Feiern fern der Familie

von Redaktion

Weihnachten ist überall da, wo Menschen füreinander da sind

Wenn draußen die Lichterketten aufleuchten und in den Küchen Plätzchenduft aufsteigt, beginnt für viele Menschen eine Zeit lieb gewonnener Rituale. Doch die Weihnachtszeit ist mehr als Glanz und Tradition. Sie macht das Fehlen von Menschen, Erinnerungen und vertrauten Orten oft besonders spürbar.

Zwischen Vorfreude und Wehmut, Festlichkeit und Stille wird deutlich, was sich viele Menschen wünschen: Gemeinschaft, Zuwendung und ein Platz, an dem man sich aufgehoben fühlt. Doch nicht für jeden ist der im Kreis der Familie. Aus den unterschiedlichsten Gründen feiern manche den Heiligabend in einer Betreuungseinrichtung.

Wie fühlt es sich an, Weihnachten fern von zuhause zu erleben? Wie viel Weihnachtsgefühl entsteht zwischen gemeinsam gedeckten Tischen, improvisierten Ritualen und dem Wissen, dass die gewohnten Stimmen fehlen? Und wie geht es den Mitarbeitenden, die über die Feiertage Dienst haben und dafür sorgen, dass niemand allein bleibt, während ihre eigene Familie auf sie wartet?

Ein Blick in zwei unterschiedliche Einrichtungen, in denen Weihnachten leiser, aber nicht weniger bedeutsam gefeiert wird.

Weihnachten auf Burg
Maria Stern in Wasserburg

„Weihnachten ist für viele das Fest der Familie und so gibt es auch bei uns einige Bewohner, die von ihren Familien über die Feiertage nach Hause geholt werden. Andere bekommen sehr viel Besuch von den Angehörigen. Leider gibt es natürlich auch Bewohner, die keine Angehörigen oder Familie haben,“ berichtet Einrichtungsleiter Hamo Merdan. Für sie sei es besonders wichtig, dass Weihnachtsgefühl in ihrem neuen Heim aufkomme.

Auf der Burg Maria Stern kommt deshalb zu Weihnachten ein traditionelles Weihnachtsmenü auf den Tisch. Die Bewohner dürfen sich über deftigen Braten, Ente mit heimischen Beilagen und einem Dessert aus der hauseigenen Küche freuen. Die Auswahl des Menüs für die Weihnachtsfeiertage richtet sich in erster Linie nach den Wünschen der Bewohner des Altenheims.

„Das Weihnachtsessen weckt bei vielen Bewohnern schöne Erinnerungen und dadurch entwickeln sich auch immer sehr schöne Gesprächsrunden in der Gemeinschaft am Tisch und im Haus, wo über Weihnachten gesprochen wird“, berichtet Merdan.

Gemeinsam basteln

Gemeinsam mit der Sozialen Betreuung gestalteten die Bewohner Weihnachtsdekorationen. Es werde gemeinsam gebastelt, gelacht und kreativ gearbeitet. So entstehen bunte Sterne und andere weihnachtliche Dekorationen, die anschließend den Wohnbereich schmücken.

Eine seit Jahren bestehende Tradition ist die handwerklich wertvolle „Burgkrippe“, die ursprünglich von der 2024 verstorbenen Wasserburgerin Gabriele Beck nach barockem Vorbild modelliert und liebevoll ausgestattet wurde. Bis Mariä Lichtmess ist die Darstellung der Weihnachtsgeschichte im Foyer der Burg aufgebaut und dort auch für die Öffentlichkeit zu besichtigen.

Noch zu ihren Lebzeiten hat die kunstsinnige Tochter des Kirchenmalers Josef Fellner ihr Anliegen bekräftigt, dass ihre Krippeninszenierung auf der Burg alljährlich zur Anschauung kommen solle, solange hier alte und pflegebedürftige Menschen leben. Marianne Huber und Elisabeth Wolf führen dieses Vermächtnis fort.

Eine weitere Tradition ist der Besuch der Stadtkapelle Wasserburg am Heiligabend. „Anschließend an das Konzert im Rittersaal ist der traditionelle Gottesdienst, der für unsere Bewohner ein sehr wichtiger Bestandteil ist,“ berichtet der Einrichtungsleiter.

„Und auch bei unseren Mitarbeitern soll Weihnachtsstimmung aufkommen. Sie haben bei der Gestaltung des Dienstplanes ein Mitspracherecht, damit auf die Familienbedürfnisse eingegangen werden kann. Dadurch ist die Stimmung des Personals über die Feiertage immer sehr gut.“

Das Weihnachtsfest in sozialtherapeutischen Einrichtungen bietet eine Zeit der Gemeinschaft, Wärme und Orientierung. Der Fokus liegt auf verlässlichen Ritualen, und der Förderung sozialer Nähe. Gleichzeitig verlangt es Sensibilität und Flexibilität: Nicht alle verbinden das Fest automatisch mit Traditionen, schönen Erinnerungen oder familiärer Wärme. Zudem gibt es verschiedene Bezüge zum Fest. Unterschiedliche religiöse Zugehörigkeiten, kulturelle Hintergründe und persönliche Lebensgeschichten beeinflussen, wie Weihnachten erlebt wird.

Frohe Weihnachten in der
WG Marquartstein

„In unserer sozialtherapeutischen Wohngruppe in Marquartstein leben 14 Menschen mit einer dauerhaften seelischen Beeinträchtigung. Nicht alle haben einen Bezug zum Weihnachtsfest,“ berichtet Martin Diegritz. Das Betreuungsteam unterstützt die Frauen und Männer im Alter zwischen Mitte 30 und 80 Jahren dabei, ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu führen und ihren Alltag zu meistern.

Großer Wert werde dabei auf eine strukturierte, kreative und facettenreiche Gestaltung des Zusammenlebens gelegt. Grundlage des Miteinanders sind offene und respektvolle Beziehungen zwischen Bewohnern, Mitarbeitenden, Angehörigen und Besuchern. Ziel ist es, die Auswirkungen der Beeinträchtigungen im Alltag so gering wie möglich spürbar zu machen.

Nikolaus füllt die Stiefel

„Die Advents- und Weihnachtszeit ist für uns eine ganz besondere Zeit voller Traditionen und Gemeinschaft,“ ist aus der Wohngruppe zu hören. Bereits am 5. Dezember lebt die Nikolaus-Tradition auf. Vor jedem Zimmer stehen Stiefel, die liebevoll gefüllt werden.

Am Weihnachtsabend erwartet die Bewohner ein festlich geschmückter Tisch. Musik mit der Zauberharfe sorgt für eine stimmungsvolle Atmosphäre. Auf dem Speiseplan steht ein Klassiker, der bei vielen Erinnerungen weckt: Kartoffelsalat mit Würstl. Dazu gibt es Geschenke vom Haus und zusätzlich Überraschungen aus der Aktion „Wunschbaum“ der Gemeinde Marquartstein, die von Irmengard Noichl organisiert wird. Das gemeinsame Auspacken der Geschenke ist ein Höhepunkt des Abends.

„Unser Christbaum wird fürstlich geschmückt und bleibt traditionell bis Lichtmess stehen“, berichten die Bewohner.

Geborgenheit und
Gemeinschaft

Trotz der räumlichen Distanz zur Familie ist es für die Bewohner wichtig, ein Gefühl von Geborgenheit und Gemeinschaft zu erleben. „Wir sind ein kleines Team aus Mitarbeitenden und Bewohnern. Wir kennen uns gut. Daher ist es auch kein Problem, den Dienstplan an den Feiertagen zu besetzen. Die Stimmung ist herzlich und geprägt von Ruhe und Besinnlichkeit“, betont Martin Diegritz. Stress und Hektik dürfen in dieser Zeit gerne außen vor bleiben.

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