„Früher hießen wir Gas- und Wasserinstallateur oder Zentralheizungs- und Lüftungsbauer. Jetzt nennen wir uns Anlagenmechaniker/in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK)“, erklärt Florian Stein, Obermeister im SHK Handwerk Rosenheim und Inhaber einer Firma in Frasdorf. Er betont, dass die Berufsaussichten im SHK-Handwerk sehr gut sind. Paul Obermüller (19) hat sich deswegen ganz bewusst für die Ausbildung zum SHK-Handwerk entschieden. Nach der mittleren Reife hat er bei Florian Stein ein Praktikum absolviert, sich anschließend um einen Ausbildungsplatz beworben und seine Entscheidung nicht bereut: Das SHK-Handwerk sei sehr spannend und sehr vielseitig. Es gebe immer viel zu tun. Dreieinhalb Jahre dauere die Ausbildung, bei hervorragender Leistung kann sie entsprechend verkürzt werden.
Schon im ersten Lehrjahr war Paul in den unterschiedlichsten Aufgabenbereichen eingesetzt: „Bei sanitären Reparaturen, Modernisierungen von Bädern, Installationen in Bestandsgebäuden und Neubauten, Heizungsanlagenerneuerungen, Holzheizungen, Solaranlagen, Wärmepumpen und Heizungswartungen war ich auch schon mit dabei.“ Berufsschule und Arbeiten im Betrieb wechseln sich regelmäßig ab, nach dem zweiten Ausbildungsjahr steht der erste Teil der Gesellenprüfung an, am Ende der Ausbildung dann der zweite Teil. Und danach können Azubis entweder als Geselle weiterarbeiten oder ihren Master machen. Und sogar studieren, ganz ohne Abitur.
Top Aussichten: Mehr als 60000 Stellen fehlen
Lehrling Paul ist seit September 2022 Azubi bei Florian Stein. Stein freut sich über die Zielstrebigkeit seines Schützlings, aber auch über die der vielen anderen Gesellen und Meister, die er als Obermeister im SHK-Handwerk für die Innung Rosenheim mitbetreut. 60000 Stellen fehlen im SHK-Handwerk, dazu noch rund 40000 im SHK-Dienstleistungsbereich – beste Chancen also für SHK-Gesellen. Die Erwartungen an den Berufsstand sind erheblich gestiegen, die verschiedenen Fortbildungsmöglichkeiten und die Meisterpflicht sind ebenso wichtig für die Qualität des Handwerks.
Sorgfalt und Technikverständnis
Eine Grundvoraussetzung im Beruf sei Sorgfalt, dazu ein großes Interesse an Technik, sagt Stein. In mancher Werbung für den SHK-Beruf war sogar von „Klimahelden“ die Rede. Ganz so weit möchte Stein nicht gehen, aber sagt gleichwohl, dass das SHK-Handwerk krisensichere Jobs bietet. Auch brauche man in den kommenden Jahren mehr Fachleute, allein schon, wenn man den demografischen Wandel miteinrechnet. Beispiel Wärmepumpen: Ob Beratung, Einbau oder Wartungen – einen sehr großen Teil dieser Tätigkeiten wird dabei die SHK-Branche stemmen.
Auch die Digitalisierung spielt eine immer größere Rolle. Und das macht den SHK-Unternehmen Hoffnung. Dies könnte die Ausbildung und Berufe attraktiver machen, um Nachwuchs anzulocken, der eigentlich studieren oder eine Ausbildung im Büro machen will. Für Mädchen stellt der Beruf ebenfalls eine ideale Möglichkeit im Handwerk mit ansprechender Vergütung dar. Johann Heinz von der gleichnamigen Haustechnik-Firma in Rimsting meint, dass viele Schulabgänger wenig Ahnung vom Berufsbild Anlagenmechaniker/in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik haben. Genau wie Obermeister Stein betont auch er, dass man im Handwerk viel erreichen kann und dass die Technik in den vergangenen Jahren immer diffiziler und detaillierter geworden sei. Natürlich müsse man handwerkliches Geschick und Interesse mitbringen. Schulnoten sind eher zweitrangig, sagt Heinz. Sein ehemaliger Azubi Vinzenz Schlögl (20), der im Frühjahr 2024 seine Gesellenprüfung ablegte, wurde direkt von Heinz übernommen. Ihm habe schon während seiner Ausbildung gefallen, dass die Tätigkeiten so breit gefächert sind und dass er viel mit Klimatechnik und regenerativen Energien zu tun hat, sagt er. Auch die Zusammenarbeit mit den Kollegen war von Anfang an auf Augenhöhe.
Majed Alahmad (18) lernt seit September 2024 bei der Firma Heinz. Der Beruf als Anlagenmechaniker biete so viele unterschiedliche Facetten. „Und wenn man fertig ist, sieht man, was man gemacht hat, und freut sich.“ Johann Heinz fragt sich dennoch, warum Fachkräftemangel herrscht, denn: „Jeder braucht uns.“ Heinz und Obermeister Stein werben für ihren Beruf. Die beiden Handwerksmeister sind überzeugt: Wer Klimaschutz hauptberuflich täglich leisten will, ist im SHK-Handwerk genau richtig. elk