Das Mühldorfer Volksfest ruft Vorfreude, aber auch gemischte Gefühle hervor. Während die einen das gesellige Beisammensein und die Fahrgeschäfte kaum erwarten können, sehen andere im letzten großen Volksfest der Region auch ein Zeichen für den nahenden Herbst.
Nicht nur als Gast dabei
„Ich freue mich sehr – beruflich und privat“, sagt Alexandra Nettelnstroh, Leiterin des Hauses der Begegnung. Die Diplom-Pädagogin ist in doppelter Hinsicht mit dem Volksfest verbunden: Zum einen betreibt die Arbeiterwohlfahrt einen Losstand, dessen Erlös dem „Haus der Begegnung“ zugutekommt. Zum anderen genießt sie privat besonders den Steckerlfisch und das große Abschlussfeuerwerk am letzten Festtag.
Familienfreuden und
ungeplante Treffen
Auch für Familien bietet das Volksfest besondere Momente. Der 36-jährige IT-Administrator Christian Schultheiß aus Obertaufkirchen plant schon den Besuch mit seiner fünfjährigen Tochter Anastasia: „Sie fährt am liebsten Kinderkarussell und Autoscooter“, erzählt er schmunzelnd.
„Natürlich fahre ich da und das ganz vorsichtig, damit wir nicht mit anderen Autos zusammenstoßen.“ Anschließend geht es ins Bierzelt – für die Kleine gibt’s dann Pommes frites.
Für viele Besucher ist das Volksfest vor allem ein Ort der Begegnung. „Meist wollen wir nur kurz hingehen und dann treffen wir verschiedene Leute und bleiben länger“, berichtet die 54-jährige Beate Götz. Zwei bis drei Schulfreundinnen trifft sie dort immer – ganz ohne Verabredung. Was sie besonders schätzt: „Das Mühldorfer Volksfest ist besonders schön, weil es so viele Bereiche zum Draußensitzen gibt.“ Ihr Mann Thomas ergänzt, dass sich dort immer die ganze Familie trifft.
Das Ehepaar Sentef schätzt besonders die Biergärten und nimmt gerne „ein paar gebrannte Mandeln“ mit nach Hause. Über die Kosten machen sie sich wenig Sorgen: „Wir haben kein festes Budget“, sagt Roland Sentef (61) auf die Frage, ob sie ein festes Budget einplanen. „Man liest ja vorher in der Zeitung, was das Bier kostet.“ Eine Einstellung, die auch Klaus Gerbl (57) teilt: „Das weiß man, dass es kostet.“
Eine kritische Anmerkung zur Infrastruktur wirft die 24-jährige Selina Pretzer in den Raum, die ebenfalls gerne das Volksfest besucht. Sie bemängelt den Nachtbus-Service: „Der Bus fährt zu selten hin und zurück. Nachts fährt er nur um 23.30 Uhr und um 2 Uhr zurück und 15 Euro für die Fahrt ist auch ganz schön happig.“ Zudem wünscht sie sich Security-Personal an Bord: „Viele Frauen würden sich sicherer fühlen.“
Premiere für
die Dirndlschaft
Noch einmal rein in die Tracht, alles geben und die elf Tage auskosten: Das planen in jedem Fall die Mädels von der frisch gegründeten Erhartinger Dirndlschaft. Sie freuen sich schon sehr auf das bevorstehende Volksfest: „Es ist wie eine fünfte Jahreszeit und die Dirndlzeit ist einfach was Schönes. Dazu eine gute Brotzeit, a Festbier und gute Musik machen die Zeit und den Aufenthalt perfekt“, fasst es Karin Manghofer, eine der Gründerinnen, zusammen. „Dieses Jahr sind wir zum ersten Mal mit unserer Dirndlschaft vertreten und freuen uns auf eine tolle Zeit. Unseren Verein gibt’s zum heutigen Zeitpunkt gerade mal seit drei Monaten, sprich alles noch sehr frisch. Viele Mädels kennen sich untereinander noch nicht so gut und da ist das Mühldorfer Volksfest doch eine perfekte Gelegenheit“, erzählt sie. Noch dazu im Erhartinger Festzelt, wo sie sicher auf viele bekannte Gesichter treffen werden: „Sei‘s der Burschenverein, Freunde, Bekannte oder Kollegen. Umso mehr freuen wir uns über Festwirt Markus Leserer, bei dem wir bereits eine feste Reservierung über den Zeitraum bekommen zu haben: Hierfür ein großes Dankeschön, Markus, für Deine Unterstützung. Wir gfrein uns schon sehr drauf und können es kaum erwarten, bis es endlich losgeht!“
Für viele Vereine ist das Volksfest ein fester Termin im Jahreskalender. „Wir gehen jedes Jahr mit dem Schützenzug mit, auch in diesem Jahr“, berichtet Bärbel Gerbl (55). Diese Vereinstradition zeigt, wie sehr das Fest auch das gesellschaftliche Leben in der Region prägt.
Fester Termin für Vereine
aus der Region
Die besondere Atmosphäre des Mühldorfer Volksfestes macht sich auch in der „schönen und gemütlichen Atmosphäre“ bemerkbar, die viele Besucher schätzen. Anders als bei manch anderen Festen steht hier nicht nur das Bierzelt im Mittelpunkt. Die vielen Außenbereiche laden zum Verweilen ein, schaffen Raum für spontane Begegnungen und entspannte Gespräche.
Preise und
Infrastruktur
Während die einen das Volksfest als willkommene Gelegenheit sehen, Freunde und Familie zu treffen, nutzen andere die Chance für ehrenamtliches Engagement. Der Losstand der Arbeiterwohlfahrt ist dafür ein gutes Beispiel: Hier kommen nicht nur Menschen zusammen, sondern es wird auch Gutes getan – der Erlös fließt direkt in soziale Projekte.
Auch wenn die steigenden Preise ein Thema sind, scheinen die meisten Besucher dies gelassen zu nehmen. Die Kosten für Fahrgeschäfte, Speisen und Getränke werden als Teil des Volksfest-Erlebnisses akzeptiert. Allerdings zeigt die Kritik am teuren Nachtbus-Service, dass es durchaus Verbesserungspotenzial bei der Infrastruktur gibt.
Wenn nach elf Tagen die Lichter der Fahrgeschäfte erlöschen und das große Abschlussfeuerwerk den Nachthimmel erhellt, geht nicht nur ein Fest zu Ende. Es ist auch ein symbolischer Abschied vom Sommer. Doch bis dahin heißt es für die meisten: Dirndl und Lederhosen aus dem Schrank holen und die Volksfest-Atmosphäre in vollen Zügen genießen.
Abschied vom Sommer
Nicht alle teilen ungebremst die Vorfreude auf das Volksfest. Kurt Lehner, 61-jähriger Lehrer im Franziskushaus, sieht das Fest mit gemischten Gefühlen: „Es ist das letzte in der Region und es läutet den Herbst ein – der Sommer ist vorbei“, sagt er. Als „kein großer Biertrinker“ hält er sich vom Festgeschehen weitgehend fern.