Weihnachten im Zirkus

von Redaktion

So feiert die Zirkusfamilie Brumbach den Heiligen Abend

Wenn Stefanie Frank vom Circus Brumbach lächelnd sagt: „Ich bin eine Mühldorferin“, dann erinnert diese Aussage ein bisschen an den legendären Satz von J.F. Kennedy, der im Jahre 1963 in Deutschland beteuerte: „Ich bin ein Berliner“. Die Zirkusfamilie Brumbach ist momentan wieder in der Kreisstadt auf dem Volksfestplatz heimisch. Dort laden die Zirkusleute noch bis zum 6. Januar zu ihrem Weihnachtszirkus ein. „Wir sind heuer bereits zum siebten Mal über Weihnachten und Neujahr in Mühldorf“, freut sich Sohn Miguel, und seine Mama ergänzt: „Wir kennen hier bereits viele Leute und fühlen uns daher der Stadt zugehörig, soweit dies für Zirkusleute möglich ist.“

Stefanie Frank und ihr Partner Dany Brumbach leiten das Unternehmen gemeinsam. Die beiden lernten sich über den Zirkus kennen. Wie die 46-Jährige erzählt, stammt sie ebenfalls aus einer Zirkusfamilie, so kam die Verbindung zu Dany von der Brumbach-Circus-Dynastie zustande.

Bereits Ende November rückte das Brumbach-Team mit Mann und Maus in Mühldorf an. Wobei sich die „Mäuse“ als Kamele, Pferde, Lamas und Alpakas entpuppten, wie ein Blick in den Stall beweist. „Bis zur Premiere am 18. Dezember waren wir arbeitsmäßig völlig ausgelastet“, betont die Chefin.

Jeder müsse beim Aufbauen kräftig anpacken, schließlich seien sie ein Familienbetrieb, da könne niemand auf der faulen Haut liegen. Neben Stefanie Frank und ihren drei Kindern sind auch Danys Eltern sowie seine beiden Schwestern mit Partnern fest in das Zirkusleben eingebunden. Was Sohn Miguel und seine Schwester Liliane gerne zugeben: „Der Weihnachts-Zirkus ist schon etwas ganz Besonderes, quasi der Höhepunkt des Jahres.“

Weihnachts-Zirkus auch am Heiligen Abend

Heuer präsentieren die Brumbachs ein neues Spitzen-Programm mit einer Las-Vegas-Show, einem Ballett und fliegenden Menschen.

Das rot-weiße Zelt öffnet sogar am Heiligen Abend seine Tore. Manege frei heißt es an diesem besonderen Tag bereits um 13 Uhr. Zur Vorstellung erscheinen überwiegend Väter und Großeltern mit ihrem Nachwuchs, damit zu Hause das Christkind Weihnachtsvorbereitungen treffen kann.

„Am Heiligen Abend sowie an den Weihnachtstagen zu spielen, gehört zu unserer DNA, das macht uns richtig Spaß“, verkünden die Zirkusleute, und Stefanie fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Besinnlich wird es bei uns eigentlich erst im Januar, wenn wir alle Vorstellungen souverän abgeliefert haben und unser Publikum begeistert war.“

Die Zirkusdirektorin denkt an ihre Großmutter zurück, die tatsächlich ein Häuschen mit Garten besaß. „Ein Sonderfall in meiner Familie“, bescheinigt die 46-Jährige, die in ihrem bisherigen Leben nie sesshaft war, was bedeutet: Der Wohnwagen ist ihr einziges Zuhause, nichts anderes kommt in Betracht. Ihre Mutter sei sogar in einem Wohnwagen zur Welt gekommen.

Bei der Oma feierte Stefanies Großfamilie einst das Weihnachtsfest. „Der Garten wurde zum Parkplatz für unsere Wohnwägen, und drinnen im Haus schmückten wir mit der Großmutter die Räumlichkeiten und bereiteten ein wunderbares Weihnachtsmenü zu“, erinnert sich die heutige Zirkus-Chefin, hakt aber gleich nach: „Natürlich genossen wir die Weihnachtstage mit unserer Oma in ihrem Häuschen, mir persönlich fehlen aber weder eine feste Wohnung noch ein Haus. Ich fühle mich in unserem Wohnwagen pudelwohl.“

Familienleben im
Wohnwagen

Diese Aussage unterschreiben auch ihr Lebensgefährte Dany und die drei Kinder. Die zwei älteren Kinder besitzen bereits einen eigenen Wohnwagen, während der 16-jährige Miguel noch bei seinen Eltern untergebracht ist. Zum Essen trifft sich die Familie regelmäßig bei Mama Stefanie, und das nicht nur zur Weihnachtszeit. Bei den Zirkusleuten geht es während der ganzen Spielsaison sowie beim beliebten Mitmach-Zirkus immer wuselig zu. Der Weihnachtszirkus mit seinen glanzvollen Elementen sticht trotzdem heraus. Im Klartext heißt das: In der Manege noch mal eine Schippe drauflegen.

Obwohl die drei „Zirkuskinder“ schon groß sind, verzichtet ihre Mutter keinesfalls auf eine Weihnachtsdekoration in ihrem Heim auf Rädern. Sie, die sonst als taffe Moderatorin bei den Vorstellungen auftritt, schmückt die „eigenen vier Wände“ liebevoll mit Lichtern, Sternen und Kerzen. Gibt’s auch einen Christbaum im Wohnwagen? „Selbstverständlich“, sagt Miguel, der in der Manege als Clown für Heiterkeit sorgt. Aufgrund der Platzverhältnisse im Wohnwagen kommt nur ein kleiner Baum infrage, den die Brumbachs meist kurz vor knapp in der Region kaufen.

Christbaum
im Zirkuszelt

Mama Stefanie plaudert aus dem Nähkästchen und gibt zu: „In Sachen Weihnachtsgeschenke bin ich ebenfalls auf den letzten Drücker unterwegs, dann flitze ich noch schnell in einige Geschäfte am Stadtplatz.“ Bis es am Heiligen Abend für die Zirkus-Leute zum gemütlichen Teil übergeht, dauert es tatsächlich ein Weilchen. Nach jeder Vorstellung wird nämlich aufgeräumt, da bildet der Weihnachtstag keine Ausnahme.

Eigentlich gehört für die Familie traditionell am Heiligen Abend eine Ente auf den Tisch. „Manchmal schaffe ich es nicht, den Braten rechtzeitig in den Ofen zu schieben“, gesteht die 46-Jährige. Mit Punsch und Plätzchen lässt sich aber auch wunderbar Weihnachten feiern, kuschelig im Wohnwagen oder aber im Zirkuszelt. „Wenn außer den Verwandten weitere Artisten und Künstler vom Weihnachtszirkus mit uns feiern möchten, dann laden wir alle ins Zirkuszelt ein“, erzählen Stefanie und Dany. Immerhin steht dort auch ein Christbaum: ein ganz großer mit Festbeleuchtung.

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