Gut geplant ist halb übergeben

von Redaktion

Eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge braucht Zeit

Die Übergabe eines Handwerksbetriebs innerhalb der Familie ist ein bedeutender Schritt – sowohl für den bisherigen Inhaber als auch für die nächste Generation. Doch worauf kommt es an, damit die Nachfolge gelingt? Hartmut Drexel (Abteilungsleiter Beratung und Mitglied der Geschäftsführung der Handwerkskammer) spricht über die wichtigsten Aspekte und häufigsten Stolpersteine bei der Betriebsübergabe.

Herr Drexel, wie ist die aktuelle Lage im Handwerk? Gibt es viele Betriebe, die vor einer Nachfolgeregelung stehen?

Dieses Thema ist tatsächlich ein Dauerbrenner bei uns. Aktuell ist in unserem Kammerbezirk jeder dritte Betriebsinhaber über 55 Jahre alt. Bei circa 80000 Betrieben entspricht das knapp 27000 Personen, die mit ihrem Betrieb vor der Frage stehen, von wem und in welcher Form dieser zukünftig weitergeführt werden soll. Hier zeigt sich der demografische Wandel sofort, denn dies ist die Generation der Babyboomer, die jetzt in Rente geht und teils große Lücken hinterlässt, die es zu füllen gilt.

Was sind die häufigsten Gründe, warum sich Betriebsinhaber damit schwertun, die Nachfolge zu regeln?

Das liegt nicht per se an den Betriebsinhabern selbst. Wegen der Altersstruktur unserer Gesellschaft, ich habe den demografischen Faktor eben schon erwähnt, drängen sich potenzielle Nachfolger schon von der Menge her nicht auf. Viele junge Menschen möchten sehr gern einen Handwerksbetrieb übernehmen. Sie sehen allerdings auch die Rahmenbedingungen, welche sich im Gegensatz zu früher verändert haben und erheblich schwieriger geworden sind. Die Bürokratie stellt sich für das Handwerk in den vergangenen Jahren als sehr viel kleinteiliger und anspruchsvoller als noch vor einigen Jahren dar. Da überlegt sich schon mancher Nachfolger, ob er nicht lieber im Angestelltenverhältnis bleiben möchte. Zusätzlich sehen wir, dass künstliche Intelligenz auch für Handwerksbetriebe disruptive Veränderungen mit sich bringen wird, für die noch nicht alle Inhaber die entsprechenden Vorbereitungen getroffen haben, damit ihre Nachfolger KI-Technologien optimal im Betrieb einsetzen können.

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Die Phasen im Überblick

Die Übergabe in vier Phasen zu denken, hilft dabei, rechtzeitig die richtigen Schritte zu setzen und einen reibungslosen Übergang zu sichern.

Phase I: Frühzeitig planen

Langfristig

Ziele definieren, rechtlich vorsorgen, Nachfolgepotenzial erkennen und vorbereiten.

Phase II: Übergabe gestalten

3 bis 5 Jahre vor der Übergabe

Konzept entwickeln, Familie und potenzielle Nachfolger einbinden, Rahmenbedingungen klären.

Phase III: Übergabe vorbereiten

Bis ein Jahr vor der Übergabe

Verbindliche Absprachen treffen, rechtliche und finanzielle Schritte einleiten, Übergabeplan aufstellen.

Phase IV: Übergabe begleiten

Bis 3 Jahre nach der Übergabe

Übergabe vollziehen, ggf. Mitarbeit des Übergebers fortführen, als Ratgeber zur Verfügung stehen.

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