Auf anderen Wegen

von Redaktion

Wasserburg abseits der Hauptattraktionen spazierend entdecken

Bezaubernd auf einer vom Inn umflossenen Halbinsel gelegen, reizt Wasserburg seine Besucher mit besonderem Flair. Der Blick reicht auf die Steilwände am Ufer oder auf die prächtigen Patrizierhäuser mit Laubengängen, die heutige Burg aus dem 15. Jahrhundert, verwinkelte Gassen, ausgewählte Geschäfte und kleine Cafés. „Inselfeeling, südliches Flair im mittelalterlichen Gewand“, findet Stadtentdeckerin Irene Kristen-Deliano. Seit über 30 Jahren lässt sie Besucher in Führungen mit Fakten und Anekdoten in den Zauber ihrer Heimatstadt eintauchen. „Wasserburg ist eine merkwürdige kleine Stadt auf einer Halbinsel, die vor etwa 15000 Jahren von der Natur geschaffen wurde, in der die Uhren anders gehen und die Dächer auf dem Kopf stehen“, verspricht sie. Auf geht’s zu Plätzen fernab der Hauptattraktionen, die oft übersehen werden:

Der faszinierende Blick von der Anhöhe der ehemaligen Salzstraße im Osten begeistert damals wie heute. „Die schöne Aussicht“ ist eine der Sehenswürdigkeiten, doch der Weg dorthin birgt Highlights im Verborgenen. Über den Kellerberg geht es vorbei am Leprosenhaus, das um 1401 erstmals erwähnt wurde. Es diente der Pflege ansteckend Erkrankter, später war es Kurbad, Schülerheim, heute nutzt es die Volkshochschule.

Schaurige Geschichten,
überraschende Aussicht

Einmal links abgebogen, steht man vor der Kirche St. Achatz, erbaut 1483 bis 1485, später neugotisch umgestaltet. Folgt man der schmalen Straße, fällt am rechten Wegrand das Denkmal der Kurfürstin Maria Leopoldine von Bayern ins Auge. Laut tragischer Überlieferung war die Kurfürstin mit ihrem Pferdegespann auf dem Weg nach Gut Kaltenhausen bei Salzburg. Bergauf auf der schmalen engen Straße stößt sie mit einer Kutsche zusammen.

Dem Fuhrknecht Alois Westner gelang es nicht, die Wagensperre am Fuhrwerk festzustellen, sie brach und so schoss das Fuhrwerk mit der Deichsel voraus den Berg hinab. Der Volksmund erzählt sich, dass die als besonders geizig geltende Adlige ihre Geldkassette festgehalten habe und deshalb ums Leben gekommen sei. Untersuchungen hätten aber ergeben, dass sich die Fahrzeugdeichsel in ihren Leib gerammt hatte und sie deshalb verstarb, verrät die Stadtentdeckerin. Rechts lädt der Burgstall zum Stopp: eine frühmittelalterliche Burganlage aus dem 8./9. Jahrhundert, einst zur Sicherung des Handelswegs.

Heute zeugen nur noch Ringwallreste von der einstigen Burg. Bald erreicht man auf dem Magdalenenberg drei Kreuze aus dem 17. Jahrhundert – Teil eines Kalvarienbergs, wie sie in Kriegszeiten stellvertretend für Pilgerreisen entstanden.

Eine echte Überraschung hält noch ein paar Höhenmeter weiter der Aussichtsturm auf dem 507 m ü. NHN hohen Gerblberg bereit. Wer meint, von dem 1854 erbauten Turm in der Nähe des Ortsteils Weikertsham, einen schönen Blick auf die Innstadt zu erhaschen, wird auf den ersten Blick vielleicht enttäuscht sein, denn vom Inn ist nichts zu sehen. Dafür wird der Betrachter aber bei Föhnlage mit einem herrlichen auf das Alpenpanorama und umliegende Orte belohnt.

Der Turm, der durch Baumeister Michael Geisberger als „Observationsturm“ geplant und verwirklicht wurde, ist öffentlich zugänglich.

Den Schlüssel gibt es bei der Gästeinformation im Rathaus oder im nahegelegenen Gasthof Huberwirt. Von dort aus geht es über den Kellerbergweg zurück in die Stadt.

Hier fällt ein Türmchen ins Auge – ein Relikt der Bierkeller. Bier spielte in Wasserburg stets eine große Rolle. Zu Hochzeiten existierten hier 15 Brauereien bei 2100 Einwohnern. Heute sind die Sommerbierkeller eine Attraktion.

Seit 1994 wurde nicht mehr gebraut – doch der Verein „Wasserburg Bierkultur e.V.“ lässt die Tradition mit Heimbraukunst und Braukultur wieder aufleben.

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