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Auf den Spuren von Papst Franziskus durch Rom

von Redaktion

Nach der Beerdigung von Papst Franziskus pilgern immer noch viele Gläubige nach Rom. Wer auf seinen Spuren wandeln möchte, kann ganz besondere Orte besuchen. Wir haben mit einer Rom-Expertin gesprochen, wo man dem ehemaligen Pontifex nahe sein kann.

In der Kirche San Marcello al Corso gibt es ein Kreuz, zu dem Franziskus während der Pandemie gepilgert ist.

„Ich habe den Petersplatz noch nie so still erlebt.“ Während ich in München sitze, befindet sich meine Gesprächspartnerin Irmgard Jehle in Rom, genauer gesagt in einem Café in der Nähe der Piazza Navona. Die Theologin ist Geschäftsführerin des Bayerischen Pilgerbüros und aktuell mit einer Pilgergruppe in der italienischen Hauptstadt unterwegs. Sie landeten am Ostermontag in Rom – und bekamen dort die traurige Meldung: „Als wir aus dem Flugzeug ausstiegen und unsere Handys einschalteten, bekamen wir plötzlich die Meldung, dass der Papst gestorben ist. Wir dachten, das sind Fake News.“ Sofort wurde das Programm umgestellt, die Gruppe fuhr zum Petersdom. „Der füllte sich schnell, aber es herrscht eine besinnliche Stille“, erzählt Jehle. Am Mittwochmorgen waren unzählige Pilger am Petersplatz. „Plötzlich fing die Totenglocke zu läuten an, dann setzten liturgische Gesänge ein.“ Der Sarg des Papstes wurde vergangene Woche aus der Kapelle seiner Residenz Casa Santa Marta feierlich in den Petersdom überführt. „Als der Sarg am Petersplatz ankam, war ein leises Klatschen zu hören.“ Die Stimmung sei nicht von Trauer geprägt gewesen, eher von einem Gefühl der Dankbarkeit und eines bewussten Abschiednehmens. Drei Tage wurde der Verstorbene im Petersdom aufgebahrt, damit sich die Gläubigen verabschieden konnten. Tausende standen an, auch Jehle und ihre Gruppe nahmen die lange Wartezeit in Kauf. Schon vor der Beerdigung haben sie die Basilika Santa Maria Maggiore im Stadtzentrum besucht. „Vor der Kirche stand das Gnadenbild von der Marienikone Salus Populi Romani, die ihm so viel bedeutet hat.“

Papst Franziskus wurde nach eigenem Wunsch in Santa Maria Maggiore bestattet. Wenn man dem Papst nahe sein möchte, dann sollte man auf jeden Fall seine Grabstätte besuchen. „Das ist ein wichtiger Ort, weil er auch während seines Pontifikats oft in Santa Maria ­Maggiore war. Vor dem besagten Gnadenbild hat er gebetet“, erklärt Jehle. „Ich rechne allerdings in den nächsten Wochen mit einem großen Andrang.“

Erhöhte Sicherheits-
maßnahmen

Auch in vielen anderen Kirchen Roms ist eine Trauerstätte für Franziskus aufgebaut. „Es gibt immer ein Bild von ihm inklusive Lebensdaten. In der Kirche Sant‘ Alfonso war sein Geburtsdatum mit einem Kreuz versehen und sein Sterbedatum mit einem Geburtszeichen. Das bedeutet, dass sein ewiges Leben anfängt.“ Die römisch-katholische Kirche des Erlösers und des heiligen Alfons von Liguori befindet sich im römischen Stadtviertel Esquilino. Viele Pilger sind aktuell auf dem Petersplatz zu finden, etwa zum Gebet. Diese Menschenansammlungen machen natürlich auch schärfere Sicherheitskonzepte unumgänglich. „Die Polizei ist aber sehr dezent, die Atmosphäre wird nicht gestört“, versichert Jehle. „Rom ist chaotisch, aber sie haben das Chaos im Griff“, merkt sie lachend an. „Am Petersplatz gibt es Taschenkontrollen und einen Scanner wie am Flughafen.“ Dass Rom 2025 etwas voller ist als sonst, liegt aber nicht nur an dem Tod des Papstes: „Das Heilige Jahr zieht generell viele Besucher an“, schildert Jehle. Das Heilige Jahr ist ein Jubiläumsjahr der katholischen Kirche, es wird regulär alle 25 Jahre begangen. Zentral sind die Romwallfahrt und das Durchschreiten der Heiligen Pforten der päpstlichen Basiliken. Bis zur Beisetzung konnte man die Heilige Pforte nur im Rahmen des Besuchs am Sarg durchschreiten und nicht den gesamten Pilgerweg gehen. „Aber seit Montag ist wieder alles zugänglich – auch der Petersdom.“

Wichtige Orte
für den Papst

Aber es gibt noch weitere Orte, die Besucher auf dem Zettel haben sollten. „Zum Beispiel die Jesuitenkirche Sant‘Ignazio, Franziskus war schließlich ein Jesuit.“ Die dem heiligen Ignatius von Loyola geweihte Kirche ist neben Il Gesù die zweite große Jesuitenkirche in Rom. Der verstorbene Papst hat natürlich die anderen römischen Marienkirchen ebenfalls besucht – und war ein Bürger der Stadt. „Er ist oft durch Rom gezogen. Im trendigen Boheme-Viertel Trastevere muss er einige Male gewesen sein.“ Bekannt ist die Gegend für ihre Bars und Kunsthandwerksläden. „Er war auch immer beim Optiker Alessandro Spiezia an der Piazza del Popolo.“ Das Kolleg der Jesuiten, wo er vor dem Konklave gewohnt hat, ist natürlich ein beliebtes Ziel. „Oder die Mariensäule bei der Spanischen Treppe – da ist er immer am 8. Dezember hingefahren.“ Eine weitere Kirche, die eng mit ihm in Verbindung steht: San Marcello al Corso. „2020 machte Franziskus während der Corona-Pandemie eine Wallfahrt zum dortigen Pestkreuz – und ließ es in den Vatikan bringen.“

Der gebürtige Argentinier war zudem ein großer Fußballfan, im Stadion in Rom hat man ihn dennoch nie gesehen. Allerdings hat die Vatikanstadt eine eigene Mannschaft. Ein Münchner Verein stand Franziskus schon gegenüber: „Er hat 2014 unter anderem eine signierte Fahne von 1860 München bekommen.“ Zudem wurde er zum Ehrenmitglied ernannt.

Zwischen all der Trauer, merkt Jehle an, sei Rom im Frühjahr ein tolles Erlebnis. „Die Stadt ist wunderschön geschmückt, alles blüht. Rom ist in Frühlingsstimmung.“ Von einem Einbruch der Besucherströme geht Jehle nicht aus. „Aufgrund des Heiligen Jahres wollen viele Menschen nach Rom. Aber das in Kombination mit einem neuen Papst zu erleben, ist etwas ganz Besonderes.“ Kein Wunder, dass die Unterkunftssuche nicht gerade einfach ist. „Man muss sich wirklich abmühen und lange suchen“, erklärt Jehle. Sie warnt davor, zu blauäugig auf Plattformen privater Anbieter unterwegs zu sein, wo man nicht genau wisse, ob die Unterkunft wirklich existiere. „Die Preise schießen auch extrem in die Höhe.“ Sie rät dazu, die Angebote genau zu prüfen – oder lieber über eine Agentur zu buchen. „Der sicherste Weg ist eine Pauschalreise.“ Das Bayerische Pilgerbüro hat das ganze Jahr über viele Romreisen geplant – und wird sein Angebot auch noch ausweiten.

Wer der neue Papst wird, das spiele für die Gläubigen aktuell keine Rolle. „Das scheint vor allem die Medien zu interessieren, die Menschen in Rom kümmert das gerade wenig.“ Das Konklave startet am 7. Mai. Anna Wagner

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