Zwei Wochen wie ein Film

von Redaktion

Everglades – das leise
Atemholen des Südens

Shutdown in den USA – schlecht für Staatsbedienstete, gut für Touristen. Eintritt? Niemand da. Die Everglades liegen still da, ein Labyrinth aus Gras, Wasser und Vogelrufen. Im südlichsten Ort der Glades, Flamingo, herrscht beinahe gespenstische Leere.

Wenige Meilen weiter zeigt Florida dann die Zähne: Im Shark Valley radeln wir den 25-Meilen-Rundkurs entlang – links und rechts Alligatoren, reglos im Licht. Mehr als 30. Dazu Baby-Alligatoren und sogar zwei Salzwasserkrokodile.

Der Ranger sagt trocken: „Die kamen irgendwann her – und geblieben sind sie auch.“

Postkartenstrände,
Hurricanes und Delfine

Fort Myers, Naples, Bradenton – die Westküste wirkt wie ein endloser Strandtraum. Weißer Sand, Villen, Foodtrucks und Menschen, die das Leben feiern. Hurricanes haben hier deutliche Spuren hinterlassen. Aber Floridians sind zäh – und feiern den Sonnenuntergang, als gäbe es keine Stürme.

In Bradenton perfektionieren Delfine das kitschige Abendrot. Pelikane stürzen sich ins Wasser, am Strand posieren Trump-Fans pathetisch vorm Himmel. So ist Florida eben – alles ist gleichzeitig.

Tampa, Ybor City und die
Sehnsucht nach Kuba

Als Regen einsetzt, steuern wir Ybor City an – einst kubanisches Zentrum der Zigarrenindustrie, heute ein nostalgisches Viertel aus Backstein, Bars und Jazz. Die historische Straßenbahn klappert durch die Gassen und verbindet Gegenwart und Vergangenheit in charmant quietschender Beharrlichkeit.

Crystal River – Begegnung
mit sanften Riesen

In Crystal River warten die Seekühe – oder besser: Sie werden bald kommen. Die Temperaturen sinken, und die riesigen Manatis suchen bald die warmen Quellen. Einige sind schon da. Das Wasser ist kristallklar. Wir treiben auf Schwimmnudeln, lautlos, zurückhaltend. Eine Seekuh gleitet unter uns durch, langsam, gelassen – ein Moment, der sich einbrennt.

Geschichte, Moos und
spanische Mauern

Der Weg zurück an die Ostküste führt uns an Pferderanches vorbei bis St. Augustine, der ältesten Stadt der USA. Spanische Festungen, koloniale Architektur, Kopfsteinpflaster. Viel Kitsch, ja – aber auch viel Charme. In den uralten Eichen hängt spanisches Moos, das kein Spanier je berührt hat, sondern eine Tillandsie ist, eine luftsaugende Pflanze, die im Wind wie Lametta wirkt.

Noch ein letztes Sonnenbad im Anastasia State Park, Schildkröten inklusive, dann ruft der nächste Höhepunkt.

Cape Canaveral – wo die
Zukunft startet

„Every good day starts with a national anthem.“ Im Kennedy Space Center beginnt der Tag mit wehender Fahne in Zeitlupe. Dann öffnet sich das Tor zur Raumfahrtgeschichte: Apollo, Shuttle, SpaceX. Eine Booster-Stufe von Musks Raketen wird gerade zum Startplatz transportiert – Gebrauchsspuren inklusive.

Der Höhepunkt aber ist der Moment, in dem die Leinwand hochfährt und plötzlich die Atlantis vor einem schwebt, fast greifbar. Die Tragödien von Challenger und Columbia werden nicht ausgespart, im Gegenteil: Sie gehören hier genauso zur Geschichte wie die Triumphe.

Rückblick – zwei
Wochen wie ein Film

Florida zeigt sich als Bundesstaat voller Kontraste: Art-Déco neben Alligatorgräben, Delfine neben SpaceX-Booster, kubanischer Kaffee neben Patriotsmärschen. Ein Ort, der nie langweilig wird. Und einer, der beweist: Auch spontane Entscheidungen führen manchmal zu den besten Geschichten. Die Reise sollte nach Kuba gehen. Geworden ist es Florida. Ein Tausch, der sich gelohnt hat.

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