Wer an Deutschlands zahlreichen Baustellen vorbeikommt, dem fällt eines schnell auf: Hinter Absperrung und Baugerüst findet man häufig wenig Personal, das mit entsprechenden Arbeiten beschäftigt ist. Steht dahinter bereits der aufgrund der demographischen Entwicklung befürchtete Fachkräftemangel? Oder täuscht hier der subjektive Eindruck?
Tatsächlich täuscht der Eindruck in diesem Fall nicht. In Sachen Fachkräftemangel steht das Baugewerbe auf Platz zwei aller deutschen Wirtschaftszweige. Das geht aus einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor, die erstmals den Fachkräftemangel systematisch auch nach Branchen und Berufen aufschlüsselt. Laut der Untersuchung blieben 2024 im Bereich „Vorbereitende Baustellenarbeiten, Bauinstallation und sonstiges Ausbaugewerbe“ knapp 41.300 Stellen unbesetzt – mehr als in fast jeder anderen Branche. Nur das Gesundheitswesen weist mit mehr als 46.000 unbesetzten Stellen einen noch größeren Engpass auf. Immerhin beim Nachwuchs gibt es aktuell eine positive Entwicklung, wie der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) in einer Pressemeldung berichtet. So verzeichnet das Gewerbe einen deutlichen Zuwachs: 13.501 junge Menschen haben 2025 einen Ausbildungsvertrag unterschrieben – ein Plus von 12,7 Prozent im ersten Lehrjahr gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt absolvieren 38.955 junge Menschen im Bauhauptgewerbe eine Ausbildung, fünf Prozent mehr als im Vorjahresmonat.
Zu früh freuen sollte man sich allerdings nicht. Zwar hat sich die Stimmung in der Bauwirtschaft gedreht, „seit politische Entwicklungen wie das Sondervermögen, der Bau-Turbo und die etwas stabilere Lage im Hochbau wieder Zuversicht bieten“. Das beschreibt die Jahresanalyse des Düsseldorfer Marktforschungsinstituts BauInfo Consult. Allerdings dürfte in Zukunft das Problem des Fachkräftemangels weiter zunehmen, erklären die Experten: „Die Verrentung der geburtenstarken Jahrgänge rückt mittlerweile nicht mehr nur näher – sie hat längst begonnen.“ Christoph Kastenbauer