250000 Besucher – eine Schätzung mit System

von Redaktion

Wie Mühldorf am Ende auf 250000 Gäste beim Traditionsvolksfest kommt

Jahr für Jahr meldet das Mühldorfer Traditionsvolksfest beeindruckende Besucherzahlen. Doch wie und wer zählt eigentlich die Besucher? Drehkreuze, Tickets oder systematische Kontrollen, wie man sie von Großveranstaltungen in Stadien kennt, gibt es auf dem Festplatz nicht. Und doch kann die Stadt am Ende diese Zahl verkünden: „Über 250000 Besucher!“

Strichlisten, Erfahrungswerte
oder KI?

Strichlisten wird wohl keiner machen. Es wäre bei dem Gewusel ohnehin kaum möglich, zu verfolgen, wer sich wann zwischen den Festzelten, der „Süße Linie 8“ oder dem „BayernBreaker“ bewegt. KI-gestützte Systeme können mittlerweile sicherlich Menschen in Lederhosen von Kinderwägen, Steckerfischen und Zuckerwatte unterscheiden: Aber KI kommt sicherlich nicht zum Einsatz, oder?

Vorsichtige
Schätzungen

Auf Nachfrage erklärt die Stadt: „Wir geben am Ende der Großveranstaltung immer eine Gesamtbesucherzahl an. Demnach lag diese Zahl 2024 bei gut 250000 Besuchern. Diese Zahlen sind abgestimmt mit der Polizei und basieren im Kern auf polizeilichen Schätzungen. An diesen orientieren wir uns. Es handelt sich also um Schätzzahlen, wie es anders bei derartigen Veranstaltungen auch kaum möglich ist. Erfahrungsgemäß schätzt die Polizei solche Zahlen grundsätzlich vorsichtig. Wir weichen da nicht wie andere Veranstalter mit einem satten Aufschlag ab, um die Zahl möglichst hochzutreiben.“

Bewährte
Schätzverfahren

Eine exakte Zählung der Besucher gibt es also nicht, aber die Schätzverfahren haben sich bewährt: So werden unter anderem die Größe der Festwiese, die Kapazitäten der drei Festzelte sowie Erfahrungswerte aus den vergangenen Jahren herangezogen, um die Publikumszahl einzuschätzen. Beispielsweise fließen Beobachtungen, wie oft die Zelte „voll“ sind oder wie stark die Fahrgeschäfte und Stände frequentiert werden, in die Hochrechnungen ein.

10000 Plätze,
Freiflächen und Buslinien

Genaueres weiß Josef Bernhart, Inspektionsleiter der Polizei Mühldorf. „Das Festlegen der Besucherzahl erfolgt dabei anhand von mehreren Faktoren. So kann anhand der Auslastung der über 10000 Sitz- und Stehplätze in den gastronomischen Betrieben, der Personendichte auf den Freiflächen sowie der Nutzerzahlen der zahlreichen Buslinien die tägliche Besucherzahl gut eingeschätzt werden. Über die elf Veranstaltungstage kann so eine Aussage zu der Gesamtbesucherzahl getroffen werden“, erklärt Josef Bernhart.

Man wisse in etwa, wie viele Personen auf den Flächen Platz haben, wenn sie dicht beieinanderstehen. Hinzu kommt die Anzahl der Besucher, die die Buslinien genutzt haben. „Das alles ergibt schon grobe Anhaltspunkte.“

Fluktuation
mitgedacht

Mitgedacht wird dabei stets die Fluktuation: Die wenigsten Gäste bleiben den ganzen Tag, viele kommen gezielt zu einem Programmhöhepunkt, andere kommen, gehen und kommen wieder – so kann im Verlauf der Festwoche ein Vielfaches der maximalen gleichzeitigen Besucher zusammenkommen. Auch Vergleichsdaten aus früheren Jahren spielen eine Rolle, ebenso Bewertungen aus Sicherheitskreisen und Beobachtungen der Polizei.

Große Ereignisse
ziehen Gäste an

Neben den Besucherströmen selbst bieten große Ereignisse wie der Einzug und natürlich der internationale Schützen- und Trachtenzug Anhaltspunkte für die Schätzung. Denn dann sind an einem einzigen Nachmittag mehrere Zehntausend Menschen auf dem Gelände unterwegs.

Die Zahlen steigen
seit Jahren

Dass die Besucherzahlen insgesamt gestiegen sind, lasse sich allein schon beim Blick auf das Abschlussfeuerwerk leicht nachvollziehen: „In den vergangenen beiden Jahre waren sowohl das Festgelände als auch die Festzelte gut besucht.“ Das sei längst nicht immer so gewesen.

Aber wer gibt jetzt konkret die Information „Zelt voll“ oder „wenig los“ an wen weiter? „Auf den regelmäßigen Besprechungen, an denen alle Akteure beteiligt sind, werden Beobachtungen ausgetauscht“, so Bernhart. „Und Informationen über die Platzauslastung schwingen dabei immer mit.“

Die am Ende kommunizierte Zahl – 250000 Besucher – ist damit ein ermittelter Mittelwert, der für Statistik, Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungslogistik dient. Sie verdeutlicht zudem die Bedeutung des Volksfests als Großereignis der Region – egal, ob am Ende wirklich jeder Gast „mitgezählt“ wurde oder nicht.

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