Die Konkurrenz hat vorgelegt. Nun hat Audi seine obere Mittelklasse auch bei den Verbrennern erneuert. Wir konnten mit der neuen Generation des A6 Avant, der neunten seit dem Ur-Audi 100, erste Fahreindrücke sammeln.
Die Wahl fällt schwer: 5,1 Liter Diesel auf 100 Kilometer, sagt der Verstand. Oder doch lieber in 4,7 Sekunden von null auf 100? Egal. Wir konnten den neuen Audi A6 Avant in beiden Varianten testen: Als 2.0 TDI mit 204 PS (ab 61800 Euro) und als 3.0 TFSI mit 367 PS (ab 72500 Euro). Beide sind Mildhybride mit bis zu 24 PS elektrischer Leistung. Als Basismodell gibt es auch einen reinen Benziner mit 204 PS (ab 58000 Euro).
Schon der Diesel zieht kräftig an. Die Teststrecke sind kurvige, enge Bergstraßen im Hinterland von Porto. Lenkung präzise, das Fahrwerk, schon im Komfortmodus kaum aus der Ruhe zu bringen, wird im Sportmodus noch straffer. Man spürt die Straße, und das verführt dazu, es sportlich anzugehen. Das rächt sich: 7,9 Liter Verbrauch bergauf waren doch viel mehr als die Normangabe und ließen sich auch bergab und im Effizienzmodus nicht mehr unter sechs Liter drücken.
Das Auto kann sportlich. Das ist aber nicht sein wichtigster Einsatzzweck, sondern das gelassene Reisen auf längeren Strecken. Auf allen Plätzen bietet der 4,99 Meter lange A6 reichlich Platz, auch wenn der Kofferraum mit 466 Litern gegenüber dem Vorgängermodell geschrumpft ist.
Was zeichnet dann den Sechszylinder aus? Er ist auf Wunsch nicht nur spürbar noch flotter unterwegs, sondern hat auch in Sachen Komfort die Nase vorn. Der Vergleich ist nicht ganz fair, weil unser Testwagen zum Beispiel mit Luftfederung und geräuschdämmenden Scheiben mit aufpreispflichtigen Features ausgestattet war, die auch beim Diesel im Angebot wären.
Das Mehr an Komfort durch die Luftfederung fällt weniger deutlich aus als erwartet. Auch mit Stahlfedern macht das Auto eine gute Figur. Erstaunlich: Der Mehrverbrauch des großvolumigen Benziners gegenüber dem Diesel ist vergleichsweise gering. Bei sportlicher Gangart kratzt er an der Zehn-Liter-Marke, lässt sich aber mit gezügeltem Gasfuß auch nahe an der WLTP-Angabe von sieben Litern bewegen.
Was noch auffiel: Höhen- und Windrichtungsangaben im Head-up-Display. Nicht notwendig, aber auf unbekanntem Terrain sehr praktisch.
Neben dem Avant (optisch mehr Coupé als Kombi) kommt auch der A6 als Limousine. Das Design wirkt unter anderem durch Chromleisten um die Seitenfenster noch eine Spur edler. Doch auch der Avant muss sich da nicht verstecken. Fazit: Was sich schon beim A5 abzeichnete, bestätigt sich beim A6: Audi ist wieder in der Premium-Spur. Martin Prem