Mauritius ist ein Sehnsuchtsziel vieler Deutscher. Das wissen nicht nur die Macher von Constance Hotels & Resorts, die seit 50 Jahren dieses einzigartige Reiseziel mitaufgebaut haben. Das merkt man auch im restlos ausgebuchten Condor-Flieger, der von Frankfurt direkt zur Insel mit den goldgelben Badestränden im Schutz eines Korallenriffs fliegt. Doch Mauritius ist nicht nur Sonnentanken pur. Mauritius kann noch viel mehr. Vom Flic en Flac, dem längsten Strand der Insel, etwa geht es durch ein kleines, verstecktes Waldstück zur goldenen Bucht von Le Tamarin. Fast allein ist man hier mit all der Schönheit wiegender Palmen und kleinen sich kringelnden Wellen. Taucht man ein in den Indischen Ozean, dann unbedingt mit Schnorchelbrille. Die Unterwasserwelt ist ein Traum, kunterbunt, neugierig und blitzschnell suchen die kleinen Fische Kontakt zu den Menschen. Wer es größer mag, setzt sich auf einen der Katamarane, die raus zu den Delfinen oder hinein in den Sonnenuntergang segeln. Alles herrlich entspannt, wie die Dim Sum to go, die man mittags an der kleinen Strandbude kauft und als Picknick im Liegestuhl vernascht.
Etwas hektisch wird‘s nur, wenn man sich hinters Steuer wagt. Auf Mauritius herrscht Linksverkehr, ein ziemlich wilder. Wen das überfordert, der bucht einen Fahrer für eine Tagestour oder nimmt für nur wenige mauritische Rupien die öffentlichen Busse. Außerdem erschließt von Port Louis aus eine Tram das Inselinnere. Sie rumpelt hinauf bis in die kühlere, 500 Meter hoch gelegene Stadt Curepipe, ein beliebtes Shoppingziel für Sommerkleider und Modeschnäppchen. Schließlich hatte die Insel mal eine blühende Textilindustrie. Donnerstags und sonntags lohnt die Fahrt auf den Markt von Quatre Bornes. Einer der authentischsten der Insel. Apropos Schlemmen: Die quirlige und kontrastreiche Hauptstadt Port Louis, Schmelztiegel der Kulturen, lässt sich bei einer Street-Food-Führung am besten erleben. Christophe Minerve führt uns durch die Gassen. Er ist Guide bei Taste Buddys, hat am Theater als Schauspieler und als Animateur in Hotels gearbeitet und sich schon als Kind für Geschichte interessiert. Darum füttert er uns erst einmal mit Infos: „Mauritius war noch unbewohnt, als die Europäer nach Indonesien und Indien segelten und im 16. Jahrhundert hier Halt machten. Entstanden ist eine Fusionsküche mit Einflüssen aus Ost und West, die unsere multikulturelle Gesellschaft bis heute spiegelt.“
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>>> Vom Treffpunkt an der europäisch anmutenden Caudan-Waterfront geht es zur Markthalle im Bahnhof Victoria Station. Erster Probierstopp am Eingang: Dholl Puri, köstliches indisches Fladenbrot mit würziger Tomaten-Curry-Füllung oder Roti mit Kidney-Bohnen und Taroblättern, Street-Food-Klassiker des zu zwei Dritteln von Indomauritiern bewohnten Landes, das 1968 von Großbritannien unabhängig wurde. „Lange Zeit gab es auf Mauritius kein Obst. Erst die Holländer führten Kokosnüsse und Bananen ein“, so Christophe, während er über das buckelige Pflaster auf eine Bäckerei zusteuert: die ASR Coffee und Juice Bar. „Hier probieren wir den Bananenkuchen, den die Franzosen erfanden.“ Der Blick schweift von der Schoko-Tarte zur indischen Samosa. Vorbei an der langen Moschee geht es dann durch das große Tor nach Chinatown in den Supermarkt Mr. Chu. Die Chinesen, heute nur 3 % der Bevölkerung, eröffneten im Viertel Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Läden. „Sie gewährten als erste Kredite, ließen bis zum nächsten Lohn anschreiben“, erzählt Christopher. Bei Mr. Boulettes sind die Bouletten gefüllte kantonesische Teigtaschen – Dim Sum in einer dampfenden Schüssel auf einem Nudelbett serviert, Füllung und Gemüse nach Wahl. Christopher zeigt uns auch seine Lieblingsorte, wie den Jardin de la Compagnie. In dem Park mit Skulpturen von Persönlichkeiten aus der Ära der Franzosen spenden riesige Banyan-Bäume Schatten, eine tropische Feigenart mit Luftwurzeln. Wer lange genug nach oben schaut, sieht Rodrigues-Flughunde in den Bäumen, eine mit den Fledermäusen verwandte, endemische Art der Insel Rodrigues, die zu Mauritius gehört. Im Natural History Museum ist mehr über sie zu erfahren. Der Stolz des Hauses ist ein Skelett des Nationalvogels Dodo. 1690, kurz nach der Ankunft der Niederländer ausgestorben, ist er heute ein Motiv auf Banknoten und Briefmarken.
Colossal Biosciences, ein US-Forschungsunternehmen, plant die Klonung einer schweren, flugunfähigen Taubenart. Währenddessen erzählt Christopher bei einem Alouda-Sorbet, einem Milchshake mit Basilikumsamen, Agar-Agar und Vanilleextrakt, von Sklaverei und indischen Vertragsarbeitern. Das Interkontinentale Museum für Sklaverei ist den verschleppten Menschen gewidmet, die einst in der Zuckerrohrindustrie arbeiten mussten. Die Zeit nach der Abschaffung der Sklaverei 1835 wird im Aapravasi Ghat dokumentiert, einem Quarantänelager für indische Vertragsarbeiter, das heute zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Am nächsten Tag führt die Aromen-Tour entlang der Rum- und Vanilleroute durch Zuckerrohr- und Teefelder. Die Teefabrik Bois Chéri, die 250 Hektar mit der Teepflanze Camelia sinensis bewirtschaftet, beschäftigt 150 Arbeiter auf den Feldern und 70 in der Fabrik. Besucher können die Verarbeitung und Verpackung erleben und den Tee sowie verschiedene Aromen vor der Kulisse eines Kratersees im Terrassencafé probieren. Spezialitäten wie Palmherzensalat mit Meeresfrüchten locken ins Panoramarestaurant. In der Nähe liegt Grand Bassin, wo der Legende nach Shiva einen Tropfen des Ganges verschüttet haben soll. Die 33 Meter hohe Statue des Hindugottes und die Göttin Durga auf einem Löwen sind Symbole der Verehrung. Grand Bassin, mit dem größten hinduistischen Tempel außerhalb Indiens, ist eine Pilgerstätte. Gläubige und Touristen erhalten im Tempel Vishnus Segen für Gesundheit. Mauritius verlässt man beseelt, dank der vielfältigen Erlebnisse auf dieser Insel im Indischen Ozean. Petra Sparrer