Keine gute Idee: Gleich Arbeiten statt Ausbildung

von Redaktion

Zahlt es sich aus, direkt in den Arbeitsmarkt einzusteigen?

Schule ade, Geld verdienen. So denken erstaunlich viele Absolventen, die sich gar nicht erst nach einer Ausbildung umsehen, sondern gleich Jobs suchen. Angelockt vom vermeintlich guten Verdienst.

Fast jeder Fünfte
will arbeiten

Fast jeder fünfte Jugendliche will einer Befragung der Bertelsmann-Stiftung (Studie 2025) zufolge nach dem Schulabschluss direkt arbeiten, auch ohne berufliche Qualifikation. „Schüler laufen Gefahr, damit auch langfristig ohne Ausbildung zu bleiben“, warnt Helen Renk, Expertin für berufliche Bildung der Bertelsmann Stiftung.

Zahlt es sich überhaupt aus, wenn man direkt als An- oder Ungelernter in den Arbeitsmarkt einsteigt? Viele Ungelernte erhalten den Mindestlohn oder sogar etwas mehr, während Auszubildende oft mit vergüteten Lehrjahren beginnen, die weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegen. Gerade einfache Tätigkeiten wie Akkordarbeit bieten oft schneller mehr Geld und flexible Arbeitszeiten. Typisch sind etwa Jobs als Lagerist, Paketzusteller oder Call-Center-Agent. Hier werden laut kunuu sowie weiteren Jobportalen im Durchschnitt Monatslöhne zwischen 2000 und 2400 Euro brutto bezahlt.

Kein Berufsabschluss,
schlechtere Perspektiven

Studien zeigen aber eindeutig: Wer eine Ausbildung abschließt, verdient im Verlauf des Berufslebens deutlich mehr. Ohne Ausbildungsabschluss sind die Chancen auf Weiterentwicklung begrenzt. Über die Lebensspanne betrachtet erhalten Fachkräfte im Schnitt ein deutlich höheres Einkommen als Ungelernte. In Vollzeit lag das Medianentgelt 2023 bereits bei über 3500 Euro, und junge Spezialisten in Forschung und Technik erzielen sogar mehr als 5600 Euro im Monat. Laut DIHK verdienen einzelne Spezialisten mit Ausbildung oft sogar mehr als Akademiker – letztlich entscheidet vor allem der erlernte Beruf.

Lebenslauf und
Verdienst

In gut bezahlten Berufen mit Ausbildung – wie etwa Bankkaufleute, Mechatroniker, Sozialversicherungsfachangestellte – sind Monatsgehälter von 1150 bis 1250 Euro schon in der Ausbildung möglich, später viel mehr. Wer weiter lernt, etwa seinen Meister oder Techniker abschließt, erreicht im Berufsleben teils ähnliche Einkommen wie Akademiker.

Nichts spricht dagegen, nach dem Schulabschluss erst einmal Geld zu verdienen und ins Arbeitsleben einzutauchen. Aber man sollte den richtigen Absprung schaffen und sich für eine Ausbildung oder ein Studium entscheiden.

Betriebe zahlen mehr

Die meisten Azubis bekommen mehr als die festgelegten Mindestsätze. Im Schnitt verdienten Auszubildende im Jahr 2023 in tarifgebundenen Betrieben über alle Ausbildungsjahre hinweg durchschnittlich 1066 Euro monatlich, so das BIBB. Allerdings gibt es Abweichungen je nach Ausbildungsberuf und Zuständigkeitsbereich.

Beispiele für Ausbildungsgehälter

• Bankkaufmann: Im Durchschnitt erhielten Auszubildende hier circa 1197 Euro pro Monat – deutlich über dem Gesamtmittel.

• Industriemechaniker: Die Vergütung betrugt durchschnittlich 1168 Euro, was die technische Ausbildung zu einer der attraktivsten macht.

• Bäcker: Durch einen neuen Tarifvertrag stieg die Vergütung 2023 um rund 24 Prozent und liegt jetzt bei circa 930 Euro.

• Medizinische Fachangestellte: Hier erreichten die Gehälter meist etwa 1000 Euro monatlich.

• Kaufmann im Einzelhandel: Mit durchschnittlich 1064 Euro bewegte sich die Vergütung im Branchendurchschnitt.

(Quellen: BIBB, kununu, 2023/2024)

Mindestausbildungsvergü-

tung ab 1. Januar 2025:

682 Euro im

ersten Ausbildungsjahr

805 Euro im

zweiten Ausbildungsjahr

921 Euro im

dritten Ausbildungsjahr

955 Euro im

vierten Ausbildungsjahr

(Quelle: Bundesgesetzblatt)

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