Fortsetzung des Interviews:
Welche Konsequenzen haben zu hohe psychische Belastungen – für Beschäftigte und Unternehmen?
Dauerhaft hohe psychische Belastungen können schwere Krankheiten auslösen. Manche Betroffene sind lange krankgeschrieben – die Ausfallzeiten bei psychischen Erkrankungen liegen im Schnitt bei drei bis vier Wochen.
Das belastet natürlich auch die Unternehmen – etwa durch Produktivitätsverluste, Fehleranfälligkeit oder soziale Spannungen im Team.
Was sind gesetzliche Vorgaben, und was können Unternehmen freiwillig tun?
Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Unternehmen zur Beurteilung psychischer Gefährdungen. Auch die Berufsgenossenschaften müssen sich darum kümmern – nicht nur um körperliche Risiken.
Viele Unternehmen haben aber auch ein großes Eigeninteresse, weil sie am Arbeitsmarkt um gute Fachkräfte konkurrieren.
Wie sieht so ein betriebliches Gesundheitsmanagement konkret aus?
Zuerst eruieren wir mit dem Unternehmen: Wo steht das Unternehmen beim Thema Gesundheitsförderung? Wo möchte es hin? Welche Daten können wir verwenden? Zum Beispiel Arbeitsunfähigkeitszeiten, Fluktuation, Befragungen.
Als nächstes entwickeln wir gemeinsam ein Konzept und begleiten das Unternehmen Schritt für Schritt. In der Regel gibt es zwei große Ansatzpunkte: Zum einen die Rahmenbedingungen – wie ist zum Beispiel die Arbeitsorganisation: Wie ist die Führungskultur, wie wird Life-Balance ermöglicht? Zum anderen gibt es Maßnahmen auf individueller Ebene.
Als AOK Bayern bieten wir ein ganzes Paket zur Unterstützung an: Workshops zu Themen rund um gesunde Führung, Vorträge und Workshops zum gesunden Schlaf, Resilienz und Achtsamkeit und vieles andere mehr.
Tun sich die Unternehmen leicht, ihre Empfehlungen umzusetzen?
Es gibt Unternehmen, die sind schon sehr gut aufgestellt. Andere fangen gerade erst an und wollen erstmal testen, wie die Belegschaft reagiert. Und das ist auch völlig in Ordnung. Wichtig ist, überhaupt anzufangen. Ich habe noch kein Unternehmen erlebt, das komplett verschlossen war.
Was können Beschäftigte selbst tun, um sich zu schützen oder ihre psychische Gesundheit zu verbessern?
Bei einer psychischen Erkrankung sollte man sich auf jeden Fall professionelle Hilfe suchen.
Aber die Frage ist: Wie können wir Beschäftigte stark machen, damit sie mit Belastungen gut umgehen können? Die Antwort ist relativ einfach – aber mitunter gar nicht so leicht umzusetzen: Wichtige Faktoren sind ausreichend Bewegung, gesunde Ernährung, soziale Kontakte und guter Schlaf. Auch Achtsamkeit spielt eine Rolle. Es gilt zu erkennen: Wo ist meine Grenze? Was tut mir gut? Vielleicht hilft eine Entspannungstechnik, ein Gespräch mit Kollegen oder das Überprüfen meiner eigenen Erwartungshaltung.
Die AOK Bayern bietet unter anderem die Balloon-App zum Thema Stress. Mit dem Programm kann man lernen, Stress abzubauen und durch Achtsamkeitstechniken zur inneren Ruhe zu finden.khe