Ausbildungsstart verpasst – Welche Chancen bleiben noch?

von Redaktion

Das sagen Innungsmeister aus der Region

Nicht jeder Jugendliche findet bis zum Ausbildungsstart im September die passende Stelle. Manche merken auch in den ersten Wochen: Der Betrieb passt nicht oder der Beruf ist nicht der richtige. Doch was dann? Ein kompletter Neustart ist oft noch möglich, wie Obermeister der regionalen Handwerksinnungen betonen.

Bau-Innung: Viele
Betriebe sind noch offen

„Unsere Betriebe haben zum Ausbildungsbeginn 18 Lehrverträge abgeschlossen, im Bereich der Kreishandwerkerschaft wurden bisher 137 registriert“, sagt Peter Heiß, Obermeister der Bau-Innung. Dabei sind längst nicht alle Stellen besetzt: „Nach dem Ausbildungsstart wären immer noch bis zu 50 Prozent der Stellen – je nach Handwerk – frei.“ Viele Betriebe seien bereit, auch im September oder Oktober noch einen Lehrvertrag zu unterzeichnen. Wichtig sei nur, dass der versäumte Unterricht nicht aus den Augen verloren werde.

Nachwuchsmangel
absehbar

Rund zehn Prozent der Auszubildenden brechen die Lehre im Bauhandwerk nach Heiß‘ Erfahrung vorzeitig ab. Gleichzeitig nutzen viele aber die Aufstiegschancen und verlassen nach dem Abschluss den Ausbildungsbetrieb. Eine zusätzliche Herausforderung für die Bauunternehmen ist der Nachwuchsmangel: „In absehbarer Zeit gehen die Babyboomer in den Ruhestand, und wir können sie nicht ausreichend ersetzen“, so Heiß. Gleichzeitig schwächelt der Wohnungsbau – Betriebe versuchen deshalb, ihr Personal trotz Auftragsflaute zu halten.

Bäcker-Innung:
Neueinstieg sogar

vor Weihnachten

Auch im Bäckerhandwerk ist ein späterer Ausbildungsbeginn keine Ausnahme. „Manche Nachzügler starten auch noch kurz vor Weihnachten“, berichtet Oskar Hofstetter junior, Obermeister der Bäcker-Innung. Den schulischen Grundstoff könne man dann meist noch aufholen. Gründe für einen Wechsel gibt es verschiedene: „Manchen taugt das Betriebsklima nicht, andere merken, dass sie den falschen Beruf gewählt haben – und steigen dann ins Bäckerhandwerk ein.“

Abbruch bleibt
Ausnahme

Der Abbruch bleibe aber die Ausnahme. Für die Handwerksbäcker ist Ausbildung angesichts des Fachkräftemangels essenziell: „Qualität im Handwerk hängt direkt von der Ausbildung ab – sei es beim Backen oder beim Verkauf, wo Fachwissen über Allergene oder Inhaltsstoffe gefragt ist.“

Schreiner-Innung:
Kreativer Beruf zieht an

Für angehende Schreiner ist die Situation etwas anders, da die Ausbildung im ersten Jahr mit einem Berufsgrundschuljahr startet. „In dieser Zeit verbringen die Lehrlinge nur wenige Wochen im Betrieb“, erklärt Michael Obereisenbuchner, Obermeister der Schreiner-Innung. Wer schulische Schwierigkeiten hat, kann zudem die Prüfung verschieben. „Uns ist wichtig, dass nur eine gute Ausbildung auch zum Abschluss führt.“

Das Schreinerhandwerk profitiert derzeit stark von einem positiven Image: „Der Beruf gilt als kreativ und abwechslungsreich“, sagt Obereisenbuchner. Dennoch bleibe der anstehende Generationenwechsel eine große Herausforderung. „Bei 30 Prozent der Betriebe steht in den nächsten Jahren ein Generationswechsel an – den können wir nur über die Ausbildung stemmen.“

Friseur-Innung: Wenig
Ausbildungsbetriebe

Im Friseurhandwerk stellt sich die Lage ganz anders dar. Laut Nadine Stallwanger bilden bundesweit nur rund 17,6 Prozent der Betriebe aus – in der Region Mühldorf-Altötting sind es sogar nur etwa elf Prozent. Eine Statistik zeigt: Fast 51 Prozent der Ausbildungsverträge werden vorzeitig gelöst, das ist einer der höchsten Werte in Deutschland.

Die Gründe liegen für viele in der körperlichen Belastung, der niedrigen Bezahlung oder fehlender Wertschätzung für den Beruf. Zwar bedeutet eine Vertragslösung nicht immer einen kompletten Abbruch – oft wechseln Jugendliche den Betrieb – dennoch ist die Situation in der Branche angespannt. Gleichzeitig wächst der Konkurrenzdruck durch Barbershops, die häufig keine klassischen Ausbildungsbetriebe sind.

Späte Chancen

Ob Bau, Backstube, Schreinerei oder Friseur – wer noch keinen Ausbildungsplatz hat oder sich in seinem Betrieb unwohl fühlt, sollte sich nicht entmutigen lassen. In vielen Handwerken ist ein späterer Einstieg noch möglich. Die Innungen sind sich einig: Ausbildung bleibt der Schlüssel, um Fachkräfte zu gewinnen und die Zukunft des Handwerks zu sichern.

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