„Der Fertigbau ist nicht nur krisenfest, sondern auch zukunftsgewandt“

von Redaktion

Die Planung und der Bau des eigenen Zuhauses gehören zu den größten Herausforderungen, denen man sich stellen kann. Um sie zu meistern, sind Orientierung, umfassende Informationen und kreative Inspiration nötig. Im Interview spricht Cornelia Lutz, Senior Director Exhibitions bei der Messe München, über neue Chancen im Eigenheimbau, das Potenzial modularer Konzepte sowie die Rolle des Bauzentrum Poing als praxisnaher Wegweiser. Lutz hat im Mai 2025 die Leitung des für das Bauzentrum Poing zuständigen Bereichs, der auch das BAUCluster beinhaltet, übernommen.

Frau Lutz, Sie sind erst seit ein paar Monaten in ihrer neuen Funktion, in der Sie neben dem Bauzentrum Poing auch noch die Messen BAU, digitalBAU, Interforst sowie die Reise- und Freizeitmesse f.re.e als Senior Director verantworten. Hatten Sie vorher bereits Berührungspunkte mit den Themen Bauzentrum Poing und Fertigbau?

Aufgrund meiner vorherigen Tätigkeiten für verschiedene Handwerksmessen bin ich mit den Themen Bauen und Bauwirtschaft bestens vertraut. Ebenso habe ich in diesem Zusammenhang bereits zahlreiche Berührungspunkte mit dem Fertighausbau gehabt. Das Bauzentrum Poing als größte Musterhausausstellung in Bayern war mir auch schon vor meinem Start bei der Messe München ein Begriff. Tatsächlich war ich bereits privat vorher häufiger im Bauzentrum Poing, da ich es für meinen privaten Hausbau intensiv mit diversen Besuchen und Termine direkt vor Ort genutzt habe. Ich kann es nur empfehlen, da es einen tollen Überblick bietet – und vor allem eine extreme Zeitersparnis mit so vielen unterschiedlichen Anbietern an einem Ort. Daher freue ich mich, nun mich auch beruflich diesem Thema widmen zu dürfen und meine eigenen Erfahrungen hier einbringen zu können.

Ein herausforderndes erstes Halbjahr liegt hinter der Baubranche – wie fällt Ihr Rückblick aus?

Es war zweifellos ein weiteres schwieriges Jahr für viele Bauwillige – mit steigenden Zinsen, unsicherer Förderlage und weiterhin hohen Kosten. Und dennoch sehen wir auch positive Entwicklungen. So haben sich Fertighäuser in dieser Situation nachhaltig als zukunftsfähige Lösung positioniert. 2024 war mehr als jedes vierte genehmigte Ein- oder Zweifamilienhaus ein Fertighaus – ein historischer Höchstwert. Besonders freut uns, dass Bayern mit 26,4 Prozent den zweiten Platz im bundesweiten Vergleich belegt. Das zeigt: Der Fertigbau ist nicht nur krisenfest, sondern auch zukunftsgewandt. Diese Dynamik haben wir auch auf der BAU 2025 gespürt, wo Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und serielle Bauweisen zentrale Themen waren – genau diese Themen greifen wir ja auch im Bauzentrum Poing auf und machen sie erlebbar.

Trotz positiver Marktanteile gab es insgesamt weniger Baugenehmigungen. Wie gehen Sie damit um?

Natürlich beobachten wir den Rückgang der Gesamtzahlen mit Sorge – ein erneutes Minus von rund 20Prozent bei den Ein- und Zweifamilienhäusern ist deutlich. Gleichzeitig zeigt die wachsende Bedeutung des Fertigbaus, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die Branche entwickelt sich modular, digital und klimabewusst weiter. Das bietet nicht nur Chancen für Investoren und Kommunen, sondern auch für private Bauherren. Das Bauzentrum Poing ist in dieser Situation wichtiger denn je: Als Ort des Austauschs, der Orientierung und der konkreten Lösungsangebote – von der Energieeffizienzberatung bis zur Festpreisgarantie.

Wie geht es 2025 weiter? Womit rechnen Sie?

Ich sehe 2025 als ein Jahr der Chancen. Der sogenannte „Bau-Turbo“, also die politischen Maßnahmen zur Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren, soll nun auch privaten Bauherren zugutekommen. Wenn das konsequent umgesetzt wird, kann das insbesondere für Familien echte Planungssicherheit bedeuten. Gleichzeitig erwarten wir ein weiteres Wachstum des Fertigbaus im Mehrfamilienhaussegment – mit steigenden Marktanteilen und innovativen Konzepten. Modulares Bauen, etwa durch seriell vorgefertigte Module, kann dabei nicht nur Zeit und Kosten sparen, sondern auch nachhaltige, anpassungsfähige Wohnräume schaffen.

Welche Rolle spielt dabei das Bauzentrum Poing?

Eine sehr konkrete. Wir verstehen uns als Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis. Unsere Besucher erleben hier vor Ort, was moderne Architektur heute kann: Sie ist ökologisch, funktional und bezahlbar. Stolz sind wir beispielsweise auf das neue Modulhaus „Arco“ von Wolf System, das diesen Sommer in unserer Ausstellung Eröffnung feierte. Es zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie flexibel sich Wohnen heute denken lässt: Zwei in sich geschlossene Einheiten, die bei Bedarf zu einem großzügigen Wohnraum kombiniert werden können, sind ideal für Mehrgenerationenwohnen, Homeoffice oder Vermietung. Solche Lösungen treffen den Nerv der Zeit.

Was erwartet die Besucher beim anstehenden „Tag der Musterhäuser“ im September?

Am 20. und 21. September laden wir gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) zum „Tag der Musterhäuser“ ein – ein echtes Highlight für alle Bauinteressierten. Auf unserem Gelände können Besucher über 60 Häuser besichtigen, persönliche Beratungsgespräche führen und neue Wohnkonzepte entdecken. Zusätzlich erwartet unsere Gäste ein buntes Rahmenprogramm. Und das bei freiem Eintritt an beiden Tagen. Wer das Thema Eigenheim anpacken möchte, sollte sich dieses Wochenende unbedingt vormerken.

Ihr Fazit zum noch laufenden Sommer 2025?

Ich bin vorsichtig optimistisch. Der Markt bleibt herausfordernd, und natürlich sind auch wir nicht losgekoppelt von politischen und wirtschaftlichen Themen und Ereignissen weltweit. Aber wir spüren, dass sich vieles in Bewegung setzt. Der Fertigbau zeigt erfolgreich, dass Innovation und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können. Und wir im Bauzentrum Poing freuen uns, auch weiterhin ein Ort zu sein, an dem man das ganz unmittelbar erleben kann.

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