Mit dem Bigster rundet Dacia die Modellpalette nach oben ab und dringt ins Segment der Kompakt-SUV vor. Wir konnten bereits Fahreindrücke sammeln. Erster Aha-Effekt: viel Platz. Selbst bei der höchsten Sitzeinstellung bleibt noch Spielraum in die Höhe. Zweiter Aha-Effekt: wuchtig. Der Blick durch die Windschutzscheibe führt an viel Blech vorbei, was offenbar gewollt ist.
Das Erstaunlichste: Die Feineinstellung der Sitze erfolgt elektrisch. Ein Paradigmenwechsel bei Komfort-Features. Bleibt wenig vom spartanischen Start der rumänischen Marke vor exakt 20 Jahren mit dem Logan für 7200 Euro und äußerster Zurückhaltung bei der Ausstattung. Seither hat die Renault-Tochter mehr und mehr Marktanteile in den kleinen Segmenten erobert. Der Bigster ist nun die Kampfansage an Tiguan &Co.. Dacia-Pressesprecher Andreas Lübeck nennt einen Preisvorteil von 16000 Euro. Der Bigster ist aber der erste Dacia, bei dem unter 20000 Euro nichts geht.
Anschnallen. Startknopf drücken. Den kleinen Richtungshebel in Fahrposition schieben. Was darauf folgt, ist unspektakulär. Das 4,57 Meter lange Auto tut, was es soll. 155 PS im Hybrid ist die Spitzenmotorisierung mit der man – wenn man mit 1000 Kilogramm Anhängelast zufrieden ist – nicht viel falsch macht. Ein paar Sekundenbruchteile dauert es, bis Automatik und Hybridsystem aus dem Stand die volle Leistung mobilisieren. Das sollte man vor dem Einscheren in viel befahrene Straßen wissen. Auf Landstraßen im Ruhrgebiet, wo meist Tempo 70 gilt, war es ein Leichtes, die Verbrauchsanzeige unter fünf Liter zu halten. Das sind Werte, bei denen man den fehlenden Diesel kaum vermisst. Doch überspringt der Hybrid bei den Top-Ausstattungslinien Journey (30440 Euro) und Extreme (30590 Euro) eine wichtige Preisschwelle.
Ab 23990 Euro gibt es in der Basis-Linie Essential den Mildhybrid 140 mit dem 140 PS starken 1,2-Liter-Dreizylinder. Auf noch einmal 10 PS muss man bei der Allrad-Option verzichten. Den 130-PS-Antriebsstrang teilt sich der Bigster mit dem Duster. Den Mild-Hybrid 130 4×4 gibt’s ab der Linie Expression und 27990 Euro. An Schub mangelt es nicht. Denn der Bigster ist trotz wuchtigen Aussehens einige Zentner leichter als die Konkurrenz. Noch nicht im Angebot ist die Autogas-Variante. Sie dürfte insbesondere auf Fernreisen in den mit diesem Treibstoff gut versorgten Süden erhebliches Einsparpotenzial bieten.
Positiv sticht das flexible Befestigungssystem YouClip hervor. Dass die Dachreling mit wenigen Handgriffen zum Dachgepäckträger wird, ist ein weiteres pfiffiges Detail. Interessantes Zubehör: Sleep Pack, ein Doppelbett mit Ablagetisch und Stauraum. So wird das SUV eine Art Wohnmobil. Martin Prem