Wirtschaftsfaktor Volksfest

von Redaktion

Wichtiger Impulsgeber, auch wenn für elf Tage die Innenstadt ein Randschauplatz ist

Für Volksfestwirte, Brauereien und Fahrgeschäfte ist es das Geschäft schlechthin. Aber wie profitiert die Region insgesamt vom Volksfest?

Das Mühldorfer Volksfest lockt jährlich rund 200000 bis 250000 Besucher an und gilt als eines der größten Volksfeste der Region. Ein Highlight ist dabei der internationale Schützen- und Trachtenumzug mit allein 3400 Teilnehmern in etwa 70 Gruppen. „Das Mühldorfer Volksfest ist mit seinem internationalen Schützen- und Trachtenumzug von großer Bedeutung für den Tourismus in der Region“, bestätigt Sonja Hoffmann vom Tourismusverband Inn-Salzach.

Hotelgewerbe
profitiert

Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind dabei vielschichtig. Hotels und Gastgeber in und um Mühldorf verzeichnen besonders an den Wochenenden eine hohe Auslastung. Dies gilt nicht nur für Festbesucher, sondern auch für Servicekräfte und Arbeiter, die für die Durchführung des Festes benötigt werden. „Neben dem Gastgewerbe profitieren zahlreiche weitere Wirtschaftszweige vom Mühldorfer Volksfest, etwa der Einzelhandel, Transportunternehmen oder der Dienstleistungssektor“, erläutert Hoffmann.

Eine genaue wirtschaftliche Bewertung des Volksfestes gestaltet sich allerdings schwierig. Wie Sonja Hoffmann vom Tourismusverband Inn-Salzach erklärt, werden „Zahlen zu Gästeübernachtungen und Auslastung nur jahres- und monatsweise erhoben“, wodurch sich kein aussagekräftiges Bild speziell für die Volksfestzeit zeichnen lässt.

Genaue Zahlen sind
schwierig zu ermitteln

Bürgermeister Michael Hetzl sieht in dem Traditionsvolksfest „mit absoluter Sicherheit auch wirtschaftlich ein starkes Zugpferd für die Kreisstadt und die ganze Region.“ Besonders hebt er die Bedeutung des regionalen Angebots hervor: „Mit unserem Angebot an regionalen Speisen und Getränken wirkt dieser Faktor ganz unmittelbar.“

Kulturamtsleiter und Volksfestorganisator Walter Gruber erklärt das Erfolgsrezept wie folgt: „Es ist die einzigartige Mischung aus gepflegter Tradition und Offenheit für Trends und Neuerungen. Dabei achten wir immer darauf, wenn möglich lokale und regionale Angebote in unser Boot zu holen.“

Es wird ruhiger
in der Innenstadt

Christian Kühl, Erster Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft, weist darauf hin, dass sich während der elftägigen Festzeit der Fokus vieler Menschen auf das Festgeschehen verlagert – mit spürbaren Auswirkungen auf den stationären Einzelhandel in der Innenstadt. „Das Volksfest ist ohne Frage ein zentraler kultureller Höhepunkt im Jahresverlauf und zieht zahlreiche Besucher aus der Region an. Für viele Betriebe stellt die Volksfestzeit aber eher eine ruhigere Phase dar“, berichtet er. Auch einige gastronomische Betriebe passen ihre Öffnungszeiten an oder schließen zeitweise, da das Fest selbst ein starkes gastronomisches Angebot bietet.

Wichtiger
Impulsgeber

Dennoch sieht Christian Kühl einen wichtigen langfristigen Effekt des Volksfestes für die Stadtentwicklung. „Das Volksfest ist ein wichtiger Impulsgeber für das gesellschaftliche Miteinander und die emotionale Bindung an die Stadt“, betont er. „Solche Veranstaltungen fördern das Gemeinschaftsgefühl, stärken die Identifikation mit dem Standort und wirken sich positiv auf das Image von Mühldorf als lebens- und liebenswerte Stadt aus.“

Volksfest als
Werbeträger

Diese Strahlkraft bestätigt auch Bürgermeister Hetzl: „Während der Volksfestzeit ist Mühldorf in aller Munde – und das zahlt sich auf jeden Fall aus.“ Die überregionale Bekanntheit und das positive Image tragen zur langfristigen Standortattraktivität bei, auch wenn sich die direkten ökonomischen Effekte für einzelne Branchen in Grenzen halten mögen. Kulturamtsleiter Walter Gruber sieht den wirtschaftlichen Aspekt ohnehin nicht als primäres Ziel: „Unser Bestreben ist dabei immer, dass alle miteinander eine fantastische Zeit erleben. Dass sich das auch ökonomisch für Mühldorf auszahlt, ist ein schöner Nebeneffekt.“

Einfluss auf
den Arbeitsmarkt?

Auf dem Arbeitsmarkt sind die Auswirkungen des Volksfestes kaum messbar. Die Agentur für Arbeit registriert keine signifikanten Veränderungen bei der Beschäftigung. Nur vereinzelt gebe es kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse, und auch bei den gemeldeten Stellen für Service- oder Sicherheitspersonal verzeichnet die Agentur keine Auffälligkeiten. Das Mühldorfer Volksfest erweist sich damit als komplexer Wirtschaftsfaktor: Während einige Branchen wie Hotellerie und Gastronomie direkt profitieren und andere, wie der innerstädtische Einzelhandel, vielleicht sogar eher Einbußen hinnehmen, liegt der größte wirtschaftliche Wert in der langfristigen Imagebildung.

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