Treppensteigen, die Badewanne oder Dusche benutzen und sich mit einer Gehhilfe oder dem Rollstuhl in den eigenen vier Wänden bewegen – das alles kann im Alter zum Problem werden. Viele ältere Immobilienbesitzende sehen beim altersgerechten Wohnkomfort durchaus Nachholbedarf. Dennoch zögern viele von ihnen bei der Umsetzung der nötigen Maßnahmen.
Nur rund zehn Prozent der Deutschen ab 65 Jahren wohnen komplett barrierefrei. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) ist in den eigenen vier Wänden mit Hindernissen konfrontiert. Das belegt eine YouGov-Umfrage für die BHW Bausparkasse. Nur 21 Prozent der Älteren verfügen danach über einen ebenerdigen Zugang zu ihrer Wohnung. 25 Prozent besitzen eine Dusche mit schwellenlosem Einstieg.
Umbau wird häufig verschoben
Eine altersgerechte Modernisierung des deutschen Gebäudebestands ist – auch im Hinblick auf die demografische Entwicklung – dringend geboten. Laut Statistischem Bundesamt ist heute hierzulande jeder zweite älter als 45 Jahre und jede fünfte Person älter als 66 Jahre. Bis Mitte der 2030er Jahre könnte in Deutschland die Zahl der Menschen ab 67 Jahren von derzeit 16,4 Millionen auf mindestens 20 Millionen steigen. Ein großflächiger Umbau hin zu deutlich mehr altersgerechten Wohnungen ist dabei kein sogenanntes „Nice to have“, also ein Komfort, den man nicht unbedingt braucht. Tatsächlich ist das Thema längst eines mit sozialem Sprengstoff. Je mehr alte Menschen in Zukunft nicht mehr in ihren eigenen Wohnungen leben können, desto mehr steigt beispielsweise der Bedarf an öffentlichen Pflegeplätzen. Und die sind bekanntlich rar gesät.
Dennoch verschieben 48 Prozent der Immobilienbesitzenden ab 65 die Entscheidung über einen Umbau. Lediglich neun Prozent beabsichtigen, in den nächsten zwei Jahren zu modernisieren. „Die barrierefreie Sanierung von Altbauten ist massiv ins Stocken geraten“, sagt Dietmar König, Sprecher des Vorstands der BHW Bausparkasse. „Damit die Umgestaltung endlich Tempo aufnehmen kann, brauchen Hausbesitzende deutlich mehr unbürokratische Anreize.“
Anders gesagt: Auch und gerade die Politik ist hier gefragt, bei diesem gravierenden gesellschaftlichen Problem für bessere Bedingungen zu sorgen. Die Bundesregierung jedenfalls hat bekanntlich bereits signalisiert, mehr Gelder in den Bausektor zu pumpen. Wie genau die Förderungen hier in Zukunft aussehen und ob sie beim barrierefreien Umbau aufgestockt werden, ist noch nicht bekannt.
Die Hälfte der Sanierungswilligen (51 Prozent) hat dagegen vor, sich selbst zu helfen und für die Finanzierung auf Erspartes zurückzugreifen. Über die Höhe der Modernisierungskosten besteht allerdings laut Umfrage bei vielen noch Unklarheit. Während sich 28 Prozent unsicher sind, planen 23 Prozent, für die altersgerechte Ausstattung zwischen 5.000 und unter 10.000 Euro zu investieren. Ob dies für die Zukunft reicht, entscheidet der Einzelfall. C. Kastenbauer/Bhw