Was für Menschen ohne Haustiere befremdlich klingt, ist für Tierbesitzer eine Selbstverständlichkeit, jedoch in unterschiedlicher Ausprägung. Von kostspieligen Strickpullovern für Hunde über Designersofas für Katzen bis hin zum Adventskalender mit Leckerlis ist alles zu haben. Laut einer Umfrage (2024) von weenect, einem Unternehmen, das Tracker für Haustiere anbietet, beschenken drei von vier Tierhaltern ihre Tiere zu Weihnachten.
Trainerin Nadine Walter-Lang von der Hundeschule „Fährten Freunde“ in Taufkirchen im Landkreis Mühldorf kennt das Phänomen, räumt aber ein: „In meinem Freundes- und Kundenkreis wird den Tieren eigentlich nur etwas geschenkt, weil es die Halter ebenso freut wie die Hunde.“
Sie erzählt von einem Bekannten, der für seinen Hund einen Kauknochen in mehreren Kartons und Schichten Geschenkpapier verpackte: „Der Hund hatte riesigen Spaß am Auspacken und Chaos stiften.“
Spaß für Tier und Halter
Und natürlich war auch der Hundebesitzer vom Glück beseelt, als er zuschauen konnte, wie der Vierbeiner voller Elan sich Päckchen um Päckchen vorarbeitete, um an den Knochen zu kommen. Geteilte Freude ist schließlich doppelte Freude.
Kauspielzeuge, die wie echtes Essen aussehen, seien besonders beliebt, so die Trainerin. Die Schenkerei habe durchaus viele positive Effekte. „Ein Belohnungs- und Beschäftigungstraining stärkt die Bindung, reduziert Stress und fördert positives Verhalten, was in der stressigen Weihnachtszeit besonders wichtig ist“, so die Erfahrung der Trainerin. Ebenfalls ein beliebtes Weihnachtsgeschenk, jedoch mehr für die Halter als für das Tier selbst, sind Gutscheine für Trainings: „Die werden gerne etwa als Geschenk für denjenigen Partner genommen, der mehr Zeit mit dem Tier verbringen möchte.“
„Das Haustier gehört
ja zur Familie“
Ebenfalls voll im Thema ist Tierärztin Julia Rausch. Sie betreut nicht nur Groß- und Kleintiere, sie hat selbst vier Katzen und vier Schneckenenten. Für Rausch ist es ganz normal, Tiere zu beschenken: „Die gehören ja irgendwie zur Familie. Deswegen schenken Tierhalter ja normalerweise auch gerne etwas.“ Sie weiß aus Erfahrung, dass die Tiere durchaus spüren, dass Weihnachten eine besondere Zeit ist. Herrchen und Frauchen verbringen einfach mehr Zeit zu Hause.
Mehlwürmer –
ein Stück Glückseligkeit
Bei den Enten Lucky, Ursula, Babsi und Waldemar sei ohnehin jeden Tag Weihnachten: „Die bekommen täglich Mehlwürmer“, sagt sie lachend. Mehr Glückseligkeit gehe nicht. Für ihre Katzen Gretel, Frieda, Freya und Max gestaltet sich das Ganze schon aufwendiger. Da hat sie auch schon personalisierte Pakete unterm Baum gelegt, gefüllt mit Spielzeug oder Leckerlis: „Wenn wir dann in Ruhe essen, sind auch sie beschäftigt.“ Einen Adventskalender mit Leckereien inklusive Wurmkur hatte sie schon ebenfalls gebastelt: „Von der Wurmkur halten sie vielleicht weniger, aber es musste sein.“ Julia Rausch kennt auch Landwirte, die ihren Kühen besonderes Futter gönnen – unverpackt versteht sich. Die Lust am Schenken bestätigt eine Stippvisite in einem Geschäft für Tierbedarf.
Fortsetzung
nächste Seite