügt als Schul- und Hochschulstadt über großes Potenzial an Personal und Wissen. Wie wichtig es ist, diese Ressourcen in der Region zu halten, berichtet Rosenheims Oberbürgermeister Andres März im Interview.

Eine Azubimesse neben Popcorn-Automat und Kinosaal – inwiefern ist eine solche Veranstaltung für Rosenheim eine Bereicherung?

Wir leben in einer immer digitaleren Welt. Informationen werden überwiegend online eingeholt, insbesondere von Jugendlichen, die Social Media ja quasi von Kindesbeinen an mitbekommen. Da ändert sich die Welt rasant und dem müssen wir Rechnung tragen. Auch das Recruiting verschiebt ins Internet, der Großteil der Bewerbungen erfolgt online.

Aber: All das kann den direkten Austausch vor Ort nicht in Gänze ersetzen. FAQs können nicht auf individuelle Fragen eingehen. Wie sieht das Team hinter der Stelle aus? Kann ich vielleicht im persönlichen Gespräch überzeugen? Welche Erfahrungen haben andere in den Unternehmen gemacht? Das sind Fragen, die nur im Austausch vor Ort beantwortet werden können. Wer sich also selbst ein Bild von den verschiedenen Karrieremöglichkeiten in der Region machen will, der ist auf der Azubimesse gut aufgehoben.

Warum sind Azubimessen für Rosenheim als Schulstadt wichtig?

Allein in der Stadt Rosenheim haben wir jährlich Schulabgänger von über zehn Schulen. Von den Mittelschulen über die Realschulen und die Gymnasien hin zu den privaten Anbietern. Und wenn wir dann noch die umliegenden Gemeinden im Landkreis Rosenheim dazu nehmen, dann haben wir ein enormes Potenzial, Personal und Wissen in der Region zu halten. Das ist natürlich auch wichtig für uns als Wirtschaftsstandort und die heimischen Unternehmen.

Unsere Schülerinnen und Schüler müssen aber auch wissen, welche Möglichkeiten sie hier vor Ort haben. Bei der Onlinesuche ist da eher Eigeninitiative gefragt, bei den Azubimessen bekommen sie alles auf einen Blick.

Wie tragen Ausbildungsmessen dazu bei, Schülern und Schülerinnen eine klare Vorstellung von ihrem künftigen Berufsweg zu vermitteln?

Das direkte Gespräch ist kaum zu ersetzen. Die Unternehmen und Betriebe können sich direkt und authentisch vorstellen, auf Fragen eingehen und auch die Köpfe hinter den Stellenangeboten zeigen. Dabei bekommen die künftigen Azubis einen umfassenden Einblick auf drei Ebenen: Einmal bekommen sie einen Einblick in die Anforderungen des Berufs per se. Auf Ebene zwei können sie sich dann austauschen, ob der Beruf oder auch der Arbeitgeber für sie persönlich geeignet ist. Und auf der dritten Ebene können Emotionen geweckt werden. Während die erste Ebene auch im Online-Recruiting funktioniert, sind die anderen beiden nur in persönlichen Gesprächen, wie beispielsweise auf Azubimessen, möglich.

Rosenheim ist Hochschulstadt, es gibt aber auch viele mittelständische Betriebe, die händeringend nach Fachkräften suchen. Konkurrieren hier zwei Systeme oder gehen sie Hand in Hand?

Sie ergänzen sich gut. Stadt und Landkreis Rosenheim sind geprägt durch mittelständische Unternehmen, die viel in die Ausbildung investieren. Ich bin richtig froh, dass sich immer noch so viele Firmen in Stadt und Landkreis finden, die sich zur Ausbildung im eigenen Unternehmen bekennen. Das ist ja ein Mehraufwand, wenn gleich natürlich dadurch auch das Personal für die Zukunft gewonnen werden kann.

Aber hier liegt auch eine Herausforderung für die Zukunft: die hier in der Region ausgebildeten Fachkräfte in der Region zu halten. Nicht umsonst beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe im Rahmen der (Digitalen) Bildungsregion Rosenheim mit exakt diesem Thema. Und dann gilt es natürlich, auch unsere hervorragend ausgebildeten Hochschulabgänger in Stadt und Landkreis Rosenheim zu halten. Zum Beispiel durch unser Digitales Gründerzentrum Stellwerk 18. Und gleichzeitig gibt es ein gut funktionierendes Netzwerk zwischen Hochschule, Unternehmen, öffentlichen Stellen und vor allem Studentinnen und Studenten, damit die Wege zueinanderfinden und voneinander profitieren können.

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