Gemeinsam statt einsam

von Redaktion

Weihnachten im Aschauer Seniorenheim

Wer im Seniorenheim lebt, feiert Weihnachten oft nicht mehr mit der Familie, jedenfalls nicht im früheren Zuhause. Erinnerungen kommen hoch, deswegen ist für viele Bewohner von Seniorenwohnheimen die Weihnachtszeit besonders wichtig.

Im Aschauer Seniorenheim Priental gGmbH haben sie ihre eigenen Rituale. Weihnachten wird in allen Wohngruppen gefeiert. Vier Bäume werden vor den Zugängen zu den einzelnen „Häusern“ aufgestellt, ein großer Holzstern vor dem Eingang wird festlich dekoriert. Vor dem Speisesaal im Erdgeschoss leuchtet der Adventskranz, an dem nach und nach die vier Kerzen entzündet werden. Kurz vor Weihnachten kommen Krippe und ein bunt geschmückter Christbaum dazu.

Wolfgang Rohrmüller, Leiter des Seniorenheims, und seine 92 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen um die Bedeutung der Adventstage. Die Weihnachtszeit beginnt ja schließlich nicht am Abend des 24. Dezember, sondern am 1. Dezember.

Weihnachtszeit ist
eine besondere Zeit

Das vergessen die Berufstätigen schon mal im Alltagsstress, für viele Senioren hingegen wird die Weihnachtszeit mit zunehmendem Alter immer wichtiger. Insbesondere wenn sie in einem Seniorenheim leben.

„Wir fangen mit den Bastelarbeiten meistens schon vor dem ersten Advent an. Da sind wirklich alle, die helfen können, mit Begeisterung dabei“, berichtet Cristina Repper, Kunsttherapeutin im Seniorenheim. Die tätige Einstimmung auf Weihnachten wecke bei vielen Bewohnern auch schöne Erinnerungen an früher.

In der sozialen Betreuung legen die Mitarbeiter wie Conny Hoesch, Betreuungsassistentin, besonderen Fokus auf Menschen, die keine Angehörigen mehr haben. „Wir orientieren uns daran, wie viel jeder Besuch bekommt und wie gut er eingebunden ist.“ Das sei das wirksamste Mittel gegen Melancholie oder Einsamkeit. Gerade für diese Menschen habe eine enge Betreuung große Bedeutung. Besonders, wenn sie nicht dement seien und realisierten, was um sie herum geschieht.

Mit besinnlicher Musik in
Weihnachtsstimmung

In der Vorweihnachtszeit gibt es eine Nikolausfeier. „Da bekommt dann jeder ein kleines Päckchen, und es gibt Punsch“, so Hoesch. Auf dem Programm stehen außerdem besinnliche Adventsnachmittage, Besuche von Kindergartenkindern und es gibt viel Musik. Den Zauber des gemeinsamen Singens und Musizierens bringen beispielsweise alljährlich Martina Reiter, Musical-Sängerin aus Linz, die ehemalige TV-Moderatorin Andrea Schirnack und Instrumentalist Magnus Kellner ins Haus.

Ergotherapeut Niko Scheuer fügt hinzu, dass es heuer im Seniorenheim wieder ein lebendes Adventsfenster geben wird. Von Familie Baumgartner wird die Adventsaktion alle zwei Jahre organisiert, dabei öffnet sich an den 24 Tagen im Advent (oder eben weniger, je nachdem, wie viele bei der Aktion mitmachen) zum späten Nachmittag ein bunt erleuchtetes Fenster an einer Wohnung, einem Haus oder eben am Seniorenheim. „Wir waren am 4. Dezember dabei.“ Während das Fenster aufgeht, wird drinnen im Haus gesungen, eine Bewohnerin liest eine Geschichte vor.

Ehrenamtliche Helfer
bringen sich ein

Vor allem in der Weihnachtszeit, wenn auch die Mitarbeiter selbst an der Belastungsgrenze seien, brauche man immer ehrenamtliche Helfer, fügt Rohrmüller hinzu. „Wichtig ist dann, die Bewohner zum Gottesdienst zu bringen, ihnen vorzulesen und ein offenes Ohr zu haben. Besonders an Weihnachten reden viele ältere Menschen gerne darüber, wie Weihnachten in ihrer Kindheit oder Jugend war.“ Cristina Repper sagt, dass es im Haus ein schöner Usus sei, dass Rohrmüller und Scheuer die Bewohner einen Tag vor Heiligabend persönlich aufsuchen. Das sei für alle Bewohner etwas ganz Besonderes, vor allem wenn es keine Familie gebe. Da sei ein kleines Zeichen der Zuneigung viel wert.

Familien-Besuche an
den Feiertagen

Den Heiligabend selbst verbringen die meisten Senioren im Heim. „Mittlerweile geht der Trend mehr zu Besuchen an den Feiertagen. Es werden eher weniger Menschen abgeholt“, berichtet Wolfgang Rohrmüller. „Wir sind da, aber können Familie nicht ersetzen.“ Gleichwohl nehme Aschau mit seinen oftmals noch existierenden großfamiliären Strukturen eine Sonderstellung ein, die Familien schauten sehr oft vorbei.

Klassiker stehen auf
dem Speiseplan

Das Seniorenheim ist auch über die Feiertage personell voll besetzt. Gefeiert wird ganz gemütlich in den Wohnbereichen, meistens gibt es Klassiker zum Essen, an Heiligabend Würstel oder Fisch, an den Feiertagen Ente und Braten. Nichtsdestotrotz überlegt sich das Küchenteam immer ein besonderes mehrgängiges Menü. Seitdem die Köche Georg Westenthanner und Sebastian Pellkofer und ihr Team erfolgreich am Bio-Regio-Coaching teilgenommen haben, achten sie noch mehr auf Regionalität und Bio-Qualität. Heuer wird es Ente geben, mehr will Westenthanner nicht verraten.

Weihnachten ist für Senioren eine schöne und ruhige Zeit. „Trotzdem ist es eine ganz wichtige Aufgabe für uns, Einsamkeit und Schwermut abzufedern“, so Wolfgang Rohrmüller. Das ganze Jahr über biete das Haus viele Aktivitäten, sagt Rohrmüller noch. „Bei uns ist ganz schön was los.“ Zahlreiche Vereine bringen sich ein: Die Schulkinder, die Kindergarten- und Krippenkinder und die Mittelschüler der Franziska-Hager-Schule Prien besuchen die Senioren, die Trachtenkinder tanzen auf, die Klinikclowns machen Späße, die Malteser, der Kneipp-Verein und der Frauenbund engagieren sich. Es wird gemeinsam gesungen, gemalt, geturnt, gekocht, einmal die Woche gibt es Bingo, und und und.

Passend zu den Jahreszeiten werden Jahresfeste gefeiert, im Fasching erfreut beispielsweise die Jugendgarde der Prienarria samt Kinderprinzenpaar die älteren Bewohner.

Und doch braucht es Ehrenamtliche, die sich regelmäßig Zeit für die Senioren nehmen, ihnen vorlesen und zuhören. Zeit kann man nicht kaufen, die muss man sich nehmen, sagt Rohrmüller noch. Zeit ist und bleibt halt doch das schönste Geschenk. Nicht nur an Weihnachten.

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