von Redaktion

„Das erste Jahr ohne meinen geliebten Menschen ist da – wie kann ich das nur bewältigen?“

Das ist eine Frage, die wohl jeden Trauernden zum Jahreswechsel beschäftigt. Die Weihnachtszeit ist vorbei und sicher wurden viele schöne Stunden mit Freunden und Familienmitgliedern begangen. Trotzdem fühlt es sich „anders“ an, ohne den geliebten Partner oder die geliebte Partnerin den ersten Jahreswechsel zu erleben. Waren in den letzten Jahren doch die gemeinsamen Vorbereitungen für die Silvesternacht ein Ritual, bei dem sich zwei Menschen sehr nahe gefühlt haben. Und jetzt ist es da, dieses „anders anfühlen“. Für wen soll man noch feiern, wie soll es im neuen Jahr denn überhaupt ohne diesen besonderen Menschen funktionieren?

Zwischen Rückblick
und Neuanfang

Viele grübeln, wie sie ein neues Jahr beginnen sollen, wenn sich innerlich „nichts bessert“ und der Schmerz gleich bleibt. Fragen wie „Wie schaffe ich ein ganzes weiteres Jahr ohne meinen geliebten Menschen?“ oder „Darf ich überhaupt wieder Schönes erleben?“ stehen oft stark im Vordergrund.

Neue, kleine
Hoffnungsimpulse

Die Hoffbauer-Stiftung empfiehlt dazu, ein kleines Jahresritual zu entwickeln, um auch winzige positive Momente zu würdigen. Als „Impulse für den Trauerweg“ beschreibt die Stiftung in einem Faltkalender, dass zu dem Weg zunächst das eigentliche Überleben zählt. So soll ein Mindestmaß an Sicherheit vorhanden sein, bevor der Mensch sich emotional überhaupt auf die Trauer einlassen kann. „Weiter atmen, den Tag überstehen“ sind hier die Schlagwörter.

Eine enorme
Herausforderung

Das Realisieren, dass der Mensch wirklich gegangen ist, ist ebenfalls eine enorme Herausforderung, der man sich stellen muss. Sich mit Freunden und Verwandten auszutauschen, ist hier enorm hilfreich. Sich an die gemeinsamen Erlebnisse zu erinnern – und das eben mit Freunden oder der Familie – hält die Erinnerung an den verstorbenen Menschen wach und gibt mehr Trost, als sich Außenstehende vielleicht vorstellen mögen.

Auf immer
verbunden bleiben

Es ist die Liebe, die den geliebten und den trauernden Menschen miteinander verbunden hat – und das oft über viele Jahrzehnte. Als Trauernder hilft es, sich diese Liebe immer wieder bewusst zu machen und aufs Neue zu erleben. In Gedanken mit diesem besonderen Menschen sprechen – auch gerne laut ausgesprochen, ihn bei den täglichen kleinen und großen Aufgaben einbinden. Und sich bewusst zu machen, dass die Liebe auch über den Tod hinaus Bestand hat, ist für viele Trauernde eine sehr große Hilfe. „Mein Mensch ist ja immer noch da – hier in meinem Herzen“ – mit dieser Empfindung ist die Trauerarbeit oft etwas leichter; man fühlt sich eben doch nicht ganz so allein.

Sich neu
einordnen

Und letztendlich kommt auf den trauernden Menschen noch eine besonders schwierige Aufgabe zu: sich neu einzuordnen. „Wo stehe ich denn jetzt in meinem Leben? Wie organisiere ich meinen Alltag? Wie stemme ich die vielen Aufgaben, die ich nun alleine bewältigen muss?“

Die Trauerarbeit ist für jeden sehr individuell – es gibt nicht „den“ einen Weg. Auch sind die vielen kleinen Schritte, die der trauernde Mensch gehen wird, nicht in eine feste Reihenfolge gegossen. Es ist normal, wenn einen auf dem Weg die Traurigkeit des Verlustes wieder mit voller Wucht trifft und man wieder einige Schritte auf seinem Trauerweg zurückgehen muss. Auch das gehört dazu, denn Trauer ist so individuell wie der Mensch, den man verloren hat – aber auch so individuell wie der Trauernde selbst.ESE

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