Die jungen Oldies werden von Jahr zu Jahr zahlreicher. Klassische Automobile, die durch das begehrte „H“ auf dem Kennzeichen den amtlichen Ritterschlag zum mindestens 30 Jahre alten Oldtimer erhalten und die Sehnsucht nach der vermeintlich guten alten Zeit befriedigen. Rund 900.000 historische Fahrzeuge mit und ohne „H“ sind bereits beim Kraftfahrt-Bundesamt registriert, und 2026 wird diese Zahl noch einmal steigen. Denn dann passieren viele Modelle die magische Altersgrenze.
Mehr als 80 Neuheiten bot das automobile Premierenfeuerwerk des Modelljahrs 1996. Die Liste der Neuankömmlinge im H-Sektor startet beim winzigen Cityflitzer Ford Ka im kuriosen New-Edge-Design. Der Toyota Starlet debütierte in Neuauflage, bevor der Yaris den Staffelstab übernahm, der uralte Mini versuchte als „1.3“ ein finales Revival vor dem Debüt des New Mini made by BMW – und außerdem erhielten Lancia Y, Nissan Micra sowie Renault Twingo etwas Make-up.
Dazu kamen pragmatische Hochdach-Kombis à la Citroën Berlingo, Peugeot Partner und Mazda Demio sowie praktische Kombis von Audi (A4 Avant, B5) über Fiat (Marea), Lancia (Kappa), Mercedes (C-Klasse S 202 und E-Klasse Baureihe 210), Opel (Vectra) bis zu VW (Passat B5) und Volvo (V70). Alternativ fuhr man sperrige Vans wie den Renault Mégane Scénic oder Espace, Opel Sintra, Seat Alhambra und Toyota Picnic.
Sportlichen Spaß versprachen dagegen frische Pulsbeschleuniger vom Toyota Paseo über den Klappdach-Sportler Mercedes SLK oder den Frischluftstars Porsche Boxster und BMW Z3 bis hin zu Exoten wie Plymouth Prowler oder Viper GTS mit bärenstarkem 8,0-Liter-V10. Unter dem Slogan „The Cat is back“ ließ Jaguar den XK8 als Coupé und Cabrio von der Leine, und tatsächlich konnte es der XK8 auf einigen Märkten mit Mercedes SL und Porsche 911 aufnehmen. Für Autokäufer, denen Nervenkitzel völlig fremd war und die ihr Budget für Familie und Business einsetzten, hatte Skoda ein cleveres Angebot: Der neue Octavia basierte auf der Plattform des VW Golf IV und beeindruckte mit schickem Design. Auch neu im Handel: bezahlbare Importmodelle von Marken wie Fiat (Marea, Palio), Kia (Clarus und Elan), Suzuki (Baleno Wagon, X-90), Citroën (Saxo), Hyundai (Tiburon), Nissan (Primera) und Mazda (121, Demio).
Voraussetzung für ein H-Kennzeichen zur Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes ist, dass das Auto mindestens 30 Jahre alt sein muss, weitgehend dem Originalzustand entspricht und gut erhalten ist. Ein Oldtimer-Gutachten ist zwingend erforderlich. Mit H-Kennzeichen profitiert man von Steuervergünstigung, darf in Umweltzonen einfahren und kann den Wagen meist günstiger versichern. WOLFRAM NICKEL/SP-X