Die Stimmung im Festzelt soll brodeln, aber nicht überkochen: Für die Festwirte in Mühldorf bedeutet das einen gekonnten Balance-Akt zwischen ausgelassener Feier-Atmosphäre und der Wahrung der notwendigen Ordnung. Doch das gelingt erstaunlich gut, wie die Verantwortlichen berichten.
„Wir haben in Mühldorf ein ganz cooles Partypublikum, auch die jungen Leute – damit lässt sich gut arbeiten“, schwärmt Festwirt Roman Tauscheck vom Spatenzelt. Diese positive Einschätzung teilen auch seine Kollegen. Das Erfolgsrezept: klare Regeln, die von den allermeisten Besuchern respektiert werden.
Eine wichtige Regel lautet dabei: Tanzen auf den Bierbänken ja, auf den Tischen nein. „Wenn mal jemand im Überschwang auf den Tisch steigt, wird freundlich darauf hingewiesen – und dann kommen die Leute auch schnell wieder runter“, erklärt Festwirt Markus Leserer. Probleme habe es damit noch nie gegeben.
Situationen mit
Verstand lösen
Auch Roman Tauscheck, der selbst Erfahrung als Sicherheitskraft mitbringt, setzt auf deeskalierende Kommunikation: „Situationen mit Verstand lösen“ lautet sein Motto. In der Regel genügt ein freundlicher Hinweis. Nur in einem Fall im vergangenen Jahr musste ein Besucher, der zum sechsten Mal auf den Tisch steigen wollte, diskret aus dem Zelt begleitet werden.
Anna-Katharina Lohner bestätigt diese Einschätzung: „Normalerweise wissen die Leute, was geht und was nicht.“ Nur selten tanze mal jemand sprichwörtlich aus der Reihe beziehungsweise auf dem Tisch. Die Security greife in solchen Fällen behutsam ein und bittet die Person freundlich, wieder herunterzusteigen.
Bewährter Rhythmus und Herausforderungen
Der Ablauf im Festzelt folgt dabei einem bewährten Rhythmus: Bis etwa halb 9 steht das Essen im Vordergrund. Danach entwickelt sich meist wie von selbst die Partystimmung – mit allen auf den Bänken, aber eben nicht auf den Tischen. Für die Servicekräfte stellen allerdings andere Situationen manchmal eine Herausforderung dar. „Was für die Bedienungen ärgerlich ist: Wenn echt viel los ist und dann der Spruch kommt: ‚Jetzt warte ich schon eineinhalb Stunden auf mein Bier‘“, berichtet Anna-Katharina Lohner. Solche übertriebenen Beschwerden seien aber die Ausnahme und trüben die grundsätzlich gute Stimmung nicht.
Traditionelle Abschlussparty
Die Motivation der Teams ist dabei beeindruckend: „Die feiern durch bis Dienstagmorgen in der Früh“, erzählt Lohner von der traditionellen Abschlussparty am letzten Montag. Diese Energie zeigt, dass nicht nur die Gäste, sondern auch die Mitarbeiter mit Begeisterung bei der Sache sind.
Das Erfolgsrezept der Mühldorfer Festzelte scheint in der ausgewogenen Mischung zu liegen: Eine klare, aber nicht zu strenge Linie bei der Ordnung, kombiniert mit einem verständnisvollen Umgang mit den Gästen. Dass dies funktioniert, liegt nicht zuletzt am „coolen Partypublikum“, wie es die Festwirte übereinstimmend beschreiben. Die Balance zwischen ausgelassener Feststimmung und notwendiger Ordnung mag zwar manchmal ein Spagat sein – doch in Mühldorf gelingt er offenbar ganz gut. Hier zeigt sich: Wenn alle Beteiligten – Festwirte, Personal und Gäste – an einem Strang ziehen, kann aus einer Feier ein gelungenes Fest werden, bei dem sich alle wohlfühlen.