Wie ist denn das Verhältnis der Bürger zur Feuerwehr?
Bezogen jetzt zum Beispiel auf Straßensperrungen oder Ähnliches muss ich positiv bemerken, dass wir keine direkte Gewalt gegen Einsatzkräfte in den letzten Jahren verzeichnen mussten. Aber weil es vielen ja oft pressiert, gibt es bei Sperrungen schon auch mal nicht so freundliche Sprüche. Wir können nur ans allgemeine Verständnis appellieren, dass die Leute sich vielleicht denken: ‚Bin ich froh, dass ich vor der Sperre bin und nicht dahinter‘. Generell wäre es oft einfacher, wenn die Bevölkerung mithelfen würde, Einsätze zu vermeiden. Wenn bei einem kleinen Sturm ein Ast auf dem Gehweg liegt, dann fahren viele vorbei und rufen die Feuerwehr an. Man könnte aber auch stehen bleiben und das Ding schnell auf die Seite räumen, wenn es möglich ist. Das sind so Sachen, wo ich sage, das hat sich ein bisschen verloren.
Vor welchen Herausforderungen stehen die Feuerwehren in der näheren Zukunft?
Technisch sind wir im Landkreis Rosenheim eigentlich gut aufgestellt. Viele Gemeinden haben ihre Gefahrenpotenziale im Blick, und auch wenn noch ältere Fahrzeuge im Einsatz sind – teils über 30 Jahre alt – werden die nach und nach ersetzt. Gerade bei Sonderlagen wie Unwetter oder Hochwasser arbeitet der Landkreis eng mit den Gemeinden zusammen, etwa mit neuen Wechselader-Systemen für Sandsäcke, Löschwasserbehälter oder mobile Aufenthaltsräume. Die Projekte laufen schon ein paar Jahre, sind aber komplex und teuer – da braucht es gute Abstimmung und Planung. Neue Landkreisfahrzeuge kommen jetzt nach Prien, Bernau, Rohrdorf und Oberaudorf und ersetzen dort Gemeinde-Fahrzeuge. Vorteil: Sie können im Ernstfall schnell eingesetzt werden schaffen Synergien für Gemeinde und Landkreis. Personell bleibt’s eine Daueraufgabe, Nachwuchs zu finden – besonders im Ehrenamt. Organisatorisch wird die Zusammenarbeit zwischen Landkreis und Gemeinden immer wichtiger – gerade wenn’s um große Schadenslagen geht. Weitere Herausforderungen sind Stromausfälle, die zwar gerade nicht präsent sind, aber im Hintergrund immer mitschwingen – siehe Spanien. Auch geopolitische Entwicklungen und Extremwetterlagen bleiben Themen. Und natürlich: der Verkehr. Der fordert uns regelmäßig.
Wie sieht es denn mit der Nachwuchsgewinnung aus?
Da sind wir auf einem gutem Stand. Das geht bei den Kinderfeuerwehren los, wo wir sehr viel Zulauf haben, bei der Jugend auch, da haben wir über 1150 Jugendliche im Landkreis Rosenheim. Mädchen und Buben, mit einem immer stärker werdenden Frauenanteil, das ist schön zu sehen. Und auch bei den Erwachsenen haben wir leichte Zuwächse. Zurücklehnen dürfen wir uns nicht, aber wir schätzen wirklich, dass die Entwicklung so ist.
Ist es also nicht heutzutage schwieriger als früher, Mitglieder zu finden?
Mir kommt es ein bisschen so vor, als wenn es ein bisschen mehr Wertschätzung findet, das Amt der Feuerwehr. Man möchte sich vielleicht auch wieder mehr selber einbringen, weil auch die Zeit nicht mehr ganz so entspannt ist, wie sie die letzten 40 Jahre war. Wir haben auch sehr viele Quereinsteiger, also so ab Mitte 20 bis Mitte 30, die schon Familie haben und einen festen Beruf – das ist schön zu sehen.
Was wünschen Sie sich von der Politik oder auch von der Gesellschaft zur weiteren Unterstützung der Feuerwehrarbeit?
Was ich mir wirklich wünschen würde ist, dass die Bevölkerung ein bisschen mehr Eigenverantwortung übernimmt. Also selbst mal überlegen – wie kann ich mich und mein Haus schützen, wenn ich in einem gefährdeten Bereich wohne? Muss ich bei jeder Kleinigkeit gleich die Feuerwehr rufen, oder kann ich vielleicht auch mal selbst handeln?
Gerade in Krisensituationen wie Stromausfällen oder Unwettern – wir können nicht überall gleichzeitig sein. Wer vorbereitet ist, hilft damit nicht nur sich selbst, sondern entlastet auch uns enorm. Kleinigkeiten wie ein Pumpensumpf im Keller oder eine gesicherte Dachabdeckung können schon viel bewirken.
Und was das Ehrenamt betrifft: Da tut sich politisch schon was, was ich gut finde. Aber was ich mir wirklich wünschen würde, wäre ein spürbares Zeichen der Anerkennung – etwa über Rentenpunkte. Wer 10, 20 oder 30 Jahre ehrenamtlich aktiv ist, ob bei Feuerwehr im Rettungsdienst oder woanders, der sollte dafür etwas zurückbekommen. Kein Geld auf die Hand, sondern ein Plus bei der Rente. Das wäre fair – und würde auch andere motivieren, sich zu engagieren. Ein paar Städte wie Aschaffenburg machen das schon. Die zahlen monatlich Beiträge in die Rentenkasse ihrer Ehrenamtlichen. Ein guter Ansatz, den man weiterdenken sollte.
Das Interview führte Veronika Görlitz