Veränderte Ausbildungswelt

von Redaktion

Wie Digitalisierung und KI die Ausbildungen prägen

Claus Schemm ist seit 2016 stellvertretender Schulleiter des Beruflichen Schulzentrums Rosenheim. Die Digitalisierung und das Aufkommen künstlicher Intelligenz verändern die Ausbildungswelt spürbar – allerdings nicht in allen Berufen gleichermaßen, wie er erklärt.

Welche Ausbildungen verändern sich stärker durch die vermehrte Digitalisierung und das Aufkommen von KI? Welche Ausbildungen bleiben eher traditionell? Gerne mit konkreten Beispielen aus der Praxis…

Die Ausbildungen im Berufsfeld Elektrotechnik, wie etwa die der Elektroniker für Geräte und Systeme oder der Betriebselektroniker, verändern sich stark durch Digitalisierung und KI. Beispiele wie die Vernetzung von Geräten, Smart-Home-Technologien oder Industrie 4.0 erfordern verstärkt digitale Kenntnisse und den Umgang mit intelligenten Systemen. Aber auch im Agrarbereich gibt es enormen digitalen Fortschritt, etwa durch die Landwirtschaft-4.0-Technologien. Berufe wie zum Beispiel das Friseurhandwerk sind eher traditionell geprägt und verändern sich langsamer, aber auch hier hält die Digitalisierung Einzug, beispielsweise durch digitale Kassensysteme, KI-gestützte Terminoptimierung oder virtuelle Spiegel, um zu sehen, wie bestimmte Frisuren oder Haarfarben am Kunden aussehen könnten.

Welche neuen Themen oder Technologien werden in Ausbildungen aufgenommen?

In technischen Berufen wie bei den Elektronikern und den Malern/Lackierern werden zunehmend Themen wie Robotik, IoT (Internet of Things) und Automatisierungstechnik integriert. Aber auch in der Gastronomie, wie beispielsweise in der Ausbildung zu Hotelfachleuten sind digitale Systeme, etwa für Hotelbuchungen oder Check-in-Prozesse, von Bedeutung. In praktischen Berufen wie Bäcker oder Metzger wird in der Ausbildung unter anderem auf digitale Steuerungssysteme für Produktionsvorgänge eingegangen.

Wie verändert dies das theoretische Lernen und die Umsetzung im praktischen Teil der Ausbildung? Ändert sich auch die Gewichtung von Theorie und Praxis in der dualen Ausbildung?

Lassen Sie mich hier ein Beispiel nennen: Im Berufsgrundschuljahr der Schreiner planen die Schülerinnen und Schüler ihr Werkstück zunächst im Fach „Arbeit vorbereiten“ am Computer. Sie verwenden spezielle digitale Software und erstellen damit unter anderem digitale Zeichnungen, so wie es auch in modernen Betrieben üblich ist. Diese Planung ist anschließend die Grundlage für den Fachpraxisunterricht in der Werkstatt, wo das Werkstück real hergestellt wird. Theorie und Praxis sind dadurch nicht getrennt, sondern bilden einen durchgehenden Prozess. Dabei bleibt es vor allem in traditionellen handwerklichen Ausbildungsberufen bei einer ausgewogenen Gewichtung zwischen Theorie und Praxis.

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