Reise-Infos

Von uralten Bäumen und schicken Inseln

von Redaktion

Nach Montenegro locken unberührte Natur, blaue Adria und unzählige Wandertouren

Beliebtes Fotomotiv: Ein Tourist vor der historischen Altstadt von Budva.

Er hebt sich von Hunderttausenden ab, die halb so alt sind wie er: der wohl älteste Olivenbaum Europas in Mirovica vor den Toren von Bar. Tanja Andric arbeitet seit 30 Jahren in dem kleinen staatlichen Museum, das zu seinem Schutz entstand. Sie zeigt die Urkunde, die dem illustren Baum ein Alter von 2240 Jahren bescheinigt, ausgestellt von der Universität Istanbul. Einheimische wie Touristen zahlen gern die zwei Euro Eintritt für den alten, knorrigen Ölbaum, der mit mehreren Stämmen zehn Meter Umfang hat. „Dreimal um ihn herumzugehen, bringt Gesundheit, Liebe und Glück,“ sagt Tanja. „Wer heiratete, musste früher Olivenbäume pflanzen, 20, 60 oder am besten 100, je nach dem eigenen Wohlstand.“

Von Bar, der größten Stadt an der montenegrinischen Adria, legen Fähren ins italienische Bari ab und in Bar endet auch die spektakuläre Eisenbahnstrecke Belgrad-Bar durch das Dinarische Gebirge, fertiggestellt 1976 im damaligen Jugoslawien unter Tito. In Mateševo bei Kolašin erreicht sie ihren höchsten Punkt auf 1032 Metern. Auf einem Damm überquert sie den größten See des Balkans, den naturbelassenen Skutarisee, mit einem Halt an seinem Ufer Virpazar.

Auf einem Hügel über Bar reihen sich eine Stadtmauer, verfallene Kirchen und Paläste aneinander: Die alte Ruinenstadt Stari-Bar, entstanden ab dem 9. Jahrhundert, lädt zu einer Zeitreise ein. Auf dem Weg den Hügel hinauf kann man Olivenöl und Honig kaufen. Oben wächst Fenchel, der Blick reicht bis zum Meer. Die alten Gemäuer mit ausgeblichenen Fresken sind Überreste der Venezianer und Osmanen.

Touristenführerin Rosanda Pupovi, die zwei Jahre Deutsch als Fremdsprache in Hameln studiert hat, blickt zu den Gipfeln des Rumija-Gebirges. „Die wilde, unwegsame Bergwelt hat uns geholfen, unsere Eigenständigkeit zu bewahren,“ sagt sie. Bereits bevor Montenegro 2006 ein eigenes Land wurde, befreite die Armee Bar von über 300 Jahren osmanischer Herrschaft und der Berliner Kongress sprach es 1878 Montenegro zu. Auf seine Freiheit ist das nur rund 650000 Einwohner zählende Volk des Landes von der Größe Schleswig-Holsteins stolz. Bis 1918 war Cetinje die Hauptstadt des Königreichs, wo eine Schlossführung faszinierende Einblicke in die Zeit von König Nikolas gibt.

Rosanda wohnt in Kotor. Ihre Heimat in der rund 30 km langen Bucht von Kotor, einem fjordartigen Meeresarm zwischen hohen Bergen, zählt zum Unesco-Weltkultur- und naturerbe. Bei einer Bootsfahrt lassen sich die Wasserlandschaft, die Kirchen, das malerische Dorf Perrast und die Klosterinseln Heiliger Georg und Maria vom Felsen entdecken. In der Marina von Portonovi funkeln die Hochseejachten und im One & Only-Resort kosten die Suiten mit Jacuzzi und Pool auf der Terrasse 7000 Euro pro Nacht. Wer das nicht ausgeben mag, quartiert sich an den Stränden von Budva ein, als Illyrer-Siedlung einer der ältesten Orte an der Adria. Zu Fuß immer am Wasser entlang kommt man bis Sveti Stefan. Auch hier wieder Luxus, wohin man blickt, das einstige Fischerdorf ist heute eine 5-Sterne-Hotel-Insel, auf der schon Sophia Loren, Boris Becker und die Beckhams Urlaub machten.

Eine andere Art von Refugium hat ein Musikerpaar im Dorf Tici auf der Halbinsel Luštica bei Herceg Novi geschaffen. Auf ihrem Hof Pony Art Garden vermieten sie zwei Apartments. Sie bewirten Gäste mit Öko-Produkten – köstlichem Ziegenkäse, getrockneten Tomaten, selbst gebackenem Brot oder auch komplett veganen Gerichten mit Kräutern aus dem Garten. „Wer möchte, darf mitkochen“, sagt Giselle Markovic. Ihr Partner und Bandmitglied Nenad Obradovic schenkt kleine Gläschen Johannisbrot- und Salbeilikör zum Probieren ein. „Unser urbanes Leben in Belgrad haben wir hinter uns gelassen,“ erzählt er. Sie lieben ihr neues Leben unter Olivenbäumen der heimischen Sorte Žutica, zwischen Erdbeersträuchern und hinter versteckt liegenden Kirchen und Wanderwegen hoch über dem Meer. Neben dem Haus weiden Ponys und Esel.

Auf noch einsameren Pfaden können sich angemeldete Wanderer in der Bergwelt von Lipovo einquartieren. Das Bauernpaar Natasa und Miomir Dulovic vermieten zwei Zimmer auf ihrem Almhof. Ihre Pasteten und der aus der Milch ihrer zehn Kühe selbst hergestellte Schichtkäse Lisnati ist so bekannt, dass Gastronomen von der Küste ihn abholen kommen.

Am Flughafen Podgorica erstreckt sich das 2310 Hektar große Weingut Plantaze. Für den Weinkeller von Šipcanik hat der zu 50 Prozent staatliche Betrieb den 356 Meter langen Tunnel eines früheren Militärflughafens umgebaut. Djana Perisié präsentiert bei Führungen u. a. den „schwarzen“ Rotwein der heimischen Rebsorte Vranaz. „Die Bewässerung unserer Flächen erfordert mehr Wasser als die Trinkwasserversorgung der Hauptstadt,“ sagt Djana. „Aber unsere Produkte bekamen schon über 80 internationale Preise.“ Na dann prost. Petra Sparrer

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