Wer hat den Pfarrer ermordet?

von Redaktion

Die 20-jährige Ena Mies arbeitet an ihrem dritten Krimidinner

Seit Wochen sitzt Ena Mies zu Hause, druckt, schneidet und faltet Spielhefte, gemeinsam mit ihrem Freund. Gebürtig kommt die 20-jährige Studentin aus Aschau am Inn. Aktuell pendelt sie nach Passau, wo sie Grundschullehramt studiert. Doch im Moment dreht sich bei ihr alles um ihre Krimidinner: „Das ist meine kleine Welt, die ich mir Stück für Stück aufgebaut habe“, sagt sie.

Geschichten
statt Krimis

Ena schrieb schon früh Kurzgeschichten, wobei sie sich mehr für romantische Stoffe als für Krimis interessierte: „Ich mag es eher verzaubernd.“ Was sie jedoch reizte, war das Ausdenken und Schauspielern. Ihr Einstieg ins Krimidinner-Schreiben begann nach einem Spieleabend unter Freunden, an den sie sich heute noch gerne erinnert: „Das Spiel war sehr wild und wir zitieren heute noch Insider darüber.“

Das Krimidinner an sich habe Spaß gemacht, aber sie „nicht wirklich vom Hocker gehauen“. Nicht mehr losgelassen hat sie hingegen die Mischung aus Rätseln, gemeinsam Stunden ohne Handy miteinander zu verbringen, detailverliebte Requisiten und die Idee, eine eigene gute Geschichte zu kreieren.

Vom ersten Fall
zur eigenen Reihe

„Einfach ausprobieren!“ – das ist Enas Motto. Also entwickelte sie ein eigenes Konzept. Den ersten Versuch schrieb sie mitten im Abitur 2024, wobei sie die Zugfahrten zur FOS in München als Schreibzeit nutzte. Dort profitierte sie von den gestalterischen Fächern: „Ohne das Wissen und die Übung hätte ich mich schwerer getan, die Hefte und mein Logo so hinzubekommen.“

Zettelwirtschaft
und Handarbeit

Ideen kommen im Alltag. Ena skizziert Figuren, Motive und Geheimnisse erst auf Papier, bevor alles digitalisiert und in Heften zusammengestellt wird. „Ich mag es, mit Zetteln zu arbeiten.“ Ist das Spiel bereit, folgt eine Proberunde mit Freunden und Familie. Ihr Freund unterstützt sie vor allem beim Drucken und Falten und findet es „ein saucooles Hobby“.

„In Ewigkeit Amen“
und Dorffest

Ihr erstes Spiel „In Ewigkeit Amen“ spielt auf einem Dorffest in Kirchwald, wo der neue, beliebte Pfarrer tot aufgefunden wird. Jeder Dorfbewohner hat sein Geheimnis. Die Hauptfigur entstand aus Enas Auseinandersetzung mit Kirche und Glauben. Klischees setzt sie dosiert ein, um humorvolle und nachdenkliche Momente zu erzeugen.

Kreativität
und Balance

Ena legt Wert darauf, dass ihre Spiele nicht zu leicht oder zu schwer sind. „Ich möchte die Spieler zum Nachdenken anregen.“ Die Rollen sind ausgewogen, Motive und Alibis gut verteilt. Ihr Ziel ist eine faire Balance und Überraschungen für die Gäste: „Es macht einfach Spaß, sich immer wieder was Neues zu überlegen und die Spieler zu überraschen.“

Das zweite Spiel:
Ein Bordell als Bühne

Ihr zweites Krimidinner „Das rote Chamäleon“ entstand aus einer spontanen Idee einer Freundin: Ein Bordell als Schauplatz sei einzigartig. „Da hatte sie mich schon gehabt.“ Alles dreht sich um die Bordellbesitzerin Ada Lumiere, die tot in ihrem Club aufgefunden wird. Junge Leute reagieren überrascht und offen auf das Spiel, ältere oft zurückhaltend, aber nicht ablehnend. Ena freut sich auf weitere Rückmeldungen.

Der erste
Verkaufsstand

Auf den Christkindlmärkten in Aschau am Inn und Waldkraiburg hatte sie ihren ersten Verkaufsstand: „Das war eine wunderschöne Überraschung, und für mich persönlich ein voller Erfolg. Die Besucher haben sehr positiv und interessiert auf meine Spiele reagiert.“ Dabei war alterstechnisch von Anfang 20 bis ins Rentenalter alles dabei. Besonders interessant war, dass ihr Krimidinner „Das rote Chamäleon“ mit dem Thema Bordell am besten ankam: „In Aschau habe ich es doppelt so oft verkauft wie das erste. Auch hier waren Käufer allen Alters dabei.“

Einen festen Tagesablauf hat sie aktuell nicht. „So wie andere eben in ihrer Freizeit lesen oder Spiele zocken, läuft es bei mir mit dem Krimidinner“, so Ena ihren. Das dritte Krimidinner ist bereits in Planung: „Ich freue mich schon darauf, die Geschichte zum Leben zu erwecken“, sagt sie. Im neuen Projekt sollen die besten Elemente früherer Spiele verschmelzen.

Freunde und Familie reagieren positiv, helfen bei Testspielen, Fotos und Feedback. Einen eigenen Verlag will Ena nicht gründen, aber ihre Spiele auch nicht an einen großen Hersteller verkaufen: „Ich möchte meine Rechte nicht abgeben.“ Detailverliebte Hinweise und die persönliche Note sollen erhalten bleiben. Ihr Angebot will sie erweitern und eine eigene Website einrichten.

Kontakt

E-Mail:

leichnschmaus@gmx.de

Insta:

@leichnschmaus lauten.

Artikel 1 von 11