von Redaktion

Fortsetzung von Seite 22

Welche Herausforderungen bringt eine innerfamiliäre Übergabe im Vergleich zu einem externen Verkauf mit sich?

Je näher man sich steht, umso bedeutender kann das Konfliktpotenzial zwischen den Parteien sein. Das ist bei innerfamiliären Übergaben oft ein großes Thema. Viele Betriebsinhaber stehen vor der Frage, ob sie ihren Kindern die unternehmerische Verantwortung auch wirklich zutrauen. Eine bedeutende weitere Herausforderung zum Beispiel ist die gerechte Verteilung der Vermögenswerte aus Betrieb, Immobilien und Bankvermögen und folglich bei mehreren Kindern auch die Frage, wer was erhält. Hier muss, um Konflikte zu vermeiden, ein gerechter Ausgleich geschaffen werden. Ein Klassiker: Bei zwei Kindern kann es sein, dass eines den Betrieb übernimmt, während ein anderes das Familienhaus erhält. Auch vergessen viele jetzige Betriebsinhaber, dass sie bei einem Übertrag des Betriebs mitunter keine gesicherte Altersvorsorge besitzen. Um diese Schwierigkeit zu lösen, sollte mit allen Beteiligten über eine Leibrente für die ältere Generation gesprochen werden.

Welche ersten Schritte sollte ein Betriebsinhaber unternehmen, wenn er die Firma an die nächste Generation übergeben möchte?

Wichtig ist, dass sich der Betrieb in Kraft und Schwung befindet, wie wir Berater oft sagen. Das bedeutet, er muss wirtschaftlich solide und stabil sein, denn nur dann wird man überhaupt einen externen Käufer finden oder es in der Nachfolge seinen eigenen Kindern zumuten können, den Betrieb weiterzuführen. Mit der Übergabe und ihrer Planung kann man sich gar nicht früh genug beschäftigen. Wir sagen immer, bei der Gründung muss man die Übergabe bereits mitdenken. Ein Großteil der Handwerker muss auch für die eigene Arbeitszeit bis zur Pension damit rechnen, den Betrieb früher als geplant zu übergeben. Die naheliegendsten Gründe sind Krankheit und Tod des Inhabers, aber auch dessen eigene Familienplanung. Wenn sich diese im Lauf des Lebens verändert, kann es durchaus sein, dass eine Führung des eigenen Betriebs nicht mehr in der gewohnten Form möglich ist. Diese Szenarien muss jeder Gründer und Betriebsinhaber stets im Hinterkopf behalten.

Wie lange im Voraus sollte man mit der Planung beginnen?

Nachdem Sie sich als Inhaber möglichst früh damit auseinandergesetzt haben, den Betrieb eventuell früher, als Sie es sich vorgestellt hatten, zu übergeben, ist es wichtig, mit potenziellen Nachfolgern und Erben einen Plan zu erarbeiten, wie perspektivisch mit dem Betrieb umgegangen werden soll. Beim Tod des Inhabers fällt der Betrieb in die Erbmasse. Hier ist es wichtig, im Vorfeld klare Erbverhältnisse zu schaffen, um einen eventuellen Erbstreit verhindern zu können. Dies kann nur gelöst werden, wenn mit allen Beteiligten frühzeitig eine Regelung gefunden wird und stets Transparenz in der Kommunikation über dieses Thema herrscht.

Wie wichtig ist es, die Mitarbeitenden in den Prozess einzubinden?

Auch hier ist der richtige Zeitpunkt der Schlüssel zum Erfolg und möglichst früh sollte er gezogen werden. Um Unsicherheiten innerhalb der Belegschaft auszuklammern, muss der Inhaber auch seine Mitarbeiter so früh wie möglich in den Prozess mit einbinden und immer offen und verständlich die einzelnen Schritte kommunizieren. Ein Phänomen, das es zu vermeiden gilt, nennen wir das „Prinz-Charles-Syndrom“. Stellen Sie sich vor, ein Betriebsinhaber, der schon fast 70 ist, möchte seinen Betrieb übergeben, sein Wunschnachfolger steht jedoch ebenfalls bereits kurz vor der Rente. Mit rechtzeitiger Planung können hier geeignetere Kandidaten gefunden werden.Interview: Malte Stegner

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