Im Einsatz für die Region

von Redaktion

INTERVIEW Kreisbrandrat Richard Schrank über die Arbeit der Feuerwehren

Was genau ist Ihre Aufgabe als Kreisbrandrat?

Also grundsätzlich ist der Kreisbrandrat sozusagen die Fachaufsicht der Feuerwehren über alles, was die Feuerwehr so macht: Ausbildung, Schulung, Prüfungen abnehmen und im großen Einsatzfall gegebenenfalls die Leitung übernehmen oder im Katastrophenfall die operativ-taktische Führung.

Und wie ist das örtlich aufgestellt? Sie können ja nicht überall gleichzeitig sein im Zuständigkeitsgebiet?

Ja, das ist so, dass der Landkreis in vier Inspektionsgebiete unterteilt ist, nämlich Wasserburg, Bad Aibling, Inntal und Chiemsee. In denen sind je vier Kreisbrandinspektoren tätig, also meine direkten Vertreter. Die wiederum haben eine Untergliederung je nach Größe. Im Bereich Chiemsee sind es drei Kreisbrandmeister, im Bereich Inntal zwei, in Wasserburg zwei und Bad Aibling wieder drei, weil sie in etwa so zwischen zehn und zwölf Feuerwehren betreuen. Das ist wie eine kleine Pyramide aufgebaut. Zudem sind weitere sieben Kreisbrandmeister mit fachlichen Schwerpunkten im gesamten Landkreis tätig, die mir direkt unterstellt sind. Dazu gehören die Fachbereiche Jugend, EDV, Atemschutz, Ausbildung, Funk, Gefahrgut und zentrale Aufgaben. Wenn jetzt zum Beispiel in Wasserburg ein größerer Einsatz ist, dann wird der örtlich zuständige Kreisbrandmeister alarmiert, dazu der Inspektor und ich, und einer von uns dreien fährt in der Regel hin und unterstützt die Feuerwehren beim Einsatz.

Sie sind dann also hauptberuflich Feuerwehrmann?

Das ist nicht ganz richtig. Das Amt des Kreisbrandrats ist nach wie vor ehrenamtlich. Es ist nur so, dass der Landkreis Rosenheim mit zu den größten Landkreisen in Bayern gehört, was die Fläche und auch die Bevölkerung betrifft. Die vernünftige Betreuung von 46 Gemeinden und 116 Feuerwehren wäre neben einer zusätzlichen hauptberuflichen Tätigkeit nicht leistbar. Deshalb ermöglicht der Landkreis eine Vollzeitbeschäftigung. Alle Termine und Einsätze außerhalb der regulären Dienstzeit laufen im Ehrenamt, wobei sich der zeitliche Aufwand in Haupt- und Ehrenamt etwa die Waage hält.

Wie ist denn das Verhältnis von Ehrenamt zu Beruf bei den Feuerwehren in unserem Gebiet?

In unserem Gebiet ist das eigentlich schon sehr positiv, das muss man ganz klar sagen. Wichtig ist das Miteinander. Dass der ehrenamtliche Feuerwehrler, der zum Einsatz fährt, vielleicht abwägt, ob er seinen Beruf jetzt hinten anstellen kann. Das läuft aber recht gut. Ich habe auch die letzten Jahre keinerlei Beschwerden gehabt.

Das ist ja schon eine Herausforderung, dass man alles stehen und liegen lassen kann.

Es ist ein Geben und Nehmen. Denn die Leute, die bei der Feuerwehr oder beim Ehrenamt grundsätzlich engagiert sind, sind auch meist in einer Firma stärker engagiert.

Das heißt, wenn jemand einmal zwei Stunden für einen Einsatz fehlt, holt er das in der Regel wieder nach, sodass es bestenfalls gar keinen Ausfall für den Arbeitgeber gibt. Aber natürlich sind auch oft Schulungen und Lehrgänge, die teilweise länger dauern, und dann muss es ein gutes Miteinander geben.

Was sind andere aktuelle Herausforderungen, denen sich die Feuerwehren in unserer Region stellen müssen?

Das ist relativ leicht zu beantworten. Wir haben erst kürzlich unsere Vollversammlung gehabt und man hat zum Beispiel einen Anstieg von den Einsatzzahlen aus dem Corona-Jahr 2020 von rund 5000 Einsätzen auf jetzt 7500 in 2024. Viele davon begründet in der geänderten Klimasituation.

Also hauptsächlich Hochwasser?

Hochwasser, Sturmlagen, Starkregenereignisse, lokale Niederschläge, die wirklich merkbar zunehmen. Das sind große Herausforderungen und da ist man zusammen mit den Feuerwehren und den Gemeinden dabei, Schäden durch Prävention zu vermeiden.

Wie sieht es aus mit dem Verkehr? Man hat ja schon den Eindruck, dass mehr passiert als früher.

Ja, das ist auch so und das ist auch bei der Versammlung wieder herausgekommen. Schwere Unfälle mit Todesfolge oder Schwerstverletzten sind deutlich angestiegen. Jede Woche gibt es Verkehrsunfälle mit eingeklemmten Personen. Ich denke, der Verkehr wird einfach immer dichter, es wird hektischer und ich glaube auch, dass manche Personen irgendwann überfordert sind, dass sie alles gar nicht mehr so wirklich verarbeiten können, die Technik in den Fahrzeugen und so weiter. Auch das Handy am Steuer ist mehr und mehr ein Problem.

Schwere Einsätze sind auch mental belastend für die Feuerwehrmänner. Welche Unterstützung gibt es da?

Es gibt ein sogenanntes PSNV-E- Team, eine psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte. Das Team hat jetzt schon weit über zehn Jahre Bestand in Stadt und Landkreis Rosenheim. Die Kräfte sind speziell geschult, teilweise sind zum Beispiel ausgebildete Psychologen dabei. Dieses Team ist für uns alarmierbar. Das heißt, wir fordern es über die Integrierte Leitstelle Rosenheim an. Und dann können wir auf rund 25 Männer und Frauen zurückgreifen, die dann tatsächlich bis zur Einsatzstelle kommen oder im Nachgang im Feuerwehrhaus oder am Abend einmal eine Nachbesprechung machen.

Und das wird auch in Anspruch genommen?

Ja, die Akzeptanz steigt deutlich an. Die Zeiten von ‚trinken wir schnell eine Halbe Bier und alles ist in Ordnung“, sind Gott sei Dank vorbei. Oft haben auch die Kommandanten einfach ein waches Auge auf die Mannschaft und bemerken, wenn ungute Stimmung herrscht, zum Beispiel nach einem Unfall. Dann wird das PSNV-Team dazugeholt und das funktioniert wirklich gut.

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