Mammutaufgabe Wohnraum

von Redaktion

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Was sind die größten Herausforderungen bei der Umsetzung von Projekten für bezahlbaren Wohnraum, speziell in einer historischen Altstadt wie Wasserburg?

Die verfügbaren Flächen sind sehr begrenzt. Die Schaffung von Wohnraum ist so praktisch nur durch eine bauliche Nachverdichtung oder Nachfolgenutzungen möglich. Die Integration in gewachsene Strukturen ist nicht immer einfach, auch im Hinblick auf die Akzeptanz durch die Nachbarschaft. Hindernisse für die Schaffung bezahlbaren Wohnraums liegen aber vor allem in den hohen Grundstückspreisen und den hohen Baukosten begründet.

Gibt es Förderprogramme oder finanzielle Anreize, die man in Wasserburg nutzt, um den Bau von bezahlbarem Wohnraum zu unterstützen?

In Zeiten hoher Baupreise können die bestehenden Förderprogramme wertvolle Anreize zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum leisten. Zuletzt hat die Stadt vom Bayerischen Kommunalen Wohnraumförderungsprogramm profitiert, als 2020 an der Ponschabaustraße eine Wohnanlage mit 23 barrierefreien Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen errichtet wurde. Darüber hinaus gibt es weitere staatliche Förderprogramme, zum Beispiel die einkommensorientierte Förderung (EOF).

Wie stellt die Stadt sicher, dass die neuen Wohnprojekte auch den Bedürfnissen von Familien und älteren Menschen entsprechen?

Hier sind durch die Bauherren gesetzliche Vorgaben zu beachten. Bauplanungsrechtlich hat die Stadt hier kaum Einfluss. Durch Kooperationen mittels städtebaulicher Verträge können entsprechende Ziele vereinbart und realisiert werden.

Welche Rolle spielen nachhaltige Bauweisen und Materialien beim Bau von bezahlbarem Wohnraum?

Die Thematik gewinnt mehr und mehr an Bedeutung, nicht zuletzt im Hinblick auf den Klimaschutz und steigende Energiekosten. Die Stadt hat sich selbst das Ziel gesetzt, eigene Bauvorhaben nur noch in ressourcen- und umweltschonender Bauweise umzusetzen und CO2-neutral zu betreiben. Auch die Überarbeitung der Gestaltungssatzung trägt der Thematik Rechnung. Die Errichtung von Solaranlagen im denkmalgeschützten Ensemble der Altstadt wird damit zum Beispiel in vielen Fällen vereinfacht. Ein großes Thema ist aktuell auch die Umsetzung einer kommunalen Wärmeplanung für das gesamte Stadtgebiet.

Können Sie ein Beispiel für ein erfolgreich abgeschlossenes Projekt nennen, das bezahlbaren Wohnraum geschaffen hat?

Die städtische Wohnanlage an der Ponschabaustraße ist nach wie vor ein Vorzeigeprojekt. Der innovative Holz-Hybrid-Bau überzeugt durch die gelungene Architektur und die erreichten Ziele im Hinblick auf Nachhaltigkeit. Auch die Wohnanlage an der Hermann-Schlittgen-Straße, die die GWG eG auf einem von der Stadt erworbenen Grundstück errichtet hat, stellt ein gutes Beispiel für Nachverdichtung zu bezahlbaren Preisen dar.

Vorbildlich ist beispielsweise auch ein Projekt des privaten Investors an der Geigelsteinstraße am „Kugelkreisel“ – nicht zuletzt wegen der liebevoll gestalteten Außenanlagen.

Wie sieht die Stadt die zukünftige Entwicklung des Wohnungsmarktes und welche Rolle spielt bezahlbarer Wohnraum dabei?

Knapper Wohnraum dürfte ein längerfristiges Problem bleiben und Wohnungsbau wird eine Daueraufgabe sein. Im Hinblick auf die begrenzten Entwicklungsflächen im Stadtgebiet ist das sicher eine besondere Herausforderung. Großes Entwicklungspotenzial für Wohnungen hat zum Beispiel die Fläche der ehemaligen Kreisklinik. Auf städtischen Flächen wäre mittelfristig eine Wohnnutzung etwa am Standort des alten Feuerwehrhauses oder – zumindest teilweise – im Salzstadel am Kaspar-Aiblinger-Platz denkbar.

Bei all der Debatte über die Schaffung neuen Wohnraums darf nicht vergessen werden, dass auch die bestehenden Gebäude und Wohnungen erhalten werden müssen und im Hinblick auf CO2-Einsparung und Klimaschutz zu ertüchtigen sind.

Das wird erhebliche Investitionen erfordern. Gleichzeitig soll alles „bezahlbar“ bleiben – ein schwieriger Spagat.khe

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