Seit gerade einmal zehn Jahren ist die chinesische Marke Xpeng im Handel. Mit dem G6 ist hierzulande inzwischen das dritte Modell am Start. Wir konnten das SUV-Coupé in der Long-Range-Version mit 286 PS einem ausgiebigen Alltagstest unterziehen.
Lob: Im Innenraum dominiert unter dem durchgängigen, einteiligen Glasdach eine eher nüchterne Linie. Es findet sich kein überflüssiger Zierrat, dafür ist alles klar angeordnet. Dominiert wird das Armaturenbrett vom knapp 15 Zoll messenden Bildschirm, ergänzt wird dieser durch den 10,2 Zoll großen Bildschirm hinterm Lenkrad. Fast alle Informationen bezieht man von diesen beiden Monitoren, fast alle Funktionen werden hier mittels Fingerberührung gesteuert, was anfangs einiger Übung bedarf.
Viel Lob verdient sich der Xpeng durch den optischen Abbiegeassistent: Bei Blinkerbetätigung wird eine Kamera am Außenspiegel aktiviert, die den toten Winkel fast vollständig minimiert. Auch bei Regen bietet dieses System eine gute Rücksicht. Das Video, das man groß zoomen kann, läuft auf dem Bildschirm am Armaturenbrett.
Beim Fahrverhalten überzeugte der Xpeng G6 in allen Situationen. Trotz der üppigen Dimensionen (4,75 Meter Länge, 1,92 Meter Breite) fühlten wir uns dank diverser entsprechender Assistenten auch im Berufsverkehr innerorts wohl. Sehr angenehm war das Reisen bei entspannter Autobahn-Richtgeschwindigkeit. Viel Spaß hatten wir, als wir das gut zwei Tonnen schwere SUV im Sportmodus über Landstraßen scheuchten, denn auch diese Disziplin absolvierte der Wagen ohne Tadel, lag stets sicher auf der Straße und nahm jede Kurve sauber auf der gewählten Linie.
Kritik: Die Konzentration auf den Zentralmonitor ist gewöhnungsbedürftig. Die wichtigsten Funktionen werden auf für uns nicht immer logischen Ebenen aufgerufen – ein Sicherheitsrisiko beim Fahren. Vermisst haben wir ein Handschuhfach, obwohl vor dem Beifahrersitz eigentlich viel Platz zu sein scheint.
Kosten: An Frosttagen lag der Verbrauch bei 21 bis 22 kWh/100 Kilometer, bei höheren Temperaturen deutlich unter der 20-kWh-Marke. Die Preisliste ist kurz und knapp: 47600 Euro kostet der Xpeng G6 Long Range. Bei den Sonderausstattungen findet sich nur eine elektronisch ausfahrbare Anhängerkupplung für 1160 Euro, und wer das serienmäßige Arctic White nicht mag, kann unter vier Lackierungen wählen, die je 800 Euro kosten.
Fazit: Mit dem Xpeng fährt ein weiterer Stromer aus China vor, der im mittleren bis gehobenen Segment angesiedelt ist. Leistung und Ausstattung sind top, der Preis sehr attraktiv. Die bisweilen gewöhnungsbedürftige Technik der Bedienelemente muss man mögen. Volker Pfau