Gemeinsames Lungenkrebszentrum bietet wohnortnahe Spitzenmedizin für die Region

von Redaktion

Durch die enge Zusammenarbeit zwischen dem InnKlinikum und den Kliniken Südostbayern ist ein leistungsstarkes Netzwerk zur umfassenden Versorgung von Lungenkarzinom entstanden. PD Dr. Arno Mohr, Leiter des Lungenzentrums und zugleich Chefarzt der Pneumologie am InnKlinikum Mühldorf, erklärt den großen Nutzen für die Patienten.

Herr Dr. Mohr, was bedeutet das Lungenkrebszentrum für die betroffenen Patientinnen und Patienten aus der Region – vor allem mit Blick auf eine wohnortnahe Versorgung?

Eine wohnortnahe Versorgung sollte für alle häufigen Erkrankungen gewährleistet sein und Lungenkrebs zählt zu den häufigsten Tumorerkrankungen. Viele Betroffene leiden bereits an Luftnot und haben Probleme bei körperlicher Belastung. Für diese Patientengruppe wäre es unzumutbar, weite Strecken für Diagnostik und Behandlung zurücklegen zu müssen. Mit dem Neuaufbau der Pneumologie in Traunstein und der Etablierung des Lungenkrebszentrums bieten wir nun eine standortübergreifende, hoch qualifizierte Versorgung in der Region.

Welche neuen Möglichkeiten eröffnen sich durch die enge Zusammenarbeit zwischen dem InnKlinikum und den Kliniken Südostbayern?

Durch die Kooperation profitieren beide Klinikverbünde sehr stark. Es entsteht ein intensiver Wissensaustausch und vorhandene Strukturen können effizienter genutzt werden.

Wie profitieren Menschen mit dem Verdacht auf Lungenkrebs oder mit entsprechender Diagnose konkret von der vernetzten Struktur des Zentrums?

Betroffene Patienten, die bislang möglicherweise für Diagnostik und Therapie nach München fahren mussten, können nun regional diagnostiziert und professionell behandelt werden. Jeder Fall wird direkt im Zentrum gemeinsam mit Experten im Tumorboard besprochen. Eine Verlegung zur Diagnostik außerhalb des Zentrums ist nicht mehr erforderlich.

Welche Leistungen können weiterhin direkt am InnKlinikum in Mühldorf erbracht werden und in welchen Fällen erfolgt eine Überweisung an das Lungenkrebszentrum in Traunstein?

Das InnKlinikum Mühldorf bietet weiterhin die gesamte Bandbreite der endoskopischen Diagnostik bei Lungenkarzinomen. Die Strahlentherapie und Onkologie erfolgen wohnortnah. Operative Therapien eines Lungenkarzinoms werden dann in Traunstein durchgeführt. Der Standort profitiert dort von mehreren sehr versierten Thoraxchirurgen unter Leitung von Herrn Dr. Decker und dem Einsatz eines OP-Roboters.

Wie ist die standortübergreifende Zusammenarbeit organisiert, damit Behandlung reibungslos und koordiniert abläuft?

Grundlage ist eine enge und kontinuierliche Zusammenarbeit mit allen am Zentrum beteiligten Fachbereichen. Wöchentlich treffen sich die Teammitglieder, teils virtuell per Videokonferenz, und prüfen gemeinsam für jeden neu diagnostizierten Lungenkrebspatienten das Tumorstadium, die Therapieoptionen und das weitere Vorgehen. Dadurch sind die Kontaktaufnahme und Abstimmung mit den Patienten sowie anderen Fachabteilungen unkompliziert möglich.

Welche modernen Verfahren in Diagnostik und Therapie stehen den Patientinnen und Patienten in Mühldorf und Traunstein zur Verfügung?

Sowohl in Mühldorf als auch in Traunstein sind Lungenspiegelungen möglich. Mit einem speziellen Ultraschallkopf am Endoskop (EBUS) können Lymphknoten neben der Lunge biopsiert werden. Außerdem ist eine Biopsie direkt aus dem Lungengewebe möglich. Im InnKlinikum Mühldorf wird zusätzlich eine Kälte-Sonden-Biopsie (Kryosonde) angeboten, die es ermöglicht, größere Proben aus Lymphknoten und Lunge zu entnehmen. Voraussichtlich wird dieses Verfahren in Traunstein in den nächsten Monaten ebenfalls verfügbar sein. Dann besteht in der pneumologischen Diagnostik kein Unterschied mehr zwischen beiden Standorten. Die Onkologie und die Strahlentherapie sind an beiden Häusern über das Tumorboard eingebunden.

Wie gelingt es, trotz der Komplexität der Erkrankung, eine persönliche Betreuung und kurze Wege sicherzustellen?

Wesentlich ist, dass die Pneumologie als zentrale Anlaufstelle fungiert. Dort werden Befunde gesammelt und anschließend gemeinsam im Tumorboard der individuelle Fall besprochen. Neben dem Pneumologen sind Onkologen, Radiologen, Strahlentherapeuten, Thoraxchirurgen und Nuklearmediziner an der Entscheidung beteiligt. Durch diese enge fachübergreifende Zusammenarbeit und eine durchgehend vorhandene Erreichbarkeit für betroffene Patienten entstehen kurze Wege und eine persönliche Betreuung auf höchstem Niveau.

Was möchten Sie Menschen mit einer Lungenkrebsdiagnose mit auf den Weg geben?

Das Lungenkarzinom zählt zu den häufigsten Tumorerkrankungen. Die Erkrankung ist daher für die Forschung und für pharmazeutische Unternehmen sehr interessant. Dies hatte zur Folge, dass in den letzten Jahrzehnten auf diesem Gebiet sehr große Fortschritte gemacht wurden und das Lungenkarzinom heute ein Paradebeispiel für die Entwicklung der modernen Krebstherapie ist. Ein früh diagnostiziertes Lungenkarzinom kann geheilt werden. Patienten in fortgeschrittenen Stadien profitieren sehr von den Fortschritten, insbesondere der medikamentösen Therapie, die teils auch schonend und gezielt mit Tabletten durchgeführt werden kann.

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