IT-Berufe bleiben gefragt

von Redaktion

Stabiler Arbeitsmarkt trotz schwieriger Gesamtlage

Die deutsche Wirtschaft verzeichnet laut dem Digitalverband Bitkom derzeit einen Mangel von rund 109.000 IT-Fachkräften. „Aktuell fehlen in der deutschen Wirtschaft rund 109.000 IT-Fachkräfte“, erklärt Adél Holdampf-Wendel, Bereichsleiterin Future of Work beim Bitkom. Zwar bremst die schwache Konjunktur derzeit Neueinstellungen und führt in manchen Branchen auch zum Stellenabbau, doch handelt es sich dabei um eine vorübergehende, konjunkturelle Entwicklung.

Der strukturelle Trend zur Digitalisierung bleibt ungebrochen – und mit ihm der hohe Bedarf an qualifizierten IT-Kräften. Drei Viertel der Unternehmen (74 Prozent) sehen den Fachkräftemangel weiterhin als größte Hürde für ihre digitale Transformation, etwas weniger als im Vorjahr (78 Prozent), aber deutlich mehr als noch vor zwei Jahren.

Veränderte Anforderungen

Gleichzeitig verändern sich die Anforderungen auf dem IT-Arbeitsmarkt. Während die Nachfrage nach klassischen IT-Profilen wie Softwareentwicklern und Systembetreuern unverändert hoch bleibt, gewinnen Kenntnisse in künstlicher Intelligenz, IT-Sicherheit und Cloud-Technologien zunehmend an Bedeutung. Dadurch kann es zu einem Mismatch zwischen Qualifikationen und offenen Stellen kommen.

Offen ist, wie sich KI langfristig auf dem Arbeitsmarkt bewährt: Während 27 Prozent der Unternehmen mit einem Stellenabbau rechnen, sehen 42 Prozent durch den Einsatz von KI einen zusätzlichen Bedarf an IT-Fachkräften – oft können beide Effekte innerhalb eines Unternehmens gleichzeitig auftreten.

Arbeitsmarkt
in der Region

Trotz konjunktureller Zurückhaltung zeigt sich der Arbeitsmarkt für IT-Berufe in der Region weiterhin robust. Nach aktuellen Zahlen der Agentur für Arbeit Traunstein waren im November 2025 insgesamt 47 offene Stellen in den vier Berufsgruppen Informatik, IT-Systemanalyse und -vertrieb, Netzwerktechnik sowie Softwareentwicklung gemeldet. Das ist im Vergleich zu 67 Stellen im Vorjahresmonat zwar ein Rückgang, aber immer noch auf stabilem Niveau.

Während in der klassischen Informatik der Stellenbestand zulegte, ging die Zahl der Angebote in der Systemanalyse und im IT-Vertrieb sowie in der Netzwerktechnik zurück. In der Softwareentwicklung blieb das Niveau über das Jahr hinweg relativ konstant mit den üblichen leichten Schwankungen.

Ein Grund für die rückläufige Nachfrage im Vertrieb und Systemanalyse dürfte laut Arbeitsagentur die allgemeine Investitionszurückhaltung der Unternehmen sein. „Wenn Betriebe bei Anschaffungen sparen, betrifft das oft auch Investitionen in neue Hard- und Software“, heißt es. Demgegenüber führt die zunehmende Einbindung moderner KI-Anwendungen in bestehende Systeme zu einem verstärkten Bedarf an qualifizierten Programmierkenntnissen, was die stabile Nachfrage nach Softwareentwicklern erklärt.

Hoher
Spezialisierungsgrad

Die IT-Berufe im Agenturbezirk sind klar im Fachkräfte- und Expertenbereich angesiedelt: Helfer- oder Anlerntätigkeiten gebe es keine. In der Informatik entfallen mehr als die Hälfte der offenen Stellen (16 von 23) auf den Bereich „Spezialist/Experte“, also meist Positionen, die ein Studium oder eine vergleichbare Qualifikation erfordern. In der Netzwerktechnik suchen Arbeitgeber sogar ausschließlich Spezialisten (13 von 13 Angeboten).

Aktuell sind in den vier IT-Berufsfeldern 176 arbeitslose Bewerberinnen und Bewerber gemeldet. Aufgrund des hohen Spezialisierungsgrads gestalte sich ihre Rückkehr in den Arbeitsmarkt oft schwierig: „Um wieder zusätzlichen Anschluss zu finden, müssen meist erst Qualifikationen erworben werden“, heißt es vonseiten der Arbeitsagentur. Solche Weiterbildungen können in bestimmten Fällen gefördert werden.

IT-Berufe bleiben auch im Agenturbezirk Rosenheim gefragt – trotz insgesamt eingetrübter Wirtschaftslage. Während die Zahl der Stellenangebote über alle Berufsgruppen hinweg gesunken ist, legte die IT hier leicht zu.

Im Bereich IT-Berufe, die von der Bundesagentur für Arbeit in vier Berufsgruppen zusammengefasst werden, stieg die Zahl der gemeldeten Stellenangebote in Stadt und Landkreis Rosenheim von 51 im November 2024 auf 61 im November 2025. Im gleichen Zeitraum gingen die Stellenangebote über alle Berufsgruppen von 2.267 auf 1.942 zurück.

„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass IT-Berufe in unserer Region weiterhin gute Chancen bieten – selbst in insgesamt schwierigen Zeiten“, betont die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Rosenheim, Dr. Nicole Cujai.

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