Otto, du bist auf Volksfesten groß geworden. Wie war deine Kindheit als Schaustellerkind?
Otto Heckl junior: Wunderschön, fast wie im Bilderbuch! Als Kleinkind war ich immer bei meinen Eltern dabei. Später, als ich zur Schule ging, war ich oft bei meiner Oma väterlicherseits in Edling. Die Wiesn war für mich ein riesiger Spielplatz – mit Karussells und dem typischen Duft von gebrannten Mandeln oder Bratwurst – zusammen mit ganz vielen anderen Schaustellerkindern. Freundschaften, die dort entstanden sind, wie zu meinem guten Freund Ewald Schneider junior, der mit seinem Fahrgeschäft auch schon oft auf dem Herbstfest war, halten bis heute. So haben wir gemeinsam die Kindheitstage in Rosenheim verbracht, aber auch die schöne Zeit als Jugendliche und junge Erwachsene, die natürlich – neben der täglichen Arbeit – auch von viel feiern geprägt war. In Rosenheim kann man ja zur Wiesnzeit hervorragend weggehen. Das haben wir oft und viel als Gruppe gemacht. Und auch wenn es uns am nächsten Tag schwerfiel, aus dem Bett zukommen, wir haben keinen Tag gefehlt. Das ist unsere Einstellung und gehört zum Schaustellerdasein dazu. Da arbeitest du auch, wenn es mal zwickt und zwackt.
Wann hast du angefangen, im Familienbetrieb mitzuarbeiten?
Otto: Ich wollte schon früh mithelfen, aber meine Mama hat mich ein bisschen zurückgehalten. Endlich mit etwa 13, 14 Jahren durfte ich in den Ferien ein wenig mitarbeiten – Botendienste, Semmeln holen, Senf bringen. Mit 15 habe ich meinen Schulabschluss gemacht und bin direkt in den elterlichen Betrieb eingestiegen. Ich habe mich bewusst gegen eine klassische Ausbildung, dafür für die „Schule des Lebens“ entschieden.
Was hast du dort alles gelernt?
Otto: Alles, was man braucht, um einen Schaustellerbetrieb zu führen: Logistik, Personalführung, Verkauf, Einkauf, Produktion. Ich habe schweißen gelernt, Fahrzeuge gebaut, Elektrik verlegt, Sanitär installiert – wir machen vieles selbst, auch an den Mannschaftswägen für die Mitarbeiter legen wir selber Hand an. Unseren Burgerstand vor dem Flötzinger Eingang konnte ich über die letzten Jahre immer wieder den Gegebenheiten anpassen. Da schraubt, schweißt und hämmert man schon ein bisserl rum, bis so ein Verkaufsstand optimiert ist. Komplett selbst gebaut habe ich beispielsweise auch unseren Fotobox-Stand gegenüber der Achterbahn.
Und privat? Gibt es jemanden, der dich begleitet?
Otto: Ja, meine Merle. Wir haben uns 2018 auf dem Rosenheimer Herbstfest kennengelernt – sie hat am Süßwarenstand gegenüber gejobbt, da konnte man viel Blickkontakt halten und sich schnell kennenlernen. Seitdem sind wir ein Team. Und das hat in unserer Familie scheinbar Tradition: auch meine Eltern haben sich in Rosenheim auf dem Herbstfest kennen und lieben gelernt. Das klappt immer noch hervorragend, es scheint also unter einem guten Stern zu stehen, wenn man sich auf der Loretowiese verliebt. Merle ist voll dabei, hat ihre Ausbildung abgeschlossen und sogar den Lkw-Führerschein gemacht. Ihre Einstellung passt zu 100 Prozent zu meiner. Wir versuchen uns immer wieder weiterzubilden und unser Wissen und Können auszubauen. Kürzlich absolvierte ich außerdem meinen Metzgermeister– das war mir sehr wichtig. Merle und ich sind also gut gerüstet und wollen den Betrieb motiviert in die Zukunft führen.
Deine Familie ist seit über 90 Jahren auf Volksfesten vertreten. Was war der Ursprung eures heutigen Betriebes in Rosenheim?
Otto: Mein Opa hatte die Idee einer „rollenden Metzgerei“, weil es zunehmend schwierig wurde, für den Imbissbetrieb frische Metzgerware rechtzeitig und in der richtigen Menge zu bekommen. Seitdem produzieren wir vieles direkt vor Ort, in der eigenen Metzgerei, hinter der Verkaufsfläche – frischer geht’s nicht! Von meinem Opa und meinen Eltern habe ich alles gelernt. Ich bin stolz auf unsere Tradition und gleichzeitig motiviert, Neues zu schaffen. Mit Merle an meiner Seite freue ich mich auf alles, was kommt.