Zum 1. September starteten allein im Landkreis Mühldorf 375 Jugendliche ihre Ausbildung in einem IHK-Beruf. Nach den vorläufigen Zahlen entspricht dies einem Minus von 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Jugendliche brauchen
gute Ausbildungsreife
Ingrid Obermeier-Osl, IHK-Vizepräsidentin und Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Altötting-Mühldorf, erklärt: „In einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld haben die Betriebe ihre Ausbildungsangebote nicht zurückgefahren, sondern investieren weiter in die Fachkräfte von morgen.“ Damit die Betriebe und die Bewerberinnen und Bewerber optimal zusammenfinden, sei entscheidend, dass die Jugendlichen eine gute Ausbildungsreife besitzen. „Als Basis dafür fordert die Wirtschaft eine bessere berufliche Orientierung mit mehr Praxis- und Realitätsbezug und Engagement. Hier sind Schulen, Eltern und die Jugendlichen gleichermaßen gefordert“, sagt die Vorsitzende.
Jeder zweite Ausbildungsbetrieb gab in einer IHK-Umfrage an, dass Ausbildungsplätze unbesetzt geblieben sind. Das bestätigt auch die Agentur für Arbeit: Von den insgesamt 3692 gemeldeten Ausbildungsstellen im Agenturbezirk Traunstein, zu dem die Landkreise Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gehören, waren Anfang September noch 1025 unbesetzt. Rein rechnerisch hätten somit die 333 unversorgten jungen Leute mehr als drei Ausbildungsstellen zur Auswahl.
Michael Vontra, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Traunstein, appellierte: „Aus Erfahrung wissen wir, dass sich durch Ferien- und Urlaubszeit noch nicht alle geäußert haben; das wird der September zeigen. Wir werden jeden Einzelnen kontaktieren, um zu erfahren, ob alternative Pläne geschmiedet werden sollen. Wichtig ist, Alternativen zu erwägen und nicht die Hände in den Schoß zu legen, sondern dran zu bleiben.“
Erfahrungsgemäß könne noch bis Jahresende eine Ausbildung als Nachzügler begonnen werden.
Defizite bei
den Soft Skills
Der überwiegende Grund für unbesetzte Lehrstellen ist laut IHK, dass die Betriebe keine geeigneten oder gar keine Bewerbungen bekommen haben. Fehlende Voraussetzungen bei den Bewerbern beklagen 86 Prozent der Betriebe: Deutliche Defizite sehen sie vor allem bei Soft Skills wie Belastbarkeit, Disziplin, Leistungsbereitschaft und Engagement. Einen überwiegend guten Eindruck vermitteln hingegen die Englischkenntnisse, Teamfähigkeit sowie IT- und Medienkompetenz der Bewerber.
Der heuer fehlende Abiturjahrgang hat sich in der Ausbildungsstatistik weniger stark ausgewirkt als zunächst befürchtet: Der Anteil der neuen Azubis mit Hochschulreife liegt in Oberbayern mit 17 Prozent nur geringfügig unter dem Vorjahreswert von 18 Prozent. Dennoch dürfte diese Lücke in der Region Inn-Salzach zum Minus gegenüber dem Vorjahr mit beigetragen haben.