–Fortsetzung–
Spaziergang 2:
Vom Altstadtbahnhof führt der Weg durch den alten Eisenbahntunnel raus aus dem geschäftigen Treiben. Der Blick aus dem dunklen Tunnel in die helle Idylle der Innauen wirkt befreiend – fast ein Sinnbild, die Augen zu öffnen und dem Alltag zu entfliehen. 1902 wurde die Altstadtbahn eingeweiht, die von Wasserburg bis Reitmehring führte. Seit 1987 fahren keine Züge mehr. Ein Gerichtsverfahren des Konsortiums Pro Bahn gegen die Stadt, um die Bahn zu reaktivieren, blieb erfolglos.
Geheimnisvoll führt der Weg zur Waldkapelle auf schattigem Pfad entlang des Inns. Am Weg liegt der rekonstruierte Braunkohlestollen von 1992, der an den Abbau von Schieferkohle zwischen 1890 und 1920 erinnert. Weiter lädt die malerische Schiffsleut-Kapelle zum Verweilen ein. Erich Baumgartner, Initiator des Bürgerspiels 2009, errichtete sie als Dank für den gelungenen Verlauf – samt riskanter Szenen auf dem Inn. Tibetische Gebetsmühlen symbolisieren Wasserburgs Weltoffenheit als früherer Münchner Hafen.
Die Waldkapelle selbst wurde 1927 errichtet, gilt als Marien geweihter Ort und letzter Zufluchtsort in Notlagen – nicht selten endete hier der Inn als nasses Grab.
Der Rückweg führt über den „Wasserburger Hals“ idyllisch auf die andere Innseite. Erbsenkraut und wilde Kamille säumen den Weg. Märchenhaft wirkt der gelbe Halbschalenturm nahe der Burg – „Rapunzel“ lässt grüßen. Rechts bietet sich ein herrlicher Blick über den Inn zur Roten Brücke.
Links führt eine Holzstiege zur Burganlage, die erstmals 1085 als Wazzerburch erwähnt wurde. Ursprünglich Sitz der Hallgrafen, ab 1247 Wittelsbacher Residenz in Krisenzeiten, wurde sie 1526 durch Herzog Wilhelm IV. erweitert. Heute befindet sich dort ein Seniorenheim – die Gebäude sind nicht öffentlich zugänglich.
Verstecktes Kleinod
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Gegenüber an der Schmidzeile liegt versteckt ein Kleinod: die Michaelskapelle. 1378 wurde die Genehmigung zum Bau einer Gruft zur Aufbewahrung von Totengebeinen erteilt. Die Bürgerschaft errichtete jedoch ein großes Doppelbauwerk mit zwei übereinanderliegenden Kirchenräumen, neu errichtet 1501 bis 1502. Die Kirche war einst Wahrzeichen Wasserburgs. Nach der Profanisierung 1810 verlor sie ihren Turm. Heute ist sie dank Pfarrer Bibinger tagsüber geöffnet. Durch die verwinkelten Gässchen der Altstadt führt der Weg entlang der historischen Stadtmauer. Erste Befestigungen stammen von 1120, im 15. Jahrhundert wurde sie durch Ludwig den Bärtigen vollendet. Ab dem 19. Jahrhundert wurden Teile abgetragen. Der Altstadtfriedhof von 1544 verstärkt mit seinem historischen Leichenhaus und der Einhorn-verzierten Friedhofskapelle (1855) das mittelalterliche Flair. Das Einhorn steht symbolisch für Jesus. Beim Gang über den Friedhof laden einige Grabmale zum Innehalten ein – und der Weg führt zurück zum Bahnhof.
Spaziergang 3:
Nicht so reißerisch wie der Inn aber ebenso reizvoll präsentiert sich die Wuhr mit dem idyllisch gelegenen Wuhr Tal. Ein Spaziergang lädt zum Entschleunigen und Landschaft genießen ein. Beispielsweise auf dem Meditationsweg. Zeichen und Symbole des christlichen Glaubens haben in früheren Zeiten den Menschen ein Leben lang begleitet. Feldkreuze, Kapellen und Kirchen entlang der Handelswege und Gedenkstätten luden ein zum Verweilen, zum Nachdenken und zum Gebet. Der Leistungskurs „Kunsterziehung“ des Luitpold-Gymnasiums hat 1992 einzelne Aussagen der Bibel bildhaft gestaltet. In Zusammenarbeit mit dem städtischen Bauhof und mithilfe einiger Wasserburger Firmen entstanden in Anlehnung an frühere Bildstöcke Stelen, die den Betrachter zum Nachdenken bewegen sollen. Der Wasserburger Meditationsweg liegt im idyllischen, ruhig gelegenen Tal der Wuhr. Los geht’s am Ende des Steinmühlwegs.
Spaziergang 4:
Still und verlassen hinter einem Märchenwald liegt Urfahrn direkt am Inn. Bis in die 80er-Jahre war dort ein ehemaliges Gasthaus mit Landwirtschaft. Die Schanklizenz ist längst erloschen und das Gebäude war jahrelang verlassen. Mit einem Neubau erwacht der Ort nun wieder aus seinem Dornröschenschlaf. Einer Überlieferung nach war der Schriftsteller Oskar Maria Graf in den 20er-Jahren häufig bei einem Freund im „Hesse-Schlösschen“ in Wasserburg zu gast. Bei einem Radausflug am Inn soll der Fährmann, der die beiden Freunde ans andere Ufer übersetzen sollte, eine Geschichte erzählt haben, die für Graf die Idee für einem Roman war. Es entstand das Buch „Bolwieser“. Die Handlung dreht sich um eine bayerische Kleinstadt – es könnte Wasserburg am Inn gewesen sein. 1977 wurde der Roman von Rainer Werner Fassbinder verfilmt, „Die Ehe des Herrn Bolwieser“, erzählt die Stadtentdeckerin. Mehr Infos auf www.kristen-deliano.de. ca