Haben Sie Probleme mit den Schultern? Damit sind Sie nicht alleine: Rund 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung in Deutschland leiden an Schulterproblemen. Besonders betroffen sind ältere Menschen und solche mit einer körperlich belastenden Arbeit. Nicht selten sind auch die Ellenbogen betroffen. Prof. Dr. Christian Pfeifer, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Handchirurgie am InnKlinikum Altötting, liefert interessante Informationen zu den genannten Erkrankungen.
Wie beeinflussen Schulter- und Ellenbogenprobleme die Lebensqualität, und wann sollten Betroffene den Arzt aufsuchen?
Prof. Dr. Christian Pfeifer: Vor allem durch veränderte Arbeitsbedingungen und Verhaltensweisen haben die Anforderungen an die Funktionalität von Schulter und Armen in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Man denke nur an die Armhaltung während eines Handytelefonates. Untersuchungen hierzu haben gezeigt, dass sowohl die Arbeitsfähigkeit als auch die allgemeine Lebensqualität bei Schmerzen oder Funktionseinschränkungen der Schulter und des Ellenbogens erheblich abnehmen.
Was sind die häufigsten Ursachen von Schmerzen in den Schultern und Ellenbogen?
Hierfür gibt es die verschiedensten Ursachen. Während in jungen Jahren vor allem akute Verletzungen wie Brüche oder eine Luxation (Ausrenkung) des Schultergelenks zu Schmerzen und Schäden führen, so stehen im fortgeschrittenen Lebensalter zusätzlich verschleißbedingte Veränderungen im Vordergrund. So können beispielsweise die Sehnen der Schulterkappenmuskulatur, der sogenannten Rotatorenmanschette, auch bei kleineren Belastungen aufgrund degenerativer Veränderungen abreißen.
Welche nicht-operativen Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei verschleiß- oder verletzungsbedingten Schulter- und Ellenbogenerkrankungen?
Zunächst muss die Diagnose und das Ausmaß der Schädigung erhoben werden. Hierzu sollte ein Facharzt das betroffene Gelenk eingehend untersuchen. Abhängig von der Diagnose und vor allem auch den Wünschen der Patienten, können gewisse Erkrankungen und auch akute Verletzungen ohne eine Operation behandelt werden. Eine große Rolle spielt hierbei die Versorgung mit stützenden Schienen und Bandagen in der Akutsituation sowie im weiteren Verlauf die krankengymnastische und ergotherapeutische Betreuung. Wesentlich ist aber auch die eigene Übung, sodass die betroffenen Gelenke Schritt für Schritt wieder schmerzfrei und funktionstauglich werden.
In welchen Fällen kann eine schonende Operation mit Schlüssellochtechnik an Schulter oder Ellenbogen eine sinnvolle Alternative zur offenen Chirurgie sein?
Bei vielen Verletzungen und Erkrankungen, die die Sehnen, die Gelenklippe oder den Schleimbeutel der Schulter betreffen, kann heutzutage arthroskopisch, also über die Schlüssellochtechnik, operiert werden. Neue arthroskopische OP-Verfahren betreffen zum Beispiel den Tennisellenbogen. Entscheidend ist eine gute Planung der OP sowie ein erfahrenes Team, um die höchstmögliche Präzision während des Eingriffs zu erzielen.
Ist bei einer Schulter- oder Ellenbogenfraktur immer eine OP erforderlich oder geht es auch ohne?
Sowohl Frakturen des Schultergelenkes – hier zumeist des Oberarmkopfes – als auch des Ellenbogengelenkes – hier zumeist des Radiuskopfes – können teilweise auch ohne Operation behandelt werden. Das hängt davon ab, ob sogenannte Dislokationen vorliegen, also Verschiebungen oder Verdrehungen von Knochen oder Knochenteilen.
Bei komplexen Frakturen mit starken Dislokationen ist eine Operation erforderlich, um das Gelenkspiel wieder herzustellen und Langzeitfolgen wie eine Arthrose (Gelenkverschleiß) zu vermeiden.
Welche Symptome deuten auf eine fortgeschrittene Arthrose in Schulter oder Ellenbogen hin, und wann ist eine Operation notwendig?
Viele Menschen leiden unter einer Arthrose, vor allem der Schulter, aber auch des Ellenbogengelenkes. Anfangs ist eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung spürbar, die kommt und geht. Im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf nehmen die Schmerzen und die Bewegungseinschränkung an Intensität und Häufigkeit zu. Arthroseschmerzen zeigen sich anfangs oftmals nur bei Belastung, im späteren Verlauf jedoch dauerhaft – also auch in Ruhe.
Es besteht auch die Möglichkeit einer Schulterprothese. Für welche Patienten ist diese geeignet?
Die endoprothetische Versorgung der Schulter richtet sich nach dem Schweregrad der zugrundeliegenden Erkrankung und dem Funktionszustand der Schulterkappenmuskulatur. Bei guter Muskel- und Sehnenfunktionalität, vornehmlich also bei jüngeren Patientinnen und Patienten, kann eine anatomisch angepasste Prothese mit knochenschonender Implantationstechnik verwendet werden. Sollte die Rotatorenmanschette bereits verschleißbedingt verändert sein, wie es bei älteren Patienten oft der Fall ist, kann an der Schulter ein gegenläufiges Prothesendesign verwendet werden, um wieder eine gute Beweglichkeit des Schultergelenkes zu erreichen.
Welche aktuellen Innovationen gibt es in der Schulter- und Ellenbogenchirurgie, die die Behandlungsmöglichkeiten für Patienten verbessern?
Sowohl in der Schlüssellochchirurgie als auch in der Endoprothetik, sind aufgrund des technischen Fortschritts deutlich schonendere OP-Verfahren mit verbessertem Ergebnis möglich. Ich selbst habe an der Entwicklung eines neuartigen Verfahrens zur Sehnenfixierung für die lange Bizepssehne mitgewirkt, welches kein Implantat benötigt.
Darüber hinaus sind die gegenläufigen Schulterprothesen in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt worden, um die Beweglichkeit zu verbessern.
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