Alles wächst. Auch Dacia legt zu. Nicht nur beim Umsatz steigert sich die Marke, sondern steigt mit dem Bigster in ein neues Segment auf. Wir konnten den mit 4,57 Metern Länge bislang größten Dacia einem Alltagstest unterziehen.
Lob: Der Neue aus dem Hause Dacia ist gegenüber dem bisherigen größten SUV, dem 4,34 Meter langen Duster, ein gutes Stück gewachsen und hat dementsprechend viel Platz für Passagiere und Gepäck. Vier Erwachsene sitzen sehr bequem, hinten ist der Mittelsitz aber nur was für Menschen mit sehr kurzen Beinen. 546 Liter Gepäck passen in den vollbesetzten Dacia, durch Umklappen erweiterbar auf 1.851 Liter. Beim Fahren und Rangieren erfreut sich der Mensch am Steuer an der übersichtlichen Karosserie und an der hilfreichen Heckkamera – die aber leider recht schnell verschmutzt.
Wunder darf man vom 131 PS starken Motor nicht erwarten, aber wer das tut, sitzt sowieso im falschen Auto. Der Bigster erwies sich als gutes Gefährt im Stadtverkehr und bei entspannten Reisen über Land. Der Motor ist etwas brummig, aber stets willig. Dass als Höchstgeschwindigkeit 180 km/h angegeben sind, ist sekundär, wir bewegten uns auf der Autobahn meist im Bereich der Richtgeschwindigkeit und kamen damit gut voran.
Im Innenraum findet sich vor allem Praktisches. Es dominieren glatte Flächen, beim Material hat der Hersteller aber durchaus an das Wohlgefühl der Insassen gedacht. Fast schon revolutionär luxuriös ist die serienmäßige Ausstattung mit einem Panorama-Glasschiebedach in der Extreme-Version. Beim Blick in den Kofferraum fällt die rustikale Gummiauflage ins Auge, die sich aber bei unseren diversen, nicht immer schmutzfreien Transportaufgaben als sehr praktisch erwies.
Kosten: Bei unseren zumeist entspannten Fahrten notierten wir einen Verbrauch von sechs bis sieben Litern auf 100 Kilometer. Unser Bigster im Ausstattungsniveau Extreme kostet 30.890 Euro, das etwas besser ausgestattete Testexemplar stand mit 34.420 Euro in der Liste. Der Bigster in der von uns gefahrenen Mild-Hybrid-130-Allradversion wird im Frühjahr vom Mild Hybrid 140 abgelöst, der über ein neuartiges Allradsystem verfügt. Den von uns gefahrenen Bigster gibt es aktuell noch als Neuwagen im Handel.
Kritik: Die Verkehrszeichenerkennung arbeitet eher unzuverlässig, was vor allem dann nervt, wenn Tempolimits nicht richtig erkannt werden. 467 Kilogramm maximale Zuladung sind kein Spitzenwert und mindern die Nutzung als Lastentransporter.
Fazit: Wer einen Dacia kauft, weiß, was er bekommt: ein einfaches, robustes Auto ohne Schnickschnack, das sehr viel fürs Geld bietet, im Alltag rundum überzeugt, aber nur minimal für den Auftritt auf dem Boulevard der Eitelkeiten geeignet ist. VOLKER PFAU